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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 112)

"iitektur in unmittelbarem Zusammen- 
; stehende Malerei so vorzügliche Technik 
ler zu beleben und anzuwenden. 
Architekt nahm demnach schon bei Anlage 
Eäle, bei ihrer architektonischen Anordnung 
Auszierung Rücksicht auf ihren Zweck, 
ei jedoch die Anordnung des ganzen 
:rischen Theils der Decoration unbedingt 
für diese große Arbeit aus Rom herbei- 
tfenen Maler P. v. Cornelius überlassen 
W16. 
war ihm die Aufgabe gesetzt, die griechi- 
Götter- und Helden-Sage in einer cy- 
hen Folge von Gemälden darzustellen. Er 
imrnte daher die Eingangshalle zur An- 
ung einiger hesiodischer Mythen, und die 
en großen Säle für den homerischen Götter- 
I-Ieldenkreis. Um auch in den Darstel- 
jen der Götterwelt die Beziehung auf das 
schliche Leben festzuhalten, malte er in 
Vorhalle, die den beiden Sälen zur Ein- 
ng dient, den Prometheus, welcher den 
ischen formt, und die Pandora, welche das 
el unter die Menschen bringt. Im Götter- 
zeigte er den Hercules in den Olymp auf- 
)mmen, den Arion, wie er vor den Meer- 
ern singt, den Orpheus, der in die Unter- 
hinabgestiegen ist, dabei manche Lieb- 
ften der unsterblichen Götter mit sterb- 
tn Menschen und die Macht des Schicksals 
' beide. Im trojanischen Saal führt er den 
hauer in den Kreis der sterblichen Ge- 
zchter und zeigt ihre Größe in den Kämpfen, 
sie unter dem Beistand der Unsterblichen 
en. In beiden Sälen enthalten die großen 
ülbspiegel die Hauptvorstellungen und die 
ken die Einteilung dazu, so daß der Ge- 
ze am Gipfel der Decke beginnt und mit 
letzten Gewölbspiegel endigt." 17 
IZC und Schorn beschränkten sich jedoch 
t auf diese allgemeine Schilderung, son- 
beschrieben das Programm der Malereien 
n das kleinste Detaillß. 
die übrigen Säle (Abb. 7) wurden Orna- 
te und Reliefdarstellungen erdacht, die 
direkt auf die darin gezeigten Kunstwerke 
deren Epoche bezogenlf): 
„ägyptischen Saal" war „die für die Be- 
ung und Entwicklung ägyptischer Kunst 
ezeichnende Legende angebracht, wie Isis 
tmme bei der Königin von Byblos dienend, 
langgesuchten Leichnam ihres Gemahls 
is, von Typhon in einen Mumiensarg 
eschlossen, in einer Säule am Palaste des 
igs Malkandros entdeckt, und durch einen 
ag das umhüllende Erikaholz spaltend und 
:rnend, befreit und wieder erlangt. Wir 
nnen hier als Typus der ägyptischen Statue 
3- und der ägyptischen Säulenform und 
iältnisse anderseits, den Mumiensarg, 
her bis in die spätesten Zeiten den Körper 
Todten ebenso nachgebildet ward, als 
r Sarg, worin genau passend Typhon den 
ler Osiris verschloß." 
Dekoration des „Aegineten-Saales" bezog 
ganz auf die Skulpturen des Aphaia- 
anderen den Kampf um den Leichnam des 
Patroklos mit dem Telamonier Ajax als Haupt- 
kämpfer. Über der Eingangstür erschien im 
Ornament der Blitz des Zeus, des Vaters des 
Aeakos. Im Stuck des Kreuzgewölbes waren 
die Figuren der Aeakiden Acakos, Peleus, 
Achilleus, Neoptolemos dargestellt. An der 
Stirnwand gegenüber dem Fenster war als 
Ornament die Giebelfront des Tempels in 
getreuer Rekonstruktion angebracht. 
Im „Apollo-Saal" befanden sich an der Decke 
die „Wappentiere" dcr vier Städte Griechen- 
lands, „deren Kunstschulen in älterer Zeit zu 
besonderer Auszeichnung gelangten", die Eule 
Athens, das Flügelpferd Korinths, die Chi- 
märc von Sikyon, der Wolf von Argos. „Die 
Köpfe des olympischen Zeus und der Pallas 
Athene deuten die l-laupttypen an, welche 
Phidias als Resultat älterer Kunstbcstrebungen 
entwickelte und feststellte". 
Die Decke des „Bacchus-Saales" schmückten 
„baccisehe Embleme", Panther, Vasen, Par- 
teren, Wein- und Eppichlaub. 
An den Stirnmauern der drei Kuppelgewölbe 
des Römer-Saales saßen im Ornament Me- 
daillons römischer Feldherrn, Konsuln und 
Imperatoren, „welche um die drei Haupt- 
epochen römischer Kunstthätigkeit sich ver- 
dient machtcn", im ersten Kompartiment 
M. C. Marcellus, L. C. Sulla, M. F. Nobilior, 
T.  Flaminius, L. C. Scipio; im zweiten 
Augustus, Claudius, Maecenas, C. A. Pollio, 
M. Agrippa; im dritten Trajanus, I-ladrianus, 
C. Nerva, Vespasianus, Titus. Das Relief in 
der Mitte der ersten Kuppel stellte dar, wie 
„das Schiff, welches die Statue der Bona Dea 
aus Griechenland nach Rom brachte, nur von 
einer Vcsralin an Ort und Stelle gezogen 
werden konnte". Reiches Ornament mit den 
Bildern „der zwölf römischen Obergötter" 
umrahmte es. Ein Relief in der zweiten Kuppel- 
mitte zeigte „die Einschiffung der Statuen von 
Korinth nach Mummius Eroberung". In den 
zwölf umgebenden Feldern waren „Personen 
aus dem römischen Staatsleben dargestellt, der 
Dictator, Censor, Consul, Praetor, Senator, 
Tribun, Aedilis, Quaestor, Triumvir mone- 
talis, Pontifex, Augur und Magister equitum". 
Das Relief der dritten Kuppel „zeigte eine 
Strena, als welche ein Jüngling seiner Geliebten 
griechische Gefäße, Vasen von Korinth, 
Candelabcr von Aegina usw. darbringt". „In 
den umgebenden Feldern sind Scenen aus dem 
römischen Familien- und Gesellschaftsleben 
dargestellt : Lucretia, Corneliamit den Gracchen, 
die lesende Tullia, Agrippa mit dem Modell 
des Panthcon, Livia mit der Spindel, Horaz 
den Maecenas bekränzend, Antonius als Bac- 
chus, Marc Aurel als Philosph, Messaline eine 
Herme bekränzend, Nero als Apollo citha- 
rödus, Hadrian den Antinous betrauernd und 
Commodus. So ist hier die oft vergeblich 
bestrittene Abkunft aller römischer Kunst 
aus Griechenland im religiösen, Staats- und 
geselligen Leben bezeichnet." In das Ornament 
des Römer-Saales, „im Style der schönsten 
trugen, die Kunst wieder auf den einzig 
richtigen Weg der Antike zurückzuführen: 
Nicola da Pisa, Mich. Bunnarotti, Ant. Canova 
und Albert Thorvaldsen". 
Im Vestibül bezeichneten Inschriften den Bau- 
herrn, den Architekten und den Maler: 
„LUDOVICUS I. BAVARIAE REX 
Veterum seulpturae monumentis 
quac ipse undique congesserat, 
decore collocandis hoc museum 
condidit atque dicavit", 
„Regis jussu aedificio exstruendo 
et decorando praefuit Leo Klenze eques" 
und 
„Regis jussu cameras 
picturis exornavit 
Petrus Cornelius eques." 
Das erste Bildprogramm eines Museums fügte 
sich formal fest in den Zusammenhang des 
Ganzen. Am Außenbau waren Giebelfeld und 
Nischen angelegt, um die Skulpturen aufzu- 
nehmen. Die Reliefs in den Räumen schienen 
zur Stuckdekoration zu gehören, die Fresko- 
säle reihten sich selbstverständlich an die Aus- 
stellungsräume. Plastik und Malerei stellten 
sich in den Dienst der Gesamtaufgabe. Am 
Monument der antiken Kunstgeschichte über- 
nahmen sie eine repräsentative und didaktische 
Funktion. 
Klenze hat mit der Einteilung des Bildpro- 
gramms das-Vorbild für spätere ähnliche 
Aufgaben geprägt. Die Anbringung einer 
allgemeinen mythologischen Darstellung zur 
Kunst an der Fassade und die Aufstellung von 
Standbildern ausgewählter Künstler und 
Kunstförderer am Außenbau ist in abgewan- 
delter Form vielfach wiederholt worden. Die 
Trennung von großem malerischem Zyklus 
mit allgemeiner Bedeutung für das Wesen des 
Bauwerks und Dekorationen der einzelnen 
Säle, die besonders auf die gezeigten Gegen- 
stände bezogen waren, wurde für Innenpro- 
gramme vorbildlich. 
Im ganzen bildlichen Programm des Bau- 
werkes trat eine vordergründige Verherr- 
lichung des Bauherrn nicht hervor. Es ist 
jedoch auffällig, daß die antiken Kunstförderer, 
Perikles und Hadrian, einen so exponierten 
Platz an der Hauptfassade des Bauwerkes ein- 
nehmen sollten, gleich neben den „mythischen 
Begründern und Vorstehern aller plastischen 
Kunstarbeit", Vulkan, Prometheus und Däda- 
lus; nur ein einziger antiker Künstler, der 
von Perikles geförderte Phidias, fand einen 
Platz unter diesen ersten sechs. Alle sechs an 
der Ostseite des Gebäudes dargestellten Künst- 
ler, Canova, Gibson, Rauch, Schwanthaler, 
Tenerani und Thorvaldsen, waren von Lud- 
wig I. durch Aufträge gefördert, zum Teil 
direkt für die Glyptothek beschäftigt worden. 
Ludwig mußte als der Förderer dieser Bild- 
hauer erscheinen, die als die Erneuerer der 
Antike des Phidias auftraten. Gerade an diesem 
Bauwerk, das die Werke der antiken Bild-
	        

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