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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 111)

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in Wien bestellten und angefertigten Zeich- 
nungen inhaltlich uncl stimmungsgemäß sich 
nicht ganz mit der betreffenden Textstelle 
deckten. Offenkundig konnte der Pestet Re- 
dakteur dem der ungarischen Sprache unkundi- 
gen Illustrator jeweils nur eine kurzgefaßte 
Inhaltsangabe zur Verfügung stellen oder eben 
nur das Thema zur gewünschten Illustration 
angeben, ohnc auf Einzelheiten einzugehen. 
(Bei diesem Bild zur „BluthochzeiW Figuriert 
als Kupferstecher „M. Hofrnann sc.".) 
Die dritte Bildbeilage des Taschenbuches be- 
zieht sich auf ein jugendwerk Mihaly Vörös- 
martys, eines der bedeutendsten ungarischen 
Dichters. Es ist die einzige Illustration zu 
seinem „Feental" betitelten, in 200 Strophen 
eine „altungarische Sage" behandelnden Epos. 
Die einigermaßen verwickelte und langatmige 
Geschichte gipfelt darin, daß die Liebenden 
erst im Feental der Irrealität zueinander Finden, 
von wo der Held des Epos seine schöne Ge- 
liebte erlöst und wieder ins irdische Leben 
zurückführt. Der Künstler vergegenwärtigt 
jene romantische Episode, in welcher der 
„Sohn der Sonne" das tote Mädchen den 
Augen des für sie kämpfenden Recken ente 
rückt, um es in einen „schönen Sternenhain" 
zu entführen. Die Vision des Dichters ver- 
mochte der Illustrator recht anschaulich wie- 
derzugeben. (A. Dworzack sc.) 
In die Türkenzeit versetzt den Leser auch die 
Erzählung „Rabenstein" von Karoly Kiss, der 
das vierte Bild des Bändchens beigefügt wurde. 
Die Erscheinungsjahre des Almanachs fallen 
in die Zeit der in wachsendem Maße der Ver- 
gangenheit zugewandten nationalen Roman- 
tik. Wie viele andere, handelt auch diese Ge- 
schichte von der allen Hindernissen trotzenden 
Liebe eines gegen die türkischen Unterdrücker 
kämpfenden jungen Mannes. Auf eine wirk- 
lichkeitstreue Wiedergabe der zeitbedingten 
Kostüme legte weder der Künstler noch das 
Publikum großen Wert, und so erscheint denn 
auch auf unserem Bild der ungarische Krieger 
mit der Axt in der Hand in einer Aufmachung, 
die weitgehend der für die erste Hälfte des 
19. Jahrhunderts so bezeichnenden Betyaren- 
Romantik entspricht. Auch diese Zeichnung 
bestätigt die Richtigkeit unserer schon bei 
Besprechung der zweiten Bildbeigabe dar- 
gelegten Überzeugung, daß der Illustrator 
mangels einer vollständigen Textübersetzung 
in Unkenntnis nicht unwesentlicher Einzel- 
heiten blieb, die für die kompositionelle Ein- 
stellung der handelnden Personen entscheidend 
hätten sein können und die eine überzeugen- 
dere Veranschaulichung ihres Seelenzustandes 
ermöglicht hätten. In der Erzählung sitzt das 
Mädchen allein im Garten, wird aber unmittel- 
bar vor dem Erscheinen des geliebten Mannes 
von einem Knaben auf dessen Nahen aufmerk- 
sam gemacht, so daß sie, aus ihrer Besinnlich- 
keit aufgeschreckt, dem unerwarteten Besuch 
erwartungsvoll entgegenblickt. Von einer sol- 
chen freudigen Erregung ist auf dem Bild 
nichts zu spüren. Hier sitzt das Mädchen in 
seine Gedanken vertieft, während sich ihm 
der junge Soldat völlig unbemerkt aus der Tiefe 
des Gartens nähert. (Auch diese Zeichnung 
wurde von L. Poratzky in Kupfer gestochen.)
	        

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