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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 109)

haften, utopischen Herrscherpaares Chusrau 
und Schirin gehalten wurde 10. Der Antichrist, 
für den Orient aber Heiland Chusrau II. und 
Schirin, der Stern des Ostens, die auch Miriam 
oder Mariarn hieß, erhöhen hier zusammen 
den lmar, Lichtbündel der Weltherrschaft und 
Sonnenzeichen des ewigen Sieges über die 
Dunkelheit. Wenn wir auch eine Auffrischung 
des Kolorits für die Karlsteiner Supraporte 
anzunehmen geneigt sind, etwa bei der Reno- 
vierung der Burg in der Renaissance, so 
konnte das an dem Umriß und zeichnerischen 
Charakter wohl nur wenig ändern: dieser 
jedoch kommt der Zeichnung nach dem 
persischen Relief (nach Alexander Gleichen- 
Ruswurm) erstaunlich nahe. Wenn das nicht 
reiner Zufall sein soll, wie kam solche Ähn- 
lichkeit zustande? 
Es mußte damals zwischen Prag und Persien 
einige Verbindungen gegeben haben; geistige 
gab es schon lange, so berichtet der Chronist 
Franz von Prag von der karolinischen Grün- 
dung der Prager Neustadt (1348) und meldet, 
daß zugleich eine Sonnenfinsternis eintrat und 
zwei Pforten am Himmel gesehen wurden, 
daß auch zur selben Zeit bis nach Persien 
Feuerbtände die Erdc heimsuchten ll. Wenzel 
ist ihm der zweihörnige Moses, der mit 
seinem Horn bis nach Syrien blasen wird. 
Ein Gewährsmann war der Ajmrlalu: Orienti: 
in Curia Caeraris. So wurde, wie Palacky 
nachweist, Karls vornehmster Chronist jo- 
hannes von Marignola, Florentiner Patrizier 
von Geburt, Franziskaner-Minorite, genannt 11. 
Karl traf ihn in Avignon, als Marignola sich 
anschickte, im Auftrage des Papstes und auf 
der ein Säculum bereits erprobten Franzis- 
kanerspur nach Peking zum mongolischen 
Großkhan zu reisen. Er tat dies, besuchte 
unterwegs die Ruinen Ninives und das Para- 
dies auf Seyllan (Ceylon) mit Adams Spuren 
und dem Kreuzesholz Christi im Baum der 
Erkenntnis. Er kehrte über den Persischen 
Golf und Damaskus jedoch nicht zum Papst 
zurück, sondern ging nach Prag (1353) zu 
Karl IV. Er flocht das ganze Abenteuer in 
seine Böhmische und zugleich Weltchronik 
ein und wurde dafür mit dem Bistum in 
Bisignano betraut. Seine Chronik, in der er 
auch berichtet, daß er selbst in Indien Wand- 
malereien ausgeführt und ein Kreuz gemeißclt 
hat, weist mehrere Übereinstimmungen mit 
der Ikonographie besonders der Wandmalerei 
um Karl IV. aufl3. 
Das persische Vorbild, auf das wir für die 
Supraporte in Karlstein hingewiesen haben, 
ist jedoch erst an zweiter Stelle von Wirkung. 
Zuerst wurde von dem byzantinischen Arche- 
typ „Konstantin und Helena zusammen das 
Kreuz erhöhend" ausgegangen. 
Wir finden dieselbe Frau wie aufder Supraporte, 
in demselben Viertelprofil gemalt, im Anti- 
phonar von Vyschrad, wo sie in der Initiale 
E(lena) allein das lignum rruri: erhöht. Dieses 
wird allerdings an der Supraporte pars pro 
toto durch ein Reliquienkreuz ersetzt. Dieses 
Kreuz ist dem prächtigen Kreuz des Dom- 
schatzes von St. Veit ebenbürtig, das Karl IV. 
4 Initiale E(lcua) im Antiphonar von Vysehrad. tlrr 
Klnsterhibliothck Vorau, cod. 259 
Taq-i Bnsran, Investitur des Narse durch die Wasw 
Anahit, xassznidisches Felsrelicf um 300 u. Z. Frül 
Chuirau ll. und Schirin gehalten 
6 Wenn-l IV. mit einer Frau als Konstantin und l 
Brcvicr des Bcncs von Waldstciu. um H10. Prag. N: 
und Univcrsit" bihliothek 
7 Kopf eines Königs, Ausschnitt aus der "Anbetu 
Könige", Wandmalerei, um 1357. Karlsteilt, Kap: 
hLKrcuzcs 
B Kopf eines Königs, Ausschnitt aus der „Anbetu 
Könige", Wandmalerei, um 1357. Karlstein. Kapt 
hl. Kreuzes 
9 Friedrich Barbarossa und Kaiserin Beatrix als Kot 
und Helena. Miinzbild da „Hnhlgfennigf 
10 Stephan Dusan von Serbien mit arin als Konstant 
Helcna. Münzbild, vor 1350 
u. 
11 Byzantinische Proskynese Karls lV. vor dem hl. X 
in grie hischer Rüstung. Spiegel der Gründungsurkul 
Univt itat Prag, 1348 
ANMERKUNGEN 10-17 
W Nach dieser volkstümlichen Deutung habe ich den ll 
Dr. Otakar Klima, Prag, befragt. 
ll Chronik des Franz von Prag. in} Fontcs rerum hohem 
I.ll, 449. 
R R. Chadraba, l. C. (Anm. 9), 58'". 
13 Daselbst. 
H vgl. Emanuel Poche, Einige Erwägungen über die l 
Karls lV.. in: Sbornik k sßdmdesätinäm Jana Kvet: 
schritt Jan Kver zum 70. Geburtsrzll). Prag 1965, '- 
Dem, K otäzce osratkovych krlm Karla lV., t . 
Narodnlho nulzea V Pfällt, Reihe A 7 Historie, Bd 
1967, Tal". Xl. 
15 Hans Wenrzel, Staarskameen im Mittelalter, in: jahrbl 
Berliner Museen (Jahrbuch der preußischen Kunsrsamn 
NF) lv. 1962. 
1') Vgl. A. (Üutltr. Two Aspirants m Romaniß. Vencti 
Serbian amhitions in IhC ligh! nf tlluir Coinage, in: Byz 
slavica XXVlIZ, Prag 1965. 295-307. 
I1 Karel Cllytil, Typ sv. Väclava na am university l 
a w Via ku lau: zc Stredy a jeho dcrlvaty (Typ des hl. 
auf dem Siegel der Karlsuuiversilit und im Viaritus Ju 
von Neumarkr und seine Derivate), in: Pamatky archae 
XXXVI, 1918 - 191W. 201 - ß. 
 
 
	        

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