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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 111)

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AMILIENSAMMLUNG UND 
HRE NEUAUFSTELLUNG 
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hinIJCKHAWLIIILYHK hvxßllrlhxh. 
s nach dem zweiten Weltkrieg die Graf 
1rrach'sche Gemäldegalerie im Palais Harrach 
Wien wiedereröffnet wurde, zeigte sich in 
r Folge, daß die erhoffte Besucherzahl aus- 
xeb. Sicherlich stand die Galerie im Schatten 
r großen staatlichen Museen. Wesentlicher 
er scheint ein Wandel in der Auffassung und 
r Ausstellungstechnik zwischen öffentlicher 
mmlung und privater Kollektion im Hin- 
ck auf die auszustellenden Stücke zu sein. 
ilturhistorische Zusammenhänge, die Frage, 
ter welchen Gesichtspunkten gesammelt 
irde, in welchen religiösen oder profanen 
isamrnenhang die einzelnen Werke gehören, 
rrden museumstechnisch kaum berücksich- 
;t. In den Wiener Galeriesälen des Palais 
irrach, die um 1850 eigens für die Aufnahme 
r Sammlung gebaut wurden, waren die 
[der als barocke Galerie dicht in zwei bis 
ei Reihen übereinander gehängt. Dieses 
ßerliche Mittel einer barocken I-längung in 
jenen nach musealen Gesichtspunkten gebau- 
ten Sälen vermochte aber letztlich doch nicht 
dic innere Einheit einer durch Generationen 
gewachsenen Sammlung sinnfallig zu demon- 
strieren. Gerade die Sammlung Harrach ist 
aufs engste verbunden mit der Geschichte der 
Familie und dem persönlichen Lcbensschicksal 
der großen Sammler. Ferdinand Bonaventura 
Graf von Harrach (1636-1706) sammelt als 
kaiserlicher Botschafter in Madrid die spani- 
schen Meister seincr Zeit neben einigen weni- 
gen auf Auktionen und im Kunsthandcl ent- 
deckten frühen Meistern, sein Sohn Aloys 
Thomas, 1728-1733 Vizckönig von Neapel, 
vergibt ausschließlich Aufträge an die großen 
Meister der ncapolitanischcn Schule, Friedrich 
August bringt aus Brüssel, wo er 1742 als 
Obersthofmeister weilt, die Werke der flämi- 
schen und niederländischen Maler, Ernst 
Guido (1723-1783) beauftragt bedeutende 
Meister der römischen Schule um die Mitte 
des 18. Jahrhunderts. Das 19. Jahrhundert er 
wirbt in der Zeit des beginnenden Historismu: 
und unter dem Einl-luß der nazarenischen Be- 
wegung frühe Italiener des 16. Jahrhunderts. 
Der Wert und die Einmaligkeit dieser so ge- 
wachsencn und nicht nach kunstwissenschaft- 
lichcn Prinzipien systematisch aufgebauter 
Sammlung beruht weniger auf den einzel- 
nen Werken, so bedeutend sie auch sind, al: 
auf der Einheit des gesamten Ensembles. Per- 
sönlicher Geschmack und Vorliebe der Samm- 
ler in der Auswahl sind sie Spiegelbilder de: 
Individuellen innerhalb einer Zeitepnche. 
Unsere Zeit mit ihrer großen Ehrfurcht voi 
dem historisch Gewachsenen, mit der alle Be- 
völkerungsschichten umgreifenden Liebe ZL 
alten Dingen, zeigt ein ungewöhnliches Inter- 
esse und eine oft romantische Sehnsucht irr 
Aufspüren von Orten, in denen Vergangen- 
heit noch lebendige Tradition hat. Aus dieser 
Uberlegungen enstand der Gedanke, die 
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