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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 105)

2. Ausstellung der Kunst- 
tersammlung des Österrei- 
chen Museums für ange- 
dte Kunst 
libliothek und Kunstblättersamm- 
des Osterreichischen Museums 
ngewandte Kunst zeigt zur Zeit 
zweite Ausstellung der neuen 
i unter dem Titel „Malerei am 
Ier Moghulkaiser", die zur Haupt- 
2 einem der größten Schätze der 
nhek gewidmet ist. 
ar ein besonders glücklicher Um- 
, daß es der Bibliothek des 
reichischen Museums im Jahre 
gelang, im persischen Pavillon 
Viener Weltausstellung 60 große 
ar mit Bildern einer der bedeu- 
ten Handschriften aus der Zeit 
rs des Großen zu erwerben. Diese 
zr stellen zwar nur einen geringen 
Ies ursprünglichen Bestandes der 
ationen eines mohammedani- 
l Heldenromanes dar, der in 
rn ursprünglichen Umfang etwa 
Blatt enthielt, aber von den heute 
erWelt verstreut erhaltenen Resten 
diese 60 Blätter der großte Teil. 
ihre 1528 festigte der Mongole 
r ein mohammedanisches Reich 
Jrden Indiens und gründete eine 
stie, deren Mitglieder vom 16. bis 
9. Jahrhundert als Großmoghule 
lelhi aus ein Reich regierten, das 
an bedeutenden Erscheinungen 
slamischen Welt Asiens gehört. 
s Reich stand anfänglich in star- 
'eligiösem und politischem Ge- 
itz zu Indien und war gleichzeitig 
ersien verbunden. Am Ende des 
ahrhunderts aber hatte den 
r der Moghulkaiser Akbar der 
i inne, dessen Bestreben dar- 
gerichtet war, einen kulturellen 
eich und eine kulturelle Verbin- 
zwischen den mohammedani- 
Mongolen und Persern einer- 
und den hinduistischen Indern 
i Reiches anderseits zu finden. 
Bestrebungen gingen sogar so 
daß er den Plan faßte, eine neue 
ireligion in seinem Land zu grün- 
Wenn auch diese Mischreligion 
ie durchsetzte, so entstand doch 
lereinigung der anderen kultu- 
Faktoren, die sich deutlich in 
unst dieses Reiches äußert. 
ihr kulturbestrebte und bildungs- 
ige Akbar (Regierungsantritt mit 
hren, 1556) berief an seinen Hof 
große Reihe von Malern und 
aphen aus Persien und ließ von 
alle persischen und indischen 
schritten, die er erreichen konnte, 
reiben und viele von ihnen neu 
eren. Die Bilder, die hier ent- 
zn sind, zeigen den Niederschlag 
ischkultur, die er beabsichtigte, 
ches und Indisches ist in ihnen 
erweise vertreten, und es gelang 
etwas Neuartiges dabei ent- 
i zu lassen. Sein Interesse an 
alerei war so groß, daß er selbst 
iterricht nahm, woraus man er- 
n kann, daß er nicht bloß ein 
iger Auftraggeber war, sondern 
r auch auf Form und Stil der 
ihm entstandenen Werke per- 
hen Einfluß nahm. Von den 
greichen Handschriften oft be- 
rs großen Formates und der 
großen Zahl der Bilder, die hier ent- 
standen sind, ist nur ein bescheidener 
Rest auf uns gekommen. Aber dieser 
Rest gehört zu den bedeutendsten 
Leistungen der islamischen Kunst des 
16. Jahrhunderts. 
Die nunmehr ausgestellten Blätter 
entstammen der Geschichte des Emir 
Hamza, eines Onkels des Propheten 
Mohammed, der wesentlich an den 
Ausbreitungskämpfen des Islams be- 
teiligt war und in der Schlacht bei 
Uhut fiel. Der Roman, der einen histo- 
rischen Kern hat, wurde aber zu einer 
phantastischen Heldengeschichte aus- 
geschmückt, in die alles aufgenom- 
men wurde, was aus Heldenepen be- 
kannt war, Historisch gesehen, wurde 
in die Geschichte sowohl der Kampf 
der mohammedanischen Araber gegen 
die sassanidischen Perser wie der 
Kampf der Perser gegen Ostrom, der 
Kampf der Mohammedaner gegen 
Byzanz und der Kampf der Perser und 
Mongolen gegen Indien__hineinver- 
arbeitet, wodurch eine Uberschich- 
tung islamischer Geschichte vom 7. 
bis zum 16. Jahrhundert entstand. Die 
einzelnen Erlebnisse Hamzas und 
seiner Freunde wurden dabei phan- 
tastisch durch Kämpfe mit Geistern, 
Zauberern und Riesen erweitert. 
Da jedes lllustrationsblatt auf seiner 
Rückseite ein Stück Text enthält und 
noch weitere nichtillustrierte Hand- 
schriften des gleichen Romanes in 
arabischer, persischer und türkischer 
Sprache existieren, läßt sich der In- 
halt des Romanes voll rekonstruieren 
und die einzelnen Bilder in ihren Dar- 
stellungen identifizieren. 
Ebenso phantastisch wie der Inhalt 
sind auch die Bilder in dichten Figu- 
renkompositionen und bewegten viel- 
fältigen Darstellungen von Aben- 
teuern. Die variationsreichen Bilder 
gehen letzten Endes auf persische 
Kunst zurück, zeigen aber ebenso 
viele Elemente des lebendigen indi- 
schen Naturalismus. Ein besonderer 
Zug jener Illustrationen ist der ab- 
geschlossene Charakter iedes Bildes. 
in dem jeweils nur ein Moment aus 
einem längeren Erzählungsabschnitt 
gezeigt wird. Dadurch unterscheiden 
sich diese Bilder grundlegend von dem 
Typus der fortlaufenden Reihenillu- 
stration, die den Anspruch auf Voll- 
ständigkeit erhebt. Hier aber geht es 
um einzelne in sich geschlossene 
Szenen des Textes, die nur lose an- 
einandergereiht sind. 
Nach Akbars Tod wurde zwar seine 
Tradition fortgeführt, doch die Quali- 
tat der künstlerischen Arbeiten seiner 
Zeit nie mehr erreicht. Um ergänzend 
auch diese Zeit zu repräsentieren. 
wurden einige Blätter des 17. und 
18. Jahrhunderts aus dem Besitz der 
Handschriftensammlung der Oster- 
reichischen Nationalbibliothek der 
Ausstellung beigegeben. 
Über die Blätter des Hamza-Romanes 
erschien ein Bilderheft als erstes einer 
Schriftenreihe der Bibliothek des 
Osterreichischen Museums. 
Gerhart Egger 
Hamzas Bruder. Sohn und Freunde bestei- 
gen ein Schilf, um ihn (Hamza) zu suchen 
(Talel 5) 
Kampfszene. Hamzas Sohn als gleichwerti- 
ger Haiiptgegrier in Abwesenheit des Vaters 
in einem unentschiedenen Kampf (Tafel 37)
	        

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