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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 110)

 
Gewissen der Welt rühren" und „das Schicksal 
der Juden während der letzten zwei Jahrtausende 
widerspiegeln sollen". Diese Wirkung liegt. wie 
nur selbstverständlich, zum wesentlichen Teil an 
der spezifischen graphischen Form, an der Sprache 
dieser Graphik als Mitteilung und Ausdruck. Ein 
kleine und feinformiges, überzartes Liniengewebe 
verschleiert alle Gestalten und Dinge dieserVisionen. 
Gewollte Monotonie wirkt zusammen mit häufigem 
Crescendo von Verdunkelung und Verdichtung. 
Unter den Bibelstellen, die allen Blättern beiv 
gegeben sind, ist eine. die zum ersten Blatt, der 
der Geist dieser Zeichnungen nahe steht: „Mein 
Auge ist dunkel worden vor Trauern, und alle 
meine Glieder sind wie ein Schatten" (Hieb, 17, 
779). 
Noch ein zweitesmal in diesen letzten Jahren 
gibt es das Thema Auschwitz im Schaffen Suss- 
manns, und zwar in den vier Glasgemälden für die 
Lünetten der Bestattungshalle des Jüdischen Fried- 
hots auf dem Wiener Zentralfriedhof. Den „Ecce 
homo"-Zeichnungen gleich ist die zurückhaltende, 
andeutende Verbildlichung des Vernichtungslagers. 
Hier war sie außerdem durch die mit der Technik 
der Glasmalerei gegebene Forderung nach lapidarer 
Strenge und Schlichtheit bestimmt. Als Lösung 
gelang eine möglichst unkomplizierte Symbolik s 
ohne Darstellung von Menschen - und eine un- 
prätentiöse Form monumentaler Vereinfachur 
Farbsilhouetten. 
Beides, das Buch „Ecce homo" und die 
gemälde, sind späte Werke. ln der reichen 
duktion, die ihnen vorangeht, gibt es vieles 
Andersartiges. Seine kunstlerische Laufbah 
Heinrich Sussmann als Schüler Oskar Strna 
der Wiener Kunstgewerbeschule 1927128 
gonnen. Mit Bühnenbildern, Gebrauchsgraphi 
Karikaturen fing seine selbständige Arbeit ai 
hier wiedergegebene Zeichnung für das Deze 
heft 1928 der Zeitschrift „Der Ouerschnit 
ein Beispiel seines klar und scharf poinl 
graphischen Figurenstils von damals. Mitunte
	        

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