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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 112)

 
trnen und ihn der Blasphemie zeihen, oder 
1 ernsthaft um ein Verstehen bemühen und 
das große Anliegen eines Menschen er- 
tnen, der nicht auf der vorgeschriebenen 
ie einer Kirche geht, „die m wenigstens 
pnwärtig 7 die zum Heil Berufenen für 
ht gescheit genug hält, Den zu begreifen, 
sie berufen hat . . ."1. 
und nur so, bietet sich der Schlüssel zu 
terslohs Faust-Roman „Die Fabel von der 
undschaft", der das alte Thema mit er- 
lerischen Passagen ausschmückt. mit iro- 
mrÄ-n 211341.:. 
V 2 
nischen Facetten versieht und durch eine neue 
Deutung wieder das Fundament sichtbar macht, 
auf dem die Legende vom Doktor Fattst ihren 
Ursprung hat: die Theologie 3. 
Zu diesem Roman. der schon vor dem Zweiten 
Weltkrieg projektiert und zu dem einzelne 
Kapitel konzipiert (iütersloh 
1967f68 eine Reihe von Illustrationen gemacht, 
die nun von der Graphischen Sammlung 
Albertina erworben worden sind. 
Hier also besteht die hlöglichkeit, die verschie- 
denen Austirucksxreisen Güterslohs zu einem 
waren, hat 
 
Thema einander gegenüberzustellen. Bei den 
sechs Gouaclten handelt es sich nicht so aus- 
schließlich um Illustrationen zum geschrie- 
benen Wort, wie sie als Federzeichnungen 
oder I.ithos seit der Legende „Kain und Abel" 
19243 immer wieder zu einzelnen Novellen 
und auch zu Passagen aus „Sonne und Mond" 
entstanden sind. Die gemalten „Miniaturengl 
Güterslohs ietloch bildeten bisher stets ihre 
eigene Erzählung. 
7.wei dieser Gouachen bezeichnen Anfang und 
linde des Romanes. „Sie waren recht alt ge- 
worden" beginnt der Text, und die Miniatur 
zeigt Mephisto und Faust als gebrechliche 
Greise und Gegenstand ironischer Reverenz 
ihrer Schüler. Gleichxrertig vor einer sym- 
metrischen Hintergrundskulisse treten die bei- 
den marionettcnartigen Figuren dem Betrachter 
entgegen (Abb. 1). 
V1 irangegangen war eine der gewohnten Feder- 
zeichnungcn desselben Themas, die weitest- 
gehend für die Gouache Vorlage geblieben ist. 
Eine radierte, spätere Fassung beschränkte 
sich auf die wesentlichsten Momente-l. Eine 
andere, noch weiter zurückliegende Feder- 
zeichnung illustrierte einen Passus, der in die 
gedruckte Ausgabe nicht aufgenommen wurde. 
Faust hatte Mephisto auf dessen Erinnern des 
Paktes hohnvoll an die mangelhafte Erfüllung 
am Beispiel eines mißlungenen Fluges hin- 
gewiesen. 
„Sie waren beide uralt" schließt „Die Fabel 
von der Freundschaft". Die entsprechende 
Illustration mit dem verdeutlichenden Titel 
„Faust von seiner (eingefügt) angeblichen 
Mutter entführt zur llölle" bringt eine an- 
schauliche und über den Text hinausgehende 
Darstellung des letzten Weges Fausts, dessen 
weiche Bewegungen einen schon völlig auf- 
gelösten Körper verraten (Abb. 6). 
Dazwischen liegen drei Gouachen, die mar- 
kante Punkte aus der eigentlichen Faust- 
Lirzahlung schildern: Die Begegnung mit dem 
Pudel (Abb. 2), Die Unterzeichnung des 
Paktes (Abb. 3) und das Erwachen des ver- 
jüngten Faust (Abb. 4). 
Eine weitere Darstellung schildert eine Szene, 
die nicht in den gedruckten Text aufgenommen 
wurde. Ursprünglich sollte Mephisto in der 
Gasthausszene durch das Fehlen seines Spiegel- 
bildes als Nicht-Äiensch entlarvt werden. Das 
Erkennen des DochTfcufel-Geblieben-Seins 
wird als menschliches Erschrecken gezeigt 
(iXbb. 5). 
Es spiegelt sich also auch in den Illustrationen 
der lintwicklungsprozeß des Romanes, der so 
sehr komplex verstanden werden will, daß 
die tingierten Protagonisten eines Gespräches 
nicht nur eine lediglich dialogisch gespaltene 
Figur sind, sondern sogar zwischen den Seiten 
30 und 32 auch Rolle und Stichwort wechseln. 
Für einen Text, dem es „um die Anschaulich- 
machung des für gewöhnlich Unanschau- 
liehen" gehti, der also bildhaft arbeitet, 
müßtc die gewohnte Aufgabe einer Illustration 
vorweggenommen sein. So wie Gütersloh 
bildhaft erzählt und erzählerisch malt, müßten 
sich Wiederholungen im anderen Medium 
ergeben. 
Das ist nun zum Teil auch tatsächlich der Fall. 
Die textlich angegebenen Fakten scheinen im 
Bild auf, bereichert durch Details, die die 
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