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Volltext: Alte und Moderne Kunst XV (1970 / Heft 112)

 
 
 
Das Problem Farbe, das sich für Decleva mehr und 
mehr stellte, ist in einem engen Zusammenhang mit 
dem immer deutlicher werdenden Zurückgreifen 
auf Einsichten zu sehen, die sowohl aus der Symbol- 
kunst als auch aus den Absichten der Romantiker 
oder der Farbe als Ausdruckswert hervorstechend 
zur Wirkung bringenden Expressionisten abgeleitet 
werden können. Den dunklen Tonabstufungen gilt 
dabei Declevas Vorliebe, vor allem auch dem 
Schwarz. Odilon Redon nannte es „la lumiere de 
la spiritualite" und „die wichtigste Farbe... 
Schwarz muß man bewundern. Nichts kann es 
zuschanden machen. Es ist dem Auge nicht ge- 
fällig, erweckt nicht die Sinnlichkeit. Es ist ein 
Bote des Geistes, mehr als die schönste Farbe auf 
der Palette oder im Prisma". 
Die häufig sehr kühnen Spannungen und Kon- 
traste, die Decleva aus dem Zusammenspiel von 
hart oder auch reich nuanciert gegeneinander- 
gesetzten Farben im Verein mit mehr und mehr 
determinierten Formen gewinnt, lassen in ihm 
freilich denMalervon heuteerkennemWermitseinen 
Bildern zum erstenmal konfrontiert wird oder deren 
logisches Herauswachsen aus vielen Übungen nicht 
gleich zu übersehen vermag, wird in ihnen das 
Neue unter Umständen nicht gleich erkennen. 
Auch deswegen, weil derartige Malerei derzeit 
schwer das Interesse jener findet, deren Augen ein 
differenziertes Vorgehen und das, was in diesen 
Bildern an peinture steckt, nicht mehr aufnehmen. 
In Wahrheit läßt Declevas Malerei und Graphik die 
Mitte zwischen dem erkennen, was als zeitgenös- 
sisch zu erkennen ist und andererseits auf Wurzeln 
hindeutet, die klar auf weiter zurückreichende 
Zusammenhänge hinweisen. Denn so sehr Decleva 
den Wertkategorien und Normen künstlerischen 
Schaffens in diesem Jahrhundert von Anfang an 
verbunden war, so sehr entfernt er sich in entschei- 
denden Phasen seines künstlerischen Denkens auch 
wieder in Zonen, die als Separatwelt aufzufassen 
aber wohl nur dem einfallen kann, der die Mühe 
scheut. den Beweggründen eines Zeitgenossen 
auch dort nachzugehen, wo sie ihn zunächst 
fremdartig anmuten mögen. 
In seinen letzten Bildern ist Decleva die Synthese 
nicht nur zwischen den alten und stets gleich- 
bleibenden Aufgaben der Malerei mit neuen Ziel- 
setzungen gelungen, er fand auch die Möglichkeit, 
Kontraste zugleich zu fixieren wie aufzulösen, Ver- 
bindungen und ein ineinander der vielfältig zu er- 
fahrenden Figur mit dem sie umgebenden Raum 
sichtbar zu machen, ohne der Mitwirkung einer 
betrachtenden Phantasie einen einengenden Riegel 
vorzuschieben. In gewisser Hinsicht verselbständigt 
sich die Entwicklung der aus Landschafts- und 
Detaileindrücken gewonnenen Erscheinung in 
schweren, rumpfartigen, sich ineinander verschie- 
benden Teilen zur wohlproportionierten Ganzheit, 
die nicht primär den Menschen darzustellen ver- 
sucht, wohl aber einen Einklang von Mensch und 
Natur herstellt, Verbindungsströme aufzeigt, für 
deren Darstellung die Figur als Metapher gewählt 
wird, sichtbares Zeichen des Einverständnisses. 
Marie Deßleva, ..Cucugnaz", 1569. Radierung (Werk- 
KSI. Schiffer 1970 91) 
Maria Decleva, „Oluda ll", 1969. Radierung (Werk-Kai. 83) 
Mario Decleva, „Figuvale Erscheinung", 1969. Radierung 
Aquatima (Werk-Kat. 90)
	        

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