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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 107)

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Totalansicht, gibt der reizvollen Gestaltung 
intime Züge und betont die Troger eigen- 
tümliche natürlich-erzählerische Note, die 
noch durch die Gestik der Hände ver- 
stärkt wird. Dic sehr gut abgestimmte und 
der Handlung ausdrucksvoll angepaßte 
Helldunkelwirkung sowie die stimmungs- 
volle Farbgebung mit den rötlich getönten 
Hautpartien entsprechen Trogefscher Ge- 
pilogenheit. 
Das Gemälde ist eines der schönsten Öl- 
bilder Paul Trogers und beweist, daß der 
Künstler nicht nur im Fresko, sondern 
auch im Ölbild Meisterliches zu leisten 
vermochte. Allerdings bleibt Troger im 
Ölbild seinen Lehrern stärker verhaftet, 
während er sich im Fresko schneller von 
seinen Vorbildern löst und im Verein mit 
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der Wiener Schule selbst eine führende 
Stellung in der Malerei des 18. jahrhunderts 
einnimmt. In diesem Ölgemälde ist der 
Einfluß des Venezianers Giovanni Battista 
Piazzetta unverkennbar. Die durch die 
modellierendc Helldunkelmalerei vnllpla- 
stische Formung der Gestalten ist vor 
allem auf die Schulung bei diesem be- 
deutenden italienischen Meister zurückzu- 
führen. Man vergleiche z. B. das für 
Piazzetta charakteristische Bild, das unter 
dcm Namen „Die Wahrsagerin" bekannt ist 
und sich in der Akademie in Venedig be- 
Endetl. Man wird hier, wie auch bei an- 
deren Bildern dieses Meisters, manche 
Reminiszenz finden. Infolge der vollen- 
deten Ausführung des Trogerbildcs läßt 
sich dieses allerdings nicht in die Piazzetta 
nahe Studienzeit unseres Künstlers ein- 
ordnen. Man muß an eine spätere Ent- 
stehungszeit denken, etwa an die Jahre 
1738i1742, an die Jahre der Ausführung 
vieler seiner bedeutender Ölbilder. Im 
künstlerischen Werk Trogers wäre unser 
Bild am besten mit der Art seiner Bildfolge 
„Der verlorene Sohn" zu vergleichen. Diese 
vier, teilweise signierten Bilder beiinden 
sich in der Gemäldegalerie des Stiftes 
Seitenstetten in Niederösterreichl. Das 
vorliegende Gemälde ist seiner künst- 
lerischen Brillanz wegen unbedingt als 
eigenhändig zu bezeichnen, während bei 
mindestens zweien der Seitenstettener Bil- 
der die Werkstatt stark beteiligt gewesen 
zu sein scheint. 
Die Gestaltung der Hunde finden wir bei 
Troger manchmal in ähnlicher Weise. Be- 
sonders das rechte Tier, das sich mit
	        

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