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Volltext: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 107)

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hen. Doch Baukunst braucht heute und 
morgen dies alles als faszinierende An- 
regung und grundlegende Ergänzung. 
Wörtlich heißt es in seinem Buch „Wenn 
s 
wir weiterleben wollen . . f : 
„Der Architekt muß sich auch weiterhin 
reichlich auf seine intuitive Einsicht ver- 
lassen. Oft spielen bei ihm in einem 
einzigen Augenblick Milliarden neuralcr 
Engramme der Vorzeit (Einzeichnungen 
des Erbgedächtnisses, d. V.) und des ln- 
dividuallebens (innerhalb des Kausalge- 
dächtnisses festgehaltene Reste persönlicher 
Erlebnisse, d. V.) schöpferisch zusammen. 
Manchmal vollbringt er seine schöpferische 
Arbeit in Bruchteilen einer Sekunde, so 
blitzschnell wie überhaupt nur ein mensch- 
liches Gehirn Dinge und Ereignisse erleben 
und fruchtbar vollbringen kann. Ganz 
offenbar ist, was man Kunst nennt, die 
Kunst eines baulichen Gestaltgebens, nicht 
durch analytisch messende Wissenschaft 
und konstruierende Technik einfach zu 
ersetzen. Während der individuelle Vor- 
gang des künstlerischen Schaffens Wegen 
seiner ungezählten, feinen, variablen Im- 
ponderabilien wohl noch für lange, viel- 
leicht für alle Zeiten jenseits rationaler 
Wissenschaft bleiben wird, kann für weit- 
reichende Zwecke des umsichtigen Er- 
zeugens und des verständigen Konsu- 
mierens einer in unserem industriellen 
Zeitalter geformten Umwelt die Physio- 
logie, die nun so weit über frühere Kenntnis 
hinausgehende Wissenschaft vom Leben, 
als Heilbrunnen verschrieben werden. In 
vielen praktischen Entscheiden ist sie sogar 
unsere ganze Hoffnung. 
Der Architekt muß vor allem lernen, die 
Wissenschaft als Grundlage und Korrektiv 
zu achten, aber als Künstler wird er sie 
nicht einfach ,einsptitzen'." 
Das ist Erlebtes aus seiner eigenen weit- 
bedeutenden Arbeit. 
Richard Neutras Bauten stehen mit er- 
strebter und ersehnte: Naturnähe am son- 
nigen Strand Kaliforniens, im Eis und 
Schnee der Berner Alpen, auf tropischen 
Inseln der Karibischen See und des Pazi- 
fischen Ozeans, in den Wüsten West- 
amerikas mit ihren ehedem extrem gefähr- 
lichen Sandstürmen und Hitzegraden, die 
nun die Kunst und Technik des Architekten 
bewältigen, an milden oberitalienischen 
Seen, in der gemäßigten Zone Europas 
und Amerikas und in einstigen Dschungel- 
gebieten am Brahmaputra oder der ma- 
laisischen Westküste. 3000, 5000, 20.000 km 
liegen sie voneinander entfernt. Diese 
Bauten clicnen den verschiedensten Zwek- 
ken, dem Wohnen, der Verwaltung, der 
industriellen Arbeit, der Erziehung, dem 
, 
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