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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 115)

eine neue, umfangreiche, stilkritisch fundierte 
Neumann-Monographie in der Art der in den 
fünfziger Jahren erschienenen Hildebrandt- 
oder Fiseher-von-Erladu-Monographien seit lan- 
gem aussteht und vorläufig auch nicht zu er- 
warten ist. 
Das von Günther Renner im Seinsheim-Archiv 
in Sünching neuentdeckte Konzept eines Briefes 
von Johann Philipp Franz von Sthönborn an 
seinen Bruder Friedrich Carl, das hier an- 
schließend im Wortlaut veröffentlicht wird, 
läßt die Problematik um den Anteil Neumanns 
am Entwurf der Schönbornkapelle erneut her- 
vortreten. Aus ihm geht hervor, daß der Würz- 
burger Fürstbisdiof am 19. März 1721 seinen 
Bruder in Wien bittet, Johann Lucas von Hilde- 
brandt zur Ausarbeitung eines Projektes für die 
Schönbornkapelle zu veranlassen. Dadurch 
wird der Verdacht bestärkt, den der Verfasser 
seinerzeit bei der Rezension der Hildebrandt- 
Monographie von Bruno Grimschitz7 andeu- 
tete, daß nämlich Hildebrandts Würzburger 
Aufenthalt im Oktober 1719 nicht nur für die 
erste Idee eines großzügigen Residenz-Neu- 
baues in Würzburg, sondern auch für die frühe 
Planungsgeschidue der Schönbornkapelle be- 
deutsam war und daß Hildebrandts großer, 
sorgfältig gezeichneter und lavierter Riß, S. E. 
44, der die Kapelle im Grundriß und in einer 
Kombination von halbem Schnitt und halbem 
Fassadenriß zeigt (Abb. 5, 6), als Entwurf der 
ersten Planungsphase der Kapelle zugehört. 
Bisher hat man geglaubt, daß dieses Blatt der 
Sammlung Edtert, das leider zu den Kriegsver- 
lusten des Mainfränkischen Museums zählt, von 
Hildebrandt erst um 1724 auf der Grundlage 
von Neumanns Ausführungsprojekt gezeichnet 
wurde, möglicherweise als Vorlage für eine 
Stichpublikationö. Es liegt nun nahe, den 
Wortlaut des neuentdeckten Briefkonzepts auf 
Hildebrandts Zeichnung zu beziehen, die be- 
kanntlich in fast allen Einzelheiten der Fassa- 
denerscheinung dem ausgeführten Bau ent- 
spricht. War uns in diesem kombinierten Riß, 
der durch seine graphische Qualität bestach 
und der die beachtlichen Maße von H7 X 62 cm 
aufwies, ein bereits im Frühjahr 1721 bei 
Hildebrandt in Auftrag gegebenes Projekt zur 
Schönbornkapelle erhalten, so bedarf unsere 
bisherige Vorstellung von der Planungsgc- 
schichte des Baues, ihrem Ablauf und den sie 
bestimmenden Faktoren einer grundlegenden 
Korrektur. Diese Vorstellung basiert weit- 
gehend auf der seinerzeit richtungweisenden, 
gerade in der archivalischen Auswertung so 
verdienstvollen Baumonographie von Walter 
Boll", die in der methodischen Durchführung 
zunächst logisch und einleuchtend erscheinen 
mag, leider jedoch schon im Ansatz problema- 
tisch bleibt. Bolls Analyse des Planmaterials 
setzt stillschweigend voraus, daß Balthasar 
Neumann als der eindeutig bezeugte Erbauer 
der Schönbornkapelle zugleich auch ihr künst- 
lerischer Sdaöpfer war - wie dies bei dem 
Neumann-Biographen Keller und vor allem in 
der Würzburger lokalhistorischen Literatur zu 
lesen ist"). Boll berücksichtigte nicht, daß der 
auf Neumann und sein Baubüro zurückzufüh- 
rende Entwurfskomplex, S. E. 27 (Abb. 20), 
31, 32, 38 u. 40, anhand dessen er eine folge- 
richtige Planentwicklung zu rekonstruieren ver- 
8 
s Hildebrandt: Schonbornkapellenprtqekt, Atme s. 
o Hildebrandt: Snhdnborxikapellenproiekt. Grundnß
	        

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