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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 108)

Zdrawka Ebenstein 
BEGEGNUNG MIT RUTH 
MANNHART 
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Als Tochter des bekannten Malers Alfred Mann- 
hart wächst Ruth Mannhart in einer Umgebung auf. 
in der sie sich bereits als Kind mit den Problemen 
der Kunst vertraut macht; Anregungen der Mo- 
dernen, wie Braque, Nolde, der Fauves, ergänzen 
sich schon damals mit gewonnenen Eindrücken 
teils aus der Gotik, teils von japanischen Holz- 
schnitten und formen in ihr sehr früh eine innere 
Welt, aus der sie später eigene künstlerische 
Gehalte schöpfen wird. 
Sie beginnt ihr Studium an der Klasse für Bild- 
hauerei der Budapester Akademie für angewandte 
Kunst und wechselt nachher aus eigener Über- 
zeugung zur Malerei über. Dennoch ist gerade 
diese erste Etappe der künstlerischen Ausbildung 
für sie von enormer Bedeutung, denn hier gewinnt 
sie ein richtiges Gefühl für die Plastizität der Form 
und ihre Beziehung zum Raum - etwas, das ihrer 
weiteren Entwicklung sehr zustatten kommt. 
Der Krieg und vor allem die damit verbundenen 
Greuel, die Judenverfolgungen prägen in ihr eine 
unauslöschliche Vorstellung vom Negativen im 
Menschen. Zugleich überspielt die Buntheit der 
ungarischen Folklore A vielleicht als notwendiger 
seelischer Ausgleich - diese Bilder des Grauens. 
Und gerade diese seelischen Erlebnisse festigen 
den Charakter der jungen Ruth und schaffen in 
ihrer Gesamtheit eine Grundlage für ihr Gedan- 
kengut. 
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Heute ist Ruth Mannhart nicht nur als Malerin 
und Graphikerin, sondern auch auf dem Gebiete 
der angewandten Kunst tätig. Ihre Vielseitigkeit 
äußert sich aufs erste in der Anwendung und 
Beherrschung verschiedener Kunsttechniken, dann 
aber auch in der gesuchten (gewollten) Nuan- 
cierung der künstlerischen Aussage. Ihr eigentlicher 
Aufstieg beginnt nach ihrer Übersiedlung nach 
Wien. Hier entstehen Ölgemälde, Arbeiten in 
Pastell und Aquarell sowie Serien von Zeichnungen, 
vor allem aber beschäftigen sie Probleme der 
Raumausstattung. In festem Auftrag erhält die 
Künstlerin u. a. die Möglichkeit, große Glasbeton- 
wände zu schaffen, wobei sie iedesmal thematisch 
und baulich eine Verbindung zwischen der Glas- 
malerei und den gegebenen architektonischen Ver- 
hältnissen herzustellen sucht. Ein Beispiel dafür 
bietet die alte Pfarrkirche in Hochwolkersdorf, die 
im Auftrag des Bauamtes der Erzdiözese Wien im 
Jahre 1962 durch einen quergestellten Neubau 
vergrößert wurde. Sie löste das schwierige Problem, 
indem sie auf die ganze Fläche der Ostwand drei 
Szenen aus dem Leben des Patronatsheiligen 
Laurentius verteilte. Zwischen den einzelnen Glas- 
segmenten wurde dabei verhältnismäßig viel Beton 
verwendet. Die als eine Gesamterzählung auf- 
gebaute Komposition mit den großen Figuren er- 
scheint uns als logischer Abschluß des sakralen 
Flaumes und trägt zugleich zur farbigen Außen- 
wirkung des alleinstehenden Kirchenbaues s i 
besondere bei Abendbeleuchtung - viel bei. 
Ruth Mannhart fertigt auch gestickte Wandteppir 
an, zu deren Thematik religiöse und profane Szer 
zählen. Sie entnimmt gewisse Anregungen ti 
von ostasiatischen Wandbehängen, teils der c 
europäischen Folklore. Grundsätzlich wird sow 
die Figur als auch der Hintergrund der reinen Fläi 
eingeordnet, und die ganze Darstellung wird i 
kräftigen, leuchtenden Farben beherrscht; L 
gerade diese starke Farbigkeit schafft eine Brüi 
zur Glasmalerei der Künstlerin. Oft wird mit H 
von Farbtönen ein Gesamteffekt erzielt; so z. 
der Altarwandteppich für das neuerbaute Haus 
Barmherzigkeit in Wien, bei dem mit Absi 
Farben gewählt wurden, die auch die Ma 
trägt. 
Karikaturhafte Zeichnungsserien, Pastelle, Aquari 
und Ölgemälde vervollständigen das CEuvre 
Künstlerin. Ihre eigentliche Stärke liegt aber in 
künstlerischen Gestaltung von Räumen, sei es 
Sakral-, sei es für Profanbauten. Ruth Mannl 
steht solchen Aufgaben immer kritisch gegenül 
Wenn die Raumverhältnisse einer harmoniscl 
Gesamtwirkung widersprechen, korrigiert die Kür 
lerin den vorgeschriebenen Bauplan und gela 
so zu einer neuen, sehr guten Lösung des Problei 
wie es z. B. die Pfarrkirche von Hochwolkersc 
beweist.
	        

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