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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 105)

tes, im Kostümlichcn, im Bereich des Ober- 
körpers vor allem gleitet die Kohle mühelos 
sicher in weichem Zuge über das Papier. 
Jeder Strich sitzt, jede Kurve ist voll Ge- 
halt, Hriert das Wesentliche. Zwei parallel 
geführte Bogenlinien und ein paar kleine 
Schnörkel genügen vollauf als Andeutung 
des Goldenen Vlicses. Außer an den Schul- 
tern, am Rand des Brokatkragens und am 
Saum des Hemdes und Untergewandes als 
Begrenzung des Halsausschnittes gibt es 
kaum einen Rcuczug. Das Ganze ist offen- 
bar das Werk von Augenblicken. Ähnlich 
auch das Barett, dcsscn Gesamtform in 
kühn geschwungener Kurvenlinie hinge- 
schrieben ist - im Gegensatz zu der dün- 
nen, zahmen, zögernden Begrenzung gegen 
die Stirne hin. je näher man sich dem Ge- 
sicht zuwendet (wo die Arbeit sicher ihren 
Ausgang nahm, wohin der Stift aber immer 
Wieder zurückkehrte), als desto vorsichti- 
ger, difiiziler erweist sich das Zeichnen. 
Sehr viele der Linien sind hier 7 auch im 
heutigen Bestand noch erkennbar - zuerst 
nur versuchsweise, sehr dünn vorgezeich- 
net, verbessert und wurden erst dann nach 
völliger Klärung sehr scharf herausgezeich- 
net: messerscharf die Nase vor allem, das 
Wangcnprofil, die Augen, auch die schmale, 
feine Öffnung des Mundes, während der 
Mund selbst, die Lippen fast unbegrenzt 
bleiben. Auch die Kinnpartie bleibt auf- 
fällig weich, entbehrt klarer Begrenzung, 
gibt damit den besonderen Natureindruck 
der alternden Form trefflich wieder. Groß- 
zügig, Weich und frei auch Wieder die Haare; 
die Handschrift wird bezeichnenderweise 
auch hier gegen die Stirne hin zarter, feiner, 
überlegten 
Was aber diese Bildnisaufnahme über alles 
Treffen und Ausfeilen des Details hinaus so 
unglaublich auszeichnet und von vorne- 
hercin auch allen darauf aufbauenden Wer- 
ken Dürcrs den einmaligen Rang sichert, ist 
das Einfangen der fürstlichen Haltung, das
	        

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