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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 111)

ichtet worden ist (Abb. 3)7. Auch hier wird 
streng architektonischer Aufbau bekrönt 
n einer Gruppe unterschiedlich großer Py- 
niden. Im übrigen aber zeigt sich die grund- 
zlich andere Auffassung, die die geläufige 
: das römische Castrum doloris ist ein zen- 
les, vielansichtiges Architekturgebilde, des- 
i ikonologisches Programm vor allem auf 
Veranschaulichung von Ruhm und Macht 
a verstorbenen Fürsten ausgerichtet ist. 
otz dieser beträchtlichen Unterschiede steht 
l Grazer Castrum dolotis dem römischen 
mument näher als den wenigen überlieferten 
erreichischen Trauergerüsten um 1600, die 
Hinblick auf Form und Programm wesent- 
1 anspruchslose: sind. Der Vergleich mit 
n Trauergerüst, das 1595 für den Tiroler 
1desfürsten Erzherzog Ferdinand II. in 
isbruck aufgestellt worden ist (Abb. 4)Pi, 
g diesen Rangunterschied veranschaulichen. 
Castrum doloris Erzherzog Karls II. ist 
Form des Triumphbogens in ihrer wuch- 
an, auf die Antike zurückgehenden Ur- 
talt verarbeitet, um den ernsten und uner- 
tlichen Gehalt der Totenfeier einerseits und 
1 Machtanspruch des Hauses Steiermark 
lerseits zum Ausdruck zu bringen. Der 
iube an Gesetzmäßigkeit und unerschütter- 
ic Ordnung spricht aus diesem Monument; 
t im genaueren Betrachten werden ver- 
"gene Hinweise auf den himmlischen Be- 
:h erkennbar. In ganz anderer Absicht ist 
Form des Triumphtores ein halbes jahr- 
idert später bei einer Wiener Trauerdeknra- 
1 verwendet, aus der sich ein gewancleltes 
eresse der Habsburger am Exequienkulr 
esen läßt. Das im Jahre 1654 von Giovanni 
tnacini entworfene Castrum doloris König 
dinands IV. (Abb. 5)"? ist ein nicht minder 
valtiges Macht- und Würdezeichen, aber 
ses soll ein irreales Geschehen das 
inder der Herrscherapotheose nämlich 7 
allem Pathos untermauern. Über der ge- 
iten, bühnenbildartig angelegten Dekora- 
i steht das Motto: „etiam post funero 
im" I0; das transitorische Moment wird 
trall faßbar, sei es in der Gestalt des schla- 
d (nicht tot!) wiedergegebenen Königs, sei 
in der Phönixgruppe, in der die Bogen- 
"iitektur gipfelt. Ähnlich Wie in der Barock- 
'r das architektonisch gestaltete Bühnen- 
l, so hat bei diesem Festapparat der Triumph- 
gen die Funktion, einem durch zahlreiche 
uren und Bilder vergegenwärtigten Vor- 
g den bedeutungsschweren, steigerndcn 
imen zu geben. Die Veranschaulichung der 
TSClJCIQPOIhCOSC ist das eigentliche Thema 
ier Trauerdekoration; in einem vielteiligen 
lschmuck ausgebreitet, findet es seine Ver- 
itung in der Architektur des Sieges- 
-ens. 
se vergleichenden und erklärenden Hin- 
se sollen genügen, um Rang und besondere 
enart des Grazer Trauergerüstes zu be- 
:hten. Der gewaltige Festapparat gehört zu 
hervorragenden Beispielen einer einst 
h eingeschätzten ephemeren Architektur- 
ung, die an den Höfen der Österreichischen 
xsburger besonders kontinuierlich und reich 
ivickelt worden ist. 
ANMERKUNGEN 1 10 
z 
Eine Arbeit dcs Vcrf. über , ic Trziuvrdckivratinnen fur die 
Hnbshurgcr in den Erblamlcn sich! kur? vor dem Abschlnß. 
Tll! Cooprr Hcwitt Musciun. New York, lnv. Nr. 1938.88. 
8108. Braune Feder über sciiwsrzi-r Kreide. mit griucn und 
roten Lavierungen; Format: 398x229 nnn. - Der vcrr. 
dankt dic Kenntnis der Zeichnung Dr. Olga PIlIiS Bcrcndxcn. 
New Brunswick. USA. 
Anhaltspunkte zur genauen llestimnmng dcr zi-irnuuug bicn-n 
das (lnrgtslclltc wipncn sowie eine gedruckte Beschreibung 
dcs Traucrkonduktcs vun Graz incii Srckziu: Sigmund DIH- 
itingl .ONI)V(IT wciiindr der in Gott unuccndcn Irer 
" . . nurrni. Ertzhcrlzogcn (Iarls zu (Yesterreich . . Ge- 
. . Anno 1591. lianstingl erwähnt die beiden 
nnn-i zu Graz nnd in der Srckaucr Suns- 
iiircnc. Ohnc n genau zu beschreiben. Danslingls Angabe. 
c ha - ür du drpiinicn minrrsndncn seines Diirhlcinskciixcn 
Stecher H1 Graz linden können. erk irr. warum der Lcichcnzug 
erst Jahre spifilcr (ISMIUS) in-suicncn wuidc-n isi. und ZWEI! 
Ulme iit-ru- sichtigung der Trauergrrustc (ein exi-inniir dcs 
„cnnducrs- bciindcr sich un Urazcr Sladtmusculn). vc-rniui- 
lich gibt die Zeichnung des Coupe! Hewin Museums das in! 
Crazer nnin aufgestellte Tmuirrgcrusl wieder, das das präch- 
tigcrc gcwcscll n-in dürfte. 
 
 
Truuurgcrüsxt I 
 
 
  
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i M-H-ßt "eP-EN"; 
 ßrmf +- s . 
4! 303i. - 
.. Mqißsums... 
Cmstruin doloris für König Ferdinand IV.. von Gimdnni 
Unmariiii 165-1 entworfen 
Die mittlere Pyramide mit dem dreiseitigen Grundriß durfte 
auf dic iil-iypncrolomachia" des Poliphilus zurückgehen. Dort 
wnd die Drcicckpyramide - allerdings im Zusammenhang 
mit dcin aus Quader und Tronllnel gebildeten Sockel - als 
s mbnl der Mystischcn Drcieinigkeit bezeichnet. - Das min- 
christliche Motiv des Delphins CllS Führer in das Totenreich 
liILXChl auf zahlreichen Renaissancc-Grabmälem auf. 
Nicn neueren Untersuchungen (n. J. Tuschnigg ms; B. Roth 
1964) ist der künstlerische Anteil Alcssandro de Vcrdas am 
Scckuucr Mnllsulßum gering. 
Vergleichbar sind beide Werke nicht nur in den Details inrcr 
skulpxurcilcu Ausuinung. sondern auch in ihrem Aufriß, der 
vom antiken Triumpluor abgeleitet ist. Daß das Mausoleum- 
portal ungleich fcinglicdriger ausgeführt isr, erklärt sich aus 
seiner Funktion GlS durchsichtige Schranke. 
Annnyincr Stich. Ex. Berlin, Kunstbibliothck. Orniimcntslicll- 
Sammlung Nr. 3185. 
Das Tnucrgcrüsz ist überliefert in einer anonymen Zeichnung 
(Feder rnir farbigen Lavicrungcn), die sich im Innsbruckur 
Liindesregierungsarchiv (Kunslsachen III, 32) beündcl. 
Kupferstich inir Radierung, 1122.: ..]. Bumzlciilius S.C.M. 
nrchiteclus Inuenror.", Ex. Alberlina, I-listor. Blätter. Personen. 
Band 4. 
Spruchband eines der Engel, die auf dCm gcsprc-ngrcn Giebel 
dcs Triumphbogen; sitzen. 
 
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