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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 111)

Diese Ausstellung wollte aber weniger diese Er- 
eignisse in Erinnerung bringen als vielmehr einen 
Überblick über das geben, was durch sie in der 
Folge auf den kulturellen und künstlerischen Ge- 
bieten bewirkt wurde und möglich geworden war. 
In der Form von Akzenten aus den Bereichen der 
angewandten Kunst (Glas, Gobelins, Keramik, 
Metallarbeiten, Schmuck, Plakate), der Architektur 
(Modelle, Plane, Photos, Zeitschriften), der bil- 
denden Kunst (Originale der Graphik, Malerei und 
Plastik, Bücher, Kataloge, Karikaturen, Kunstzeit- 
schriften, Manifeste), der Literatur (Autographen, 
Bücher, Photos, Porträtzeichnungen, Sammel- 
werke, Schallplatten, Zeitschriften), der Musik 
(Originale und gedruckte Partituren, Schallplatten) 
und des lndustrial Design (Industrieprodukte) 
wurde so ein Spektrum von Werken und Persön- 
lichkeiten formiert, das stellvertretend für die Ganz- 
heit und Vielfalt der künstlerischen Entfaltung seit 
1945 stand. 
Dieser fragmentarische Überblick vermochte jedoch 
selbst bei nüchternster Betrachtung die Gewißheit 
zu vermitteln, daß trotz der Bedrängnisse und Nöte 
der Nachkriegszeit die künstlerische Potenz in 
unserem Lande keine Beschränkung erfuhr. Die 
wiedergewonnene Freiheit war ein Nährboden, der 
allem Lebendigen zugute kam, der förderte, was 
kraftvoll genug war, sich zu behaupten. Solche 
Leistungen waren die Akzente, die gezeigt wurden. 
Mehr als sorgfältig gewählte Spitzenobjekte mach- 
ten diese spontan aus der Fülle herausgegriffenen 
Exponate deutlich, daß in den abgelaufenen 25 Jah- 
ren auf allen Gebieten der Künste sich Leben regte 
und schöpferische Leistungen zustande kamen, die 
auch über die Grenzen unseres Landes hinaus wirk- 
sam und von Bedeutung sind. Die Ausstellung hat 
in der Öffentlichkeit starken Anklang gefunden, was 
auch in der Presse einen entsprechenden Nieder- 
schlag fand. Wir zitieren im folgenden Auszüge aus 
einigen Berichten. 
Margarethener Sandstein. Dieser erste Dreiklang 
will sagen: Mit dem Wiederaufbau des National- 
heiligtums Stephanskirche beginnt in Osterreich das 
kulturelle Erwachen nach dem Zweiten Weltkrieg. 
Und dann folgen erste Kreationen von Fritz Riedl 
(ein Gobelin), von Alfred Wickenburg (eine Kreide- 
Zeichnung), eine Federzeichnung von Ernst Fuchs, 
ein Plakat von Oskar Kokoschka, ein Aquarell von 
Kurt Stenvert und eine Tuschezeichnung von Kurt 
Moldovan aus dem Jahre 1948. Unmöglich, sämt- 
liche 120 Ausstellungsobjekte anzuführen . .  
(DIE PRESSE, 15. Mai 1970) 
 . . Man sieht Glas, Keramik, Schmuck; man sieht 
Plakate: etwa jenes von Oskar Kokoschka, 1946 
entstanden, mit dem Text ,.Rettet die Kinder von 
Wien". Man sieht Bücher und, ein Kuriosum, das 
Arbeitszimmer Stalins, ein Geschenk Osterreichs an 
den Politiker, als vergessenen Aspekt. Ausstellungs- 
plakate, etwa das von van Gogh, erinnern an diese 
Tat der Gemeinde Wien; berühmte Namen von 
Malern, Kolig, Boeckl, von Bildhauern, Wotruba 
und seine Schule, tauchen auf, Die großen oster- 
reichischen Architekten Neutra, Rainer, Plischke 
sind mit Büchern dokumentiert, jüngere mit Mo- 
dellen. Einen weithin unbekannten Akzent setzt die 
Universal Edition mit der Herausgabe der ersten 
Elektronenmusikpartitur der Welt . .  
(ARBElTER-ZEITUNG, 16. Mai 1970) 
 . .Am Anfang steht ein erschütterndes Zeichen der 
Zeit: die Eingabe von Rudolf Kassner um die Ver- 
leihung der dsterreichischen Staatsbürgerschaft 
(1945), ein Dokument von der Heimatlosigkeit des 
Geistes in einer Welt, die nicht müde wird, dem 
Ungeist fürsorglich Heimstätten zu bereiten. ln die 
Nachbarschaft dieser beschämenden Bittschrift ge- 
hdren die Kreuzrose vom zerstörten Stephansdom 
und das Kokoschkaplakat, auf dem der Gekreuzigte 
sich zu den hungernden Kindern von Wien neigt. 
Die vielfältigen Wege, auf denen die bildende Kunst 
Anschluß an die Entwicklung im Westen zu finden 
Direktor Prol. Dr. Wilhelm Mrazek mit Frau Bundes- 
minister Dr. Herta Firnberg bei der Eroffnung der Aus- 
stellung „25 X Osterreich". Links Sektionsrat Dr. Carl 
Blaha", rechts Frau Sraarssekretar Gerirude Wondrack. 
Burgermeister Bruno Marek und Sektiorischel Dr. Karl 
Haertl 
Rudolf Hollehner, Schreitender, 1957. Eisenplastik 
Frau Bundesminister Dr. Herta Firnberg mit Dir. Prof. 
Dr. Wilhelm Mrazek vor der Vitrine rrtil einem Autograph 
von Heimito von Dodeier aus dem Jahr 1954 sowie einem 
Koristruktionsplan und Manuskript des Flomanes ,.Die 
Dämonen" 
Blick aul die Plastik von Cornelius Kolig, 19GB V 
 
 . . Nichts an dieser Ausstellung, hinter dem nicht 
eine originelle Idee steckt. So machte der Architekt 
Walter Prankl aus der Gegebenheit, auf dem Fuß- 
boden der Säulenhalle des Museums 25 quadra- 
tische Felder vorgezeichnet zu finden, das Grund- 
konzept für seine Ausstellungsgestaltung. Immer 
wieder scheint die Zahl 25 auf, sei es bei der Anzahl 
der Vitrinen, sei es bei den Größenverhältnissen der 
Kojen. In dieses Zahlensystem der 25 wurden dann 
die Schaustücke aus den Bereichen der Architektur, 
der Malerei, Graphik und Plastik, der Musik, der 
Literatur, des Kunsthandwerks und des lndustrial 
Designs so placiert, daß aus der Gesamtheit der 
ausgestellten Objekte tatsächlich ein Spektrum 
Österreichs wurde . . . Schon am Startplatz des vor- 
gezeichneten Ausstellungsrundganges wird der 
erste Akkord angeschlagen: da sieht man Dach- 
ziegel, wie sie für den Wiederaufbau von Sankt 
Stephan verwendet wurden, eine Zeichnung des 
Stephansturms von Herbert Boeckl aus dem Jahre 
1946 und eine Kreuzrose von Sankt Stephan aus 
4') 
suchte, werden durch so gegensätzliche Werke 
illustriert wie einen frühen Mädchenkopf von 
Ernst Fuchs (1948) und den "Violinspieler in vier 
Bewegungen" von Curt Stenvert. Die "Gans von 
Stainz" von Alfred Wickenburg zeigt, wieviel die 
Frühphase des phantastischen Realismus diesem 
oftmals unterschätzten Maler verdankt  Daß in 
dieser ereignisreichen Zeit auch manche Möglich- 
keit verschlafen wurde, kann man schmunzelnd auf 
einer lronimus-Karikatur aus dem Jahre 1962, .End- 
lich aufgewacht, zur Eröffnung des Museums des 
XX. Jahrhunderts", ablesen." 
(SALZBURGER NACHRICHTEN, 20. Mai 1970) 
 . . Alles in allem eine Ausstellung, die ohne über- 
triebenen Patriotismus und nicht ohne gelegent- 
liche Selbstironie kulturelle Visitenkarten abgibt, die 
in ihren daraus ablesbaren Folgerungen sehr viel 
von dem repräsentieren, was als kulturelles Bewußt- 
sein eines Landes zitiert werden könnte." 
(OBERÖSTERREICHISCHE NACHRICHTEN. 
21. Mai 1970) 
-ow ms: 
b 
Kreulrose von St. Stephan. Margarethener Sandstein 
Plakat zur 8. Ausstellung des Europarates Jäuropaische 
Kunst um 140D". Entwurf: Leopold Nslopil 
Heinz Lßlniellrier, Porträt Joseph Matthias Hauer. Holz 
Linda Hddl, Silberschrnuck1968-1970 
Stevr-Puch Hallinger, Hersteller Sleyr-DaimlerrPuch AG. 
- Rechts im Vordergrund Keramiken von Kurt Ohnsorg, 
links davon Keramiken von Kurt und Gerda Spurey aus 
dem Jahr 1969
	        

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