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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 109)

Richard Steiskal-Paur 
BASDORFER 
GLAS - PORZELLAN 
Im Heft 38167 der Zeitschrift „KERAMOS" und im 
"JOURNAL OF GLASS STUDIES" des Corning 
Museum of Glass, Volume IX, 1967, zeigt uns 
Rudolf von Strasser eine Schnupftabaksdose aus 
sogenanntem Schackerfschem Porzellan und nennt 
als Beweisführung Robert Schmidt, Branden- 
burgische Gläser, Berlin 1914. Dort heißt es auf 
Seite 116ff. unter „Basdcrf: 
..Der Tornower Pächter George Zimmermann 
schrieb in einem undatierten Brief an den Ober- 
amtmann Krause in Grimnitz, er habe die Erfindung 
gemacht, Geschirre aus gemeinem grünem Glas in 
die natürliche Couleur von Porzellan zu verwandeln, 
habe dieser Erfindung jedoch keinen Wert beige- 
legt. Mein Glasschneider Schackert aber, welcher 
es bearbeiten und beschleiffen (l!) musste, baht 
mir ihm zu erlauben, dass er sich einige schnupf- 
tobacks dosen (l) verfertigen und was da mit 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
verdienen möchte, welches ich ihm, weil es 
aestimirte, erlaubte." 
Schackert, vielmehr die Gebrüder Schocken 
warben sich Ende 1750, wenige Woche: 
Caspar Wegely in Berlin, um eine Konzessic 
Anlage einer Porzellanfabrik, welche ihnen 
einigen Schwierigkeiten und trotz eines ve 
tenden Gutachtens des Geheimen Kriegsrate 
Görne am 7. Juli 1751 erteilt wurde. Die„Porci 
Hütte" wurde in Basdorf im Zühlen'schen F 
nahe dem Dorf Zechlin (Ost-Prignitz) erri 
Doch schon ein Jahr später, am 10.Juni 
mußten die Brüder ihre Rechte dem Tabakfab 
ten Mundt in Berlin übergeben, über desser 
mögen nach seinem Tode im Mai 1757 der Kc 
verhängt wurde. Der bisherige Pächter Rath 
kaufte am 25. Feber 1763 die Hütte für 9000 
mit der Verpflichtung, nur Porzellan zu erze 
Erst am 3. August 1783 wurde ihm gestatts 
Porzellanfabrikation fallenzulassen und nur 
Glas herzustellen. 
Über die Art und künstlerische Bearbeitung 
Basdorfer Porzellans werden wir durch einen 
des Farbenlaboranten und Fayencemalers Roht 
Rheinsberg unterrichtet, der seit 1763 in B: 
tätig war. .,und wird alhir von Glass ein 
Porcellain verfertigt, welches an Festigkeit 
echten Porcellain übergehet, aber anstat der ( 
solches muss vorhero abgeschliffen werder 
alsdann gemahlet. Weil nun gar keine ( 
darauff ist, so haben die Farben noch keine I 
Art, dieweil sie allemeist in der Couleur chz 
ren ..." Als einziges authentisches Stück 
Hütte hat sich im Museum für Kunst und Gei 
in Hamburg eine Kanne erhalten, die im Boc 
blaßblauer Emailfarbe die Inschrift „Basdorff" 
sowie ein Z, das Robert Schmidt auf das Zühler 
Revier deutet. 
Der Fußring der Kanne gleicht nicht den als l 
umgelegten Fußringen von Glasgefäßen, so 
eher dem Fußring eines Tongefäßes. Auc 
lnnern sind deutliche Spuren erkennbar, die zi 
daß das Gefäß nicht durch Blasen geforrr 
Allein der Henkel trägt alle Merkmale eines 
henkels, der in heißem Zustande angedrücl 
Die sehr harte Masse ist von weißer Farb 
einem leichten Stich ins Grünliche. Die Ober 
zeigt porzellanartigen Glanz und unter der 
eine zarte Strichelung wie durch Schliff. Die Bl 
sind in Rosenrot, Blau, Violett, Grün und Ei: 
aufgemalt. 
Ohne die in obzitierten Zeitschriften abgeb 
Qase untersucht zu haben, möchte ich ihre He 
aus Basdorf bezweifeln. Wenn auch die Muschr 
nicht dagegen spricht, so war doch der „H1 
decor" in der zweiten Hälfte des achtzehnten 
hunderts bereits vollkommen aus der Moc 
nebenstehenden Abbildungen zeige ich jr 
eine Dose, wohl für den Rauchtabak, in der 
lichen, an den Seiten abgerundeten Form, Vl 
die vorher ovale ablöste, wie sie von 1750 bis 
gebräuchlich war. 
Sie ist in Messing getaßt und zeigt die typi: 
Merkmale eines Basclorfer Erzeugnisses. Es 
dieselben Blätter, Rosen und Tulpen wie ar 
Hamburger Kanne. Die Masse ist ein nicht 
reinweißes Glas von porzellanartigem Char 
Die Flächen, besonders aber die Kanten 2 
deutlich den Schliff, wobei die vielen po 
Stellen des Unterteils auf ein Versuchsstück 
weisen. Die Farben der Blätter und Blumen 
grün, rosenrot, violett und eisenrot. 
Die Dorflandschaft des Deckels und der Vr 
seite ist in verschiedengetontem Grün, die E 
und Häuser sind in leichtem Gelb, die D 
grau-braun, die Kirchturmspitze und -kuppi 
und die Wolken in Violett gemalt. Die Kirch 
dem umgebenden Friedhof, die verstreuten e 
friedeten Häuser, die hügelige Landschaf 
Feldern und vereinzelten Bäumen sind keine l 
tasiedarstellung, sondern zweifellos nach der 
oder einem Stich gemalt und mogen das 
Zechlin darstellen. 
1 Kanne mit Blumendekor, bezeichnet: "Basdr 
Museum tur Kunst und Gewerbe, Hamburg 
2 Bodenausschrlitt der Kanne aus Abb. 1 mit Signatur 
3 Rauchtabakdose mit Rosendekor und Figurals 
1750-1770 
4 Flauchtabakdose mit Rosendekor und Dorflani 
(Dorf ZeChIinY), 1750-1770
	        

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