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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 111)

ucruaat L4ö8l11. 
PANTOKRATOR UND DEESIS 
Zwei Themen der bjganlinireben Kant! zur Ikonen- 
Auuiellung de: Örlerreirhiuben llluxeulll: für 
angerunnzlle Kunst 
i Pantoktator. Kuppelmosaik in der Kirche von Daphlii. Ende 
I n. Jahrhundcrl 
2 Pantokrator, Mosaik von der Südgalcric der Hagia Sophia 
in Konstantinopel. 1a. Jahrhundert 
3 Pantokratot, um dem Eingang dct Chorakitchc in Kon- 
slanlinopcl, Anfang u. Jahrhundert 
ANMERKUNGEN 1 m 17 
1 Gerke F., Christus in der spätanlilrcn Plastik. 
1 Holl, K" Gcs. Aufs. z. Kirchcngischichte II, S. 351 IT. 
1 Mignc, P. c. u. 395. 
4 Gnbar. A., L: peinture byzantiuc. Gcnävc 1953; Eggcr, r... 
Der Theos cpiphancs in der spätaluikcn Kunst, Atltaius V, 
1964. S. 43717. 
5 Silcntiarius, Text und Komm. v. I7. Friedlindrr, Leipzig 1912, 
Verse 7557805; Fclicetti-Licbcnfcls, W., Geschichte der by- 
zantinischen Ikoncnmalcrcl, Lausannc 1956. 5.1911 
11 Dobschitz. (l. Christusbildcr, in: Tcxlc und Untersuchungen 
zur Gcsch. a. altrhr. Literatur. N. F. 3. Beilage IIIA. Lcipzig 
1899, Kap. III S 40K. 
1 Weitzmann, Thc Mandylon and Constantitic Porphyro- 
gcnnctos Cuh Arch. 11 (1960); Wrssrl, K., in: Ikcallcxikon 
zur byzantin schon Kunst. I, 1966. Sp. 22H. 
Wcscl, K" in Reallexikon I, Sp. 102911". 
9 Kondakov, N. ., The Russian Icon. ttanslt. by E. H. Minns, 
Oxford 1927. 21, Anm. 1. 
W Dobschütz. S. 1495.; Felicctli. S. 4B. 
11 Zusammenfaßcndc Darstellung der Untcrsuchung über das 
Turincr Grahtuch: Bulst. w.. Das Grabtuch von Turin. Fot- 
schunphcrichte und Untersuchungen. Frankfurt 1955, mit 
älterer Literatur. 
11 Heisenberg, A. Nilti, Mcsaritcs. Die Palaslrvvolution dcs Juh. 
Komncnos, Wurzburg 1901. 
I! Bulst, 5.15 und Am. 8. 
14 Hölschcr. G., Das Land der Bibel II. Z. L. 1917. 
H Geytr. P.. Irinera I-Iierusolymitana sacculi iv-vm, Corpus 
scnptorum ecclmiasticurum latinorum. Wien 1866. 
15 De imaginihus oratio III, 34 - Mignc, P. G. 94. 1353. 
17 Bulst, S. 39, Irenäus, Adv. hart. 1, 25, 6; Mignc, P. G. 7, 685. 
  
 
stellt das zentrale Problem der lkoncnrnalerei 
dar. Der Ursprung dieses in den wichtigsten 
Beispielen als „Pantokratot" bezeichneten 
Bildes ist schwierig zu ergründen. Das bärtige 
Gesicht mit den langen Haarcn tritt bereits 
auf einem römischen Säulensarkophag der 
Zeit um 370 auf und verdrängt von da an 
immer mehr in der Sarkophagplastik wie auch 
in den Mosaiken die ursprünglich vorhande- 
nen spätantikcn Christustypenl. Epiphanius 
weist in seinen Schriften gegen die Bilder- 
verehrerl spöttisch darauf hin, daß Christus 
wie ein Nasiräer mit langen Haaren dargestellt 
wird. Dieses sich aber schließlich völlig durch- 
sctzende Bild Christi entspringt der Absicht 
des 4. bis 6. Jahrhunderts, ein authentisches 
Porträt Christi zu besitzen. Einerseits geht 
diescAbsichtaufdicAbhandlungcnvonlrcnäus, 
Origenes 3 und Cyrill von Alexandricn zurück, 
nach denen ein menschliches Bild Gottes im 
Christusbild möglich sei, anderseits auf die 
unter Konstantin stattfindende Übernahme 
aller Kaiserkultübungen in das christliche Zere- 
moniell, wobei wesentlich ist, daß innerhalb 
dcs Kaiscrkultcs das Porträt dcs Kaisers eine 
bedeutende Rolle spielte4. 
Paulus Silentiarius beschreibt in seinem Ge- 
dicht dcn Altarvorhang der Hagia Sophia mit 
einem Christusbild, das der Pantokratorvor- 
stcllung entsprichtß. Um dicscs Bild und seine 
Herkunft entstanden zwei Legenden: Einmal 
gilt es als das Tuch von Kamuliana in Kappa- 
dokien, das um 540 im Wasscrbccken des 
Gartens einer Heidin aufgetaucht sein soll und, 
da es wundertatig war, 574 im Triumph nach 
Konstantinopel gebracht wurdcö. Dieses als 
Acheiropoietos, das heißt „nicht von Men- 
schcnhändcn gemacht", bezeichnete Bild ver- 
schwand im 7. Jahrhundert7. Zum anderen 
soll es das syrische Mandilion, das sogenannte 
Abgarbild 3, sein. Das Wort Mandilion kommt 
entweder vom semitischen Mindil : Hand- 
tuch, oder vom persischen Manduas I 
Mantcl9. Nach der Legende wollte König 
Abgar von Edessa cin Porträt Christi malen 
lassen und erhielt einen Abdruck seines Ge- 
sichtes auf einem Leinentuch. Dieses Tuch 
taucht 544 in Edcssa auf und warf den Be- 
lagcrcr Chosrau I. zurück. Seither hicß cs 
Phylakterion. Es zeigt in wunderbarem Aus- 
druck Christus einmal milde und einmal streng. 
Dieses Bild wurde am 15. August 944 nach 
Konstantinopel gebracht, 1204 dort geplün- 
dert und ging später angeblich verloren 113. 
Beide Legenden sprechen von einem Tuch mit 
dem Abdruck des Gcsichtcs. Das wahr- 
scheinlichste an allcdcm ist, daß es sich bei 
diesem Tuch um das Lcichcntuch Christi, die 
Sta. Sindone in Turin, handelt, deren tat- 
sächlich aus dem Abdruck bestehendes Bild 
dem hochmittclaltcrlichcn Pantokratorbild, 
etwa dem Kuppelmosaik in Daphni, weit- 
gehend entspricht. Dieses Turiner Tuch stellt 
der Wissenschaft viele Probleme und ist in 
der letzten Zeit eingehendst untersucht wor- 
den. Der Abdruck besteht nach chemischer 
und röntgenultigischer Untersuchung aus einer 
Verfärbung dcs Gewebes durch Einwirkung 
von Aloe durch kurze Zeit hindurch. Dadurch 
entstanden die Umrisse eines ganzen Körpers 
der Vorder- und Rückseite eines Leich- 
der nicht nur das für Christus in Ansp 
genommene bärtigc Gesicht mit langen Ha 
und langer Nase, sondern auch Wunden 
Blutspuren an Händen und Füßcn wie in 
Seite aufweist. Dadurch ist die Möglich 
daß es sich dabei tatsächlich um das Leic 
tuch Christi handle, gegeben 11. Nach sich 
Urkunden läßt sich heute feststellen, daß 
Tuch im 14. Jahrhundert im Besitz der K 
nikcr von Lirey in der Champagne war. I 
erhielten es bei Stiftung des Klosters 1353 
Gottfried I. Graf von Charny. Dieser wi 
hat es möglicherweise von Philipp von V 
erhalten. 1389 war es Streitobjckt, da e 
Malerei angesehen wurde. Dagegen spre 
die modernen Befunde, nach denen - 
auch immer entstanden 7 das Bild jeder 
ein Abdruck ist. Um die Mitte dcs 15. _ 
hunderts gelangte das Tuch in den Besitz 
Herzogs von Savoyen und so zuerst 
Chamböry und 1578 nach Turin. Dazi 
weiter zu betonen, daß Robert von Clari 
Chronist des 4. Kreuzzuges, angeblich 121 
Konstantinopel ein Grabtuch Christi sah. 
im I2. Jahrhundert dort bezeugt wird ur 
der Blachcrnenkirchc aufbewahrt gewesen 
soll. Ebenso berichtet 1171 Wilhelm von 'I 
von dem Grabtuch im kaiserlichen Schatz, 
dem Bild auf dem Tuch wird jedoch n 
erwähnt. Weiter erwähnt Kaiser Alexii 
Komncnos 1093 dieses Grabtuch in einem 
an Robert von Flandern. Ein englischer P 
des I2. Jahrhunderts erwähnt das Tucl" 
dem Haupt Christi, ebenso ein isländische: 
1157, und Nikolaus Mesarites spricht 1201 
dem „Entaphioi Sindones Christou"11. 
Beschreibung der kaiserlichen Kapelle 
1190 erwähnt einen Teil des Grabtu 
dcsscn anderen Teil Karl der Kahle 
9. Jahrhundert nach Compiägne gcsci 
hätte. Balduin II. übersendet 1247 diesen 
an Ludwig den Heiligen von Frankraii 
Diese Erwähnungen meinen wohl alle 
Mandilion der byzantinischen Berichte. l 
kommt noch der Bericht des Bischofs 
culph14 um 670, der ein „Sudariurn" 
8 Fuß Länge in einer Kirche Jerusalem: 
sehen haben soll, der aber kein Bild crw 
wcitcts das Itinerarium, das dem Antonius 
Placentia zugeschrieben wurde, der in e 
Kloster am Jordan ein „Sudarium, qi 
fronte Domini" im 6. Jahrhundert sah15, 
Johannes von Damascus 16, der „tas Sindc 
erwähnt. 
Evangelien und älteste Schriftstellen g 
keine: Beschreibung des Aussehens Cl' 
weshalb wohl auch die ersten Chri 
bildet sehr verschiedenartig sind. Irenäus 
200, berichtet von „authentischen" Bill 
die auf ein Bild zurückgehen sollen, 
Pilatus von Christus habe machen lasst 
Außer dem Mandilion ist noch die Frage 
dem Vcrunikabild, das seit dem 12. 
hundert in Rom in S. Silvcstro nachwr 
ist. Die Legende stammt zweifellos vot 
Bezeichnung „vera ikon" und meint t 
letzten Endes das Mandilion, später sich: 
eine Kopie desselben. Das gleiche gilt von 
Tuch in Genua. In all dem besteht eine ge 
Wahrscheinlichkeit, daß es sich bei den 
geblich 1204 verlorengcgangencn Manc
	        

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