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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 107)

seines Lebens müssen als Altersperiode 
angesehen werden, da in den Werken dieser 
Zeit bereits Anzeichen von Müdigkeit und 
Kräfteabnahme auftreten. Aus der Re- 
lation zum Verlauf der Barockkunst in 
Böhmen ergibt sich, daß der zweite Ab- 
schnitt (1711[15 bis 1728) ziemlich genau 
mit der Hauptphase des „gr0ßen" Barock 
zusammenfällt, als F. M. Brokof und 
M. B. Braun ihre bedeutendsten Werke 
schufen. 
Brandl ist am 24. September 1735 in 
Kuttenberg gestorben. Sein Werk übte 
eine mächtige Wirkung auf seine Zeit- 
genossen aus und hinterließ deutliche 
Spuren im Schaffen aller, die mit ihm in 
Berührung gekommen waren. Auswirkun- 
gen seiner Kunst finden wir bei Johann 
Kupecky, Johann Christoph Liäka und 
dessen Schüler Jakob Anton Pink. Viele 
Anregungen griffen neben dem etwas 
älteren und erfahreneren Zeitgenossen Mi- 
Chael Wenzel Halbax auch der leider zu 
wenig bekannte Väclav Nosek, der Flame 
12 
Jan Onghers und der Holländer Filip 
Christian Benturn auf. Brandl zählte auch 
zu den zwar nicht offiziellen, aber um so 
mehr bedeutenden Lehrern von Wenzel 
Laurenzius Reiner, weil er zusammen mit 
Halbax die ersten Versuche des jungen 
Künstlers beeinHußte. Auch die Generation 
der Rokokomaler vermochte sich nicht der 
Wirkung von Brandls Kunst zu entziehen. 
Erwähnt seien in diesem Zusammenhang 
die Namen von Franz Julius Lux, Anton 
Kern, Franz Xavcr (Karl) Palko, Ignaz 
Raab und sogar der des Norbert Grund, 
dem Sohn von Brandls Epigonen Christian 
Grund. 
Eine Bildgattung nimmt in Brandls Werk 
einen besonderen Platz ein, die Darstellung 
von Greisenköpfen. Dieses pittoreske und 
einst so geschätzte Thema gestattete es 
zwar auch bescheidcneren Talenten, mehr 
oder weniger überzeugend unter Beweis 
zu stellen, inwieweit sie den neuen Ten- 
denzen zu einer gelockcrteren Handschrift 
und zu stärkerem Ausdruck entsprachen. 
Aber Brandls Bilder dieser Richtung, die 
sich größter Beliebtheit erfreuten, und die 
Arbeiten seiner Nachahmer übten einen 
entscheidenden Einfiuß auf die künstlerische 
Entwicklung aus. Sie trugen dazu bei, 
daß der Malerei über die religiöse Sphäre 
und den repräsentativen Auftrag hinaus 
ein größerer Spielraum geboten wurde, urn 
die persönliche Weltanschauung des Künst- 
lers, sein individuelles Talent, aber auch spe- 
zielle Ansprüche und Liebhabereien zu Wort 
kommen zu lassen. Die Tatsache, daß 
Brandl diese ihrem Wesen nach neuzeit- 
lichen Funktionen der Malerei breiteren 
Kreisen zur Kenntnis brachte, räumt ihm 
einen besonderen Platz in der Geschichte 
der böhmischen Kunst ein und bildet zu- 
gleich den realen Hintergrund für die 
legendäre Verehrung, die Peter Brandl von 
jeher als der Prototyp des Malers genoß. 
(ZEIT 
TAFEL DER WERKE P. BRANDLS siehe Scil 
, 14)
	        

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