MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 108)

 
..-. .. ...., „.... .......... -., -.... öwö ............ an, 
etwa fünftausend Männer, Frauen und Kinder 
nicht gerechnet", wörtlich genommen zu 
haben. Die Darstellung einer vieltausend- 
köpfigen Menschenmenge, einerseits von ita- 
lienischen Künstlern nach Möglichkeit ver- 
mieden oder bei geforderten Themen auf das 
Typische cletailhaft eingeschränkt, anderseits 
in der Kunst des Nordens in Vielfalt und 
Unübersichtlichkeit oft genug verwirrend er- 
zählt, stellte auch den steirischen Hofmaler 
vor große Probleme. Seine kompositionellen 
Gedankengänge geistig nachzuvollziehen und 
seinen strukturellen Lösungsversuchen der 
Einzelgestaltung, die vielfältige Fremdinver- 
tioncn verrät, zu folgen, dürfte auch dem 
forschenden Betrachter nicht ohne Schwierig- 
keiten gelingen. 
Dem johannesevangelium folgend, das einen 
knappen topographischen Hinweis enthält, 
versammelte der Künstler die Menschenmenge 
in einem leicht ansteigenden Terrain. Diese 
Konzeption eröffnet dem Betrachter nun zwei 
Gesichtspunkte: Bieten einerseits die im Vor- 
dergrund lagernden, überlebensgroßen Ge- 
stalten die Möglichkeit zu direkter Konfron- 
tation, so gewährt anderseits die in über- 
sichtsvoller Darstellungsweise (durch das Ter- 
rain bedingt) wiedergegebene Volksmenge 
einen maximalen Überblick. Mit maiestätischer 
Armbewegung vollzieht Christus den wunder- 
wirkenden Segensgestus (Abb. 2). Der im 
Hintergrund sich über dem Haupt des Erlösers 
zuspitzcnde Bergrücken akzentuiert dessen im 
Bildmittelpunkt befindliche Gestalt. Zur Rech- 
ten Christi weist ein Apostel auf den im 
Johannesevangelium erwähnten knienden Kna- 
ben, der die fünf Brote reicht. Zur Linken 
schwingt die hellrote Gewandkontur eines 
Apostels, wahrscheinlich ist es Johannes, 
parallel mit dem schwarzblauen Mantel Christi. 
Gleichsam angeregt durch diese deutlich auf 
ornamentalen Duktus berechnete Intention 
nimmt das Zentrum des Bildes, der gesamten 
Höhe nach, die Kompositionskurve eines 
mandorlaähnliehen Umrisses an. Den unteren 
Teil dieser „Mandorla" bilden zwei jünger, 
die mit ihren auseinanderstrebenden Körpern 
einen spitzen Winkel des Erdbodens freilassen. 
Beide sind bereits um die Verteilung der Brote 
und Fische bemüht. Schon leicht aus dem 
Bannkteis der „Mandorla" gestellt, verfestigen 
links und rechts je ein Apostel die Breitseiren 
dieses Kompositionsprinzips, das auch, unter 
Einbeziehung dieser beiden Gestalten, als ein 
auf die Spitze gestelltes Quadrat erscheinen 
könnte. Der riesenhafte Apostel zur Rechten 
hält ein unter der Last der Brote U-fürmig 
durchhängendes Tuch. Seine im gesamten 
dunkle, in Grüntönen changierende Frontal- 
erscheinung steht im Gegensatz zur Gestalt 
des linken Apostels. In goldgelbes Tuch ge- 
kleidet, blickt dieser im Dreiviertelporträt zum 
Betrachter. Seine Physiognomie trägt als ein- 
zige unter den uniformen Gesichtszügen der 
zahlreichen Vorder- und Mittelgrundgestalten 
individuelle Merkmale. Die auf porträthafte 
Wirkung gezielte Drehung des Kopfes läßt 
zumindest den Verdacht zu, daß sich Rau- 
nacher hier selbst verewigt hat. Neben dem 
idealisierten Antlitz Christi hat der Künstler 
nur noch zwei weitere Porträttypen geprägt, 
Die pausbäckig rotwangigen Gesichter 
jungen und weiblichen Protagonisten unc 
markanten, in dunkleren Farbtönen wie 
gegebenen der älteren. Die erwähnten Apo 
gestalten flankieren gewissermaßen das I 
trum der Komposition, die auch im Hii 
grund durch das mittlere Gebirgsmassiv 
Verfestigung erlangt. Der steil abfallx 
Berghang links und der sanfter sinkt 
rechts geben klammernde Akzentuierun 
Über der hochangesetzten Horizontlinie le 
tet ein schmaler Streifen gelben Abendhim. 
und schweben graublaue Wolkenbänke. 
Der linke Teil des Gemäldes zeigt eine di 
und auch Wenig übersichtlich gestaltete D 
schenansammlung, die sich im Vorder- 
Mittelgrund zusammendrängt (Abb. 3). 
enge Formation der Kopf an Kopf woget 
und übereinander sich türmendcn Gestal 
masse gibt dieser Bildhälfte eine reliefl 
Fülle, auf der die Gebirgsstöcke des ob- 
Bildrandes schwer zu lasten scheinen. Spi 
einer räumlichen Wirkung vermitteln 
linken äußersten Bildrand majestätische 
poussoirfiguren, die, gänzlich in Schatten 
hüllt, sich mit ihren dunklen Umrissen d 
lich von der einförrnigen Volksmasse 
heben. 
Mit ausfahrenden Armbewegungen weist 
das untere Stück des mandorlaartigen K 
positionsschemas tangierende junge Apt 
in die rechte Bildhälfte (Abb. 4). Hier 
der Blick ungehindert bis in den fernen l 
tergrund schweifen. Selbst die ungleich 2 
reichere Menschenansammlung ist leic 
überschaubar und, um mit dem Evangeli 
Markus zu sprechen, „nach Eßgemeinscha 
verteilt". Auch eine Raumwirkung, im lir 
Bildteil fast gänzlich eliminiert, kommt 
wenigstens subsidiär zum Tragen. Eine R 
von Brotkörben führt vom unteren Bildt 
aus eine kurze Strecke bildeinwärts; ein T1 
zur Verräumlichung ist damit zumindest s] 
bar. Freie Stellen, die den Erdboden sich 
machen und von diagonalweisenden, im 
wieder die Richtung verändernden Menscl 
zügen eingefaßt Werden, vermitteln bis in 
sanft ansteigenden Hintergrund gleich 
räumliche Eindrücke. Zwischen dem Pla 
in der rechten oberen Bildecke und den 
der Bildmitte befindlichen Bergmassiv k 
der Blick, über eine beschattete Bodenu 
hinweg, ungehindert bis in fernste We 
dringen, wo noch immer Menschenma: 
angedeutet sind. Eine Stadt heftet sich 1 
an den Hügel, dem, sich in den Hintergr 
verlierend, weitere folgen. Die davorliege 
Ebene erglüht in der Dämmerung und 
zum Teil von horizontalen Schattierun 
durchzogen. Dieses Landschaftsbild im fer 
Hintergrund vermittelt räumliche Tiefenw 
in einer Intensität, wie sie dem Vorder- 
Mittelgrund versagt geblieben ist. 
Die zweifach geknickte Form des unt: 
Bildrandes, der dem Bildganzen eine want 
artige Fundamentierung gewährleistet, 
stand der Künstler vortrefflich dem Kt 
positionsgefüge einzuverleiben. Danach d 
diese Strecke einem Dreieck, dessen Sche 
punkt über dem Haupte Christi zu lie 
kommt, als langgedehnte Basis. Innerl 
n. ...--c-.,r..-
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.