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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 110)

auf der Brüstung zu ihr weist, wird durch die 
elität ihrer Handhaltung wie abwehrend zu- 
ewiesen. Die Mitte ist durch das Weiß des 
wkleides beherrscht, der Vordergrund von den 
an Goldtönen der Logenbrüstung; diese ist 
geschwungen, einzige räumliche Andeutung 
renzt die Gruppe ab. Das Weiß klingt in den 
brüsten der Herren rechts und links aus und 
in den Aufhellungen auf dem Kleid der 
Frau, dem Programmzettel und der linken 
der Logenbrüstung eine Entsprechung. Auch 
st es reines Gegenüber, und dieses Gegen- 
zin führt Stransky sicher auch zu einer Reihe 
tilleben, die er aus den dunklen Hintergründen 
arken Helligkeitswerten herausstellt. 
die Landschaften sind in der Auffassung 
viel anders. Auch hier ist eine stille Kon- 
tion, wenn sich auch gerade bei ihnen bereits 
ziel unruhigere Pinselführung bemerkbar zu 
an beginnt. Immerhin kommt es noch nicht zu 
Viederholungjenerexplosiven Dynamikdiedas 
Äm Strand" vom Jahre 1938 kennzeichnet. 
der fünfziger Jahre interessiert sich Stransky 
ür die Arbeiten des Bauhauses. Der Nieder- 
l ist in einer kleinen Reihe von Bildern wahr- 
men, die eine gewisse Verwandtschaft zu 
Klee aufweisen. Eine konstruktive Strenge 
t die Bildebene in viele kleine verschieden- 
z Flächen, die sich entschieden voneinander 
en und die in der Zusammenschau eine 
)sitionelle Einheit bilden. Nach diesem gleich- 
en „Fleckenstil" kommt der Maler zu den 
chaftsbildern, wie „Burgenländische Land- 
1962, „Landschaft" 1964, „ZiegeIteich", 
nde"und„Fabrik",dieletztgenanntenl965166 
nden. 
en Zusammenhang mit dem bisher Geschaf- 
und zugleich das Weiterschreiten in Stranskys 
am verständlichsten zu erläutern, wollen 
wir uns vorerst der„Burgenländischen Landschaft" 
zuwenden. Hier ist, bis über die Mitte des Bildes. 
wo die Horizontlinie verläuft, eine Reihe vier- 
eckiger Flecke gesetzt, die uns sofort an die kon- 
struktive Phase erinnern. Freilich ist die Teilung 
des Vordergrundes, also der unteren Bildhälfte, 
durch die verschiedenen Farbflächen, eindeutig als 
Ackerstreifen zu identifizieren. Der Farbauftrag ist 
dicker und zäher geworden. Die Abstufungen 
mischen sich innerhalb eines breiten Striches, wobei 
auch andere Valeurs dazukommen und damit ge- 
wisse bildliche Höhenschichtungen angeschnitten 
werden. Die Setzungen der einzelnen Felder sind 
mit einem solch spürbaren Elan geschehen, daß 
jeder Gedanke an eine konstruktive Überlegung aus- 
zuschalten ist. Hier sehen wir also eindeutig die 
Diktion jener spontanen Formulierung, die mit 
„Am Strand" erstmalig ausgebildet wurde, mit den 
dazwischen liegenden Erfahrungen vermählt. 
Wenn wir von einer etwas über der Mitte liegenden 
Horizontlinie des Bildes „Burgenlandische Land- 
schaff" sprechen, so müssen wir das für das linke 
Drittel des Bildes insofern korrigieren, als sich 
dort ein lichtes Blau neben Grün-Gelb aufbaut. 
Schräg nach oben führende Pinselstriche, von 
denen nicht eindeutig zu sagen ist, ob sie nun ferne 
Berge oder bereits den von Wolkenballen sehr 
belebten Himmel darstellen. Auch diese fließenden 
Ubergange sind die Folge einer Entwicklung. Bei 
aller Gelostheit und dem Aufgehen in farblichen 
Exklamationen in dem Strandbild aus dem Jahre 
1938 ist dort eine scharfe und eindeutige Horizont- 
linie gegeben, ja weit über die rechte Bildhälfte 
noch durch eine von links nach rechts kräftiger 
werdende dunkle Linie verstärkt. Hier nun ist - 
wie schon gezeigt e der Übergang fließend. Es 
ist daher wohl auch kein Zufall, daß in der ge- 
nannten Landschaft der Farbauftrag, je mehr er 
sich jener Horizontlinie nähert, freier und freier 
wird. Umgekehrt finden wir aber auch bei der 
Gestaltung des Himmels Ansätze zu einer strengen 
Teilung, und besonders in der rechten oberen 
Zone werden vom Künstlerweiße Flecken eingesetzt. 
die in Entsprechung zu den Ausbreitungen auf 
den Äckern der linken unteren Hälfte eine Spannung 
schaffen. Im allgemeinen ist jedoch die Himmels- 
zone viel offener und weniger streng geordnet. 
Das 1965 entstandene große Ölbild „Ziegelteich", 
es zeigt eine Örtlichkeit in der Nähe von lnzersdorf, 
deren Antlitz heute grundlegend verändert ist. 
wurde ähnlich gestaltet. Drei Jahre nach der 
..Burgenländischen Landschaft" entstanden, ver- 
zeichnen wir hauptsächlich eine Steigerung der 
Dynamik. Der Betrachter wird noch etwas länger 
brauchen, um sich in das Bild einzusehen und 
einzelne Farbbahnen, Akkorde, ja Farbschreie in 
sich zu einer gemeinsamen Formung zusammen- 
finden zu lassen. Der Farbauftrag ist noch pastoser, 
aber auch zäher geworden, starke Weißtönungen 
sind vorherrschend, die die ganze Situation näher 
an den Beschauer heranrücken. Die sehr tempera- 
mentvollen Pinselstriche sind infolge der zahen 
Konsistenz des Malmittels länger geworden. Auch 
das im selben Jahr entstandene Bild „Badende" 
zeigt eine ähnliche Durchführung, Ein Gedanke 
drängt sich auf, der dem vergleichenden Betrachter 
schon bei dem Strandbild aus dem Jahre 1938 
das erstemal, vielleicht noch durch die Behandlung 
der Partien, die das Gelände darstellen, etwas 
gemildert durch den Kopf gehen mußte: Wir 
haben es bei diesem Maler mit dem vielleicht 
einzigen legitimen Nachfolger Richard Gerstls zu 
tun, Bei dem zweiten Strandbild, das fast dreißig 
Jahre nach jenem im Schaffen des Meisters zu 
einer Schlüsselstellung gewordenen Werk ent- 
standen ist, bei seinen letzten Landschaftsbildern 
und Studien zu einem Pferderennen wird uns 
dieser Gedanke bestätigt. 
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