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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 115)

ll VJ, iiacii iiceiiuiguiig KALI lllUMllkrll lll JLJJYVM' 
chat, entstehen die Fresken im Speisesaal des 
Stiftes Klosterbruck, von denen nur noch eine 
Beschreibung von 1849 und die erwähnte Öl- 
skizze (Abb. 15) zum dritten Bildfeld eine Vor- 
stellung vermittelna". Hier erblickte man „in 
dem hellen Glanz die göttliche Vorsicht mit 
ihrem alles regierenden Zepter, zu welcher die 
Vollkommenheit, um die Belohnung der ge- 
sammelten Früchten ihre Tugenden zu empfan- 
gen, emporsdiwebt". Ferner treten auf: das 
wahre Evangelium, die wahre Einsicht mit 
segnendem Herzen, die Treue, die Liebe, die 
Stärke, die Andacht - also eine dem Augs- 
burger Bild nahekommende Versammlung von 
Tugenden. 1775176 malt Maulbertsch die „Vor- 
sicht auf ihrem Wolkenthron (bey welchem 
Die Eintracht und Liebe verwunderen sitzen, 
und denen Der Genius des Ruhms den Triumf 
zeigt; weswegen auch Die Belohnung entgegen 
kömmt)" im Hauptfresko des Riesensaals der 
Hofburg zu Innsbruck". Der „Genius des 
Ruhms" fehlt in Augsburg, nicht aber im ge- 
drudtten Programm von Klosterbrudt, desglei- 
chen die „Belohnung". Der Brünner Nachzeitrh- 
nung zufolge gehörte im Klosterbrucker Fresko 
auch eine gewappnete weibliche Figur, wohl 
Minerva, zum Gefolge der Tugenden, die wir 
zwar in Innsbruck neben dem Genius des Ruhms 
antreffen, in Augsburg aber nicht. 
Minerva, Fama und die entmachtete Unwissen- 
heit umgeben schon 1750, auf dem Preisbild des 
jungen Maulbertsch im Wettbewerb der Wie- 
ner Kunstakademie, die Hauptfigur, eine thro- 
nende lichte Frauengestalt mit Krone und Zep- 
ter. Das Gemälde ist zwar verschollen, doch 
dürfte die Grisaille-Skizze der Sammlung Reu- 
schel im Bayerischen Nationalmuseum München 
als Entwurf anzusprechen sein 35. Solche 
Apotheosen der Kunstakademien gehörten seit 
dem 17. Jahrhundert bereits zum festen Re- 
pertoire selbst der deutschen Malerei 36. Für 
Maulbertsch aber bedeuteten sie eine willkom- 
mene Möglichkeit, seiner hohen Meinung über 
die Aufgabe der Kunst Ausdruck zu verleihen. 
Nicht zufällig bildet die sitzende Frauengestalt, 
hier wohl als Allegorie der Akademie anzu- 
sprechen, den Prototypus der „Göttlichen Weis- 
heit" der späteren Werke. Die Akademiebilder 
der nächsten 20 Jahre beweisen, wie eng beide 
Themen für ihn zusammengehörten. 
Auf dem Deckengemälde im Ratssaal des Wie- 
ner Universitätsgebäudes, das Maulbertsch 1759 
als Aufnahmestück für die Mitgliedschaft der 
Kunstakademie geliefert hatte, präsidiert als 
Hauptfigur „die gekrönte Belohnerinn auf 
einem über Stuffen erhobenen Thronew". Die 
Belohnung gehörte aber in den Programmen 
von Klosterbruck 1765 und Innsbrudt 1775176 
zu den Charakteristika und Vorrechten der 
divina providentia, die dort wie in dem Aka- 
demiebild „im Hauptlichte" sitzend dargestellt 
wurde. Auch die „Huldgöttinnen" der ein- 
zelnen Künste und der Akademie wurden auf 
dem Gemälde laut Weinkopfs Beschreibung 
30 
 
„bis an die Sonne geführt", ähnlich den Tugen- 
den in den späten Apotheosen der göttlichen 
Weisheit. 
Eine direkte Verbindung besteht zwischen der 
Grisaille „Allegorie der Kunst" in der Wiener 
Akademiegnlerie, Maulbertsdis Aufnahmestüdt 
für die Kupferstecherakadernie Jakob Schmut- 
zers von 1770 im, und dem Fresko V0n Kloster- 
bruck in Winterhalters Nachzeichnung. Auf 
der Grisaille versucht ein Kind, die „_Iugeud", 
gemeinsam mit dem Neid, die von einem Lehrer 
geführte Kunst daran zu hindern, von der 
„Ausspenderin der Güther" ihre Belohnung 
entgegenzunchmen, während die Faulheit be- 
trunken schlafend am Boden liegt und Fama 
den Ruhm der Freigebigkeit verkündet. ln 
Klosterbruck schüttet die Freigebigkeit ihr Füll- 
horn statt über die Kunst über die Philosophen 
und Wissenschaftler aus, während das junge 
Weib den Willen repräsentiert und vom Ge- 
nius der Vernunft der ewigen Weisheit zuge- 
führt wird, wovon es wiederum ein „dreister 
Knabe" zurückzuhalten trachtet. Die be- 
trunkcne Faulheit, mit Stab und Weinkrug wie 
auf dem Augsburger Bild, erscheint als rohe 
Natur der Tiermenschen in Klosterbruck und 
Strahov wieder. Das Schicksal der Kunst und 
die Erleudutung des Menschengesdalechts sind 
also auswechselbare Vorstellungen: Kunst und 
Kunstakademie dienen gleich Wissenschaften 
und Religion den göttlichen Zielen der ewigen 
Weisheit. 
All diese Werke bestätigen zwar die Vermu- 
tung, daß das Augsburger Bild als Modell des 
zerstörten Bibliotheksfreskos von 1778 in Klo- 
sterbruck anzusprechen sei. Sie zeigen aber auch, 
daß die Unterschiede trotz der engen Bezüge 
zwischen beiden größer und grundsätzlicherer 
Natur sind, als es auf den ersten Blidt erschei- 
nen mag. Das Augsburger Gemälde wäre auch 
ohne Kenntnis des Klosterbrucker Programms 
von 1778 in großen Zügen verständlich, weil 
seine wichtigsten Elemente in Maulbertschs frü- 
herem Schaffen vorgebildet sind und zur ikono- 
IS F. Ä.hl3lllbEfK9d1, Allegorie der iroiiliihtrri Weishei 
(isrrrreidiisdii- Galerie 
ANMFRKUNGEN 31741 
"l lin Zusammenhang mit der Frage nadi Maullierischs 
dem inuß 7 außer auf Franz. Joseph Spiuglct (vgl. 
hart, Zur Geschichte der Barndtmrili-rei am Buden 
Äuixlßllungikälälüg birriar irii brirliriiiriiriilrri-i, 
1'363. s. 20) - iiii MBUllSCHSClIS. iIii-riri Lirrdiriiiiiri 
Espcrlin (m7 lhgüldlrlgßh Odüf Uüßßtnlu bei ßibt 
1775 13.1 t-l?) vbrvrieien werden. st-iii 1753 iliiit-r 
iiglUCHPS Gemälde, AlEXClHdff iiria DHJQUHUS, irri u 
museum Friedrichshafen (Katalog Joseph hspcrlin, 
in der Riil 197:, Nr. 21) eriiiiierr Null illt-r Uiiir 
(O stark an die AlExander-UlugenrS-(Äruppv des Au- 
Bildes (vgl. Typus und Kleidung Alexanders, die G 
iiit dCH Rlidten gtlltgtßn rbairi-ri iiirrii. m! iiria i-iili 
nibgi-iibi, sibhrbiipigrri iirid Krieger rriir 1.11178 BlS i 
dr-ii iidi iiiibiiirrii-rriirii biilrbpiiiirin, 1131i riiiriinirrrii 
mvinsanie Quelle angenommen wi-nlrn darl. Auf den 
der Marii-ngeburt in Sdici-r a. d. flonaii stellt er 1747 
dieselbe Szene der am Herd btidialtigii-n Magd I 
Mniilbcrtsdi 1761 in seinem Frr-sko Christus im Hau 
thns im Kefektotlum des Wiener Piaristi-iiklostcrs ( 
Gatas, a. a. 0., Nr. 113, Ahh. 137). Wit- dicse Zus 
hinge Iu etltlzircn sind, ist vorerst nidii lcittti-llbar. 
Allegorie des von der Vernunlt geführten Willens in 
i-irir. i-rripiirriiiwibt-iiiiir. 1111111011 wi-ibi-r iriiiiirr 
Triumph der Wahrheit aus dem llilili-rzykln iur Ma 
Mi-dii-i (1621-1626) llS Vbrbilrl gi-dii-iii liabr-ri (vgl. 
denbiirg, 1'. P. Rubens, Klassiker der Kunst. Sluttga 
iiii. O. 1., Abb. s. 2s3). 
ß K. GJFRS, i. i. 0., Nr. 110, nbkiirrii-i-ir XXIV, s 
Abb. iin, iis. 
1' K. Girii, i. i. 0., Nr. 176, 177, (Jokiirrirrii xxx 
S. 2477, Abb. 150. 
" K. Garas, a. a. Nr.186. Dokument LXl, S. 254, A 
'" K. Gatas, a. a. , Nr. 17. Abb. 15. 
1' Vgl. Kltlllig Augibklfgrf Bdifüds, Allgäbllfp. was. r 
ssa, Abb. 184, o9. 
" K. ciris, .1. l. 0., Nr. 111, urrkiiirii-rir xx. 
er K. ciris, i. i. 0.. Nr. 240, l)0l(llml.'nl XL, Abb. 2i 
1' K. (15,2. E1. 0.. Nr. 330, Abb. 2x1, 
I" K. (am, l. i. 0., Nr. 315, Abb. ziiz-ziiir. 
H Vgl. n. GJYCIS, i. i, 0., Nr. 19, Abb. m; Nr. 92. i 
Nr. iis, Abb. 122, Nr. 123, Abb. 126; Nr. 124. A1 
Nr. 31a, Abb. 276; Nr. 35H, Abb. 294; Nr. 174, AI 
41 B. Bushart, Gestalter zwisdicn den Tpodien. Die „u 
tun Bilder" des Franz Anton Maiilhi-rtsdi, Bodensee-l 
1940, 5,1l ff. 
ß K. GBIBS, i. i. 0., s. v, 
 
 
 
	        

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