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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 115)

 
r Beriff „Schönheit" ist aus der Terminologie 
' heutigen Kunstkritik verschwunden. Reinheit und 
irheit, Fröhlichkeit und Freiheit, Obiektivität und 
be sind Warte, die man selten bei der Beschrei- 
1g der Werke eines modernen Künstlers gebrau- 
th kann. Sie müssen fehlen in den Äußerungen 
1 Menschen, die die Zerrissenheit, den Zwang, 
s Schreckliche in unserer Gesellschaft schildern 
llen und ihr verhaftet sind. Künstlern und Kriti- 
'n, die nach dem Ausdruck unserer Zeit im Kunst- 
rk suchen, müssen diese Termini altmodisch und 
er weltfremden Gesinnung angehörig erscheinen. 
sind in unserer Gesellschaft verpönt. 
nnoch leben diese Werte in unserem Inneren und 
d heute so darstellungsfähig und würdig wie eh 
i ie in den Werken alter Meister. Sie werden als 
xhrheiten sichtbar für Menschen, die die äußerli- 
en Erscheinungen durchdringen und zu den gülti- 
i Gesetzen verstoßen, die die sichtbare Welt und 
s menschliche Innere verbinden. 
g Schwarzenbergers farbige Reliefs (Abb. 'l u. 3), 
er kürzlich in der Galerie im Griechenbeisl 
"stellte, wachsen zwar äußerlich aus der Stilrich- 
g der Op-Art heraus und sprechen mit ihrer hellen 
:l starken Farbigkeit deutlich unsere Sprache, 
dennoch merkt man bald, daß man ihnen mit einer 
bloßen Einreihung in die Nachfolge van Vasarely 
und seinem Kreis nicht gerecht wird. Ihre geistigen 
Grundlagen liegen in den Strömungen der Kunst, 
die seit ieher in der Klarheit und Einfachheit der 
Proportionen und der Harmonie der lichtdurchdrun- 
genen Farben die Grundgesetze der Welt zu fassen 
suchten. 
Schwarzenberger liebt daher die einfachsten Formen, 
das Quadrat und den Kreis, den Würfel und die 
Kugel. Seine Farben folgen den Gesetzen des Regen- 
bogens, der prismatischen Brechung. Ihre Grundlage 
ist ein strahlendes Weiß, das selbst den dunkelsten 
Blaus noch Leuchtkratt gibt. 
Ohne in pythogoreisch mystische Spekulationen zu 
verfallen, bleibt Schwarzenberger im Bereich des 
Visuellen, wirken seine Werke unmittelbar durch 
Form und Farbe erheiternd, belebend und befreiend. 
Ihre Klarheit und Reinheit strahlt auf die ganze 
Umgebung aus und läßt ihre Schönheit, aber auch 
ihre Hößlichkeit deutlich zum Vorschein kommen. Ne- 
ben Schwarzenbergers Reliefs, Plastiken (Abb. 5) und 
Möbeln (Abb. 6, 7), er liebt den Ausdruck "Formatio- 
nen", können sich formlose, unschöne Dinge nicht be- 
haupten. ln ihrer Verbindung von Malerei und Plastik 
haben sie damit zugleich eine eminent umr 
staltende und damit architektonische WifkL 
verbinden sie die drei Künste zu einer lebt 
Einheit. 
Schworzenberger leidet daran, daß uns der f 
Proportion in den Räumen, in denen wir le 
den Straßen und Bauten, von denen wir tägl 
geben sind, weitgehendst verlorenging. Dieser 
an gemeinsamem Maß zerstört den inneren 
menhong unserer Städte, die bis in das vorig 
hundert hinein z. T. unbewußt, oft aber se 
bewußt davon beherrscht waren. 
Schwarzenbergers Werke leben nicht vom 
sondern von der Durchdachtheit der ihnen zu 
liegenden Idee, nicht von technischer Brillan 
dern durch die möglichst große Einfachheit L 
spruchslosigkeit der angewandten Mittel, nicl- 
den persönlichen Gefühlsausdruck in einer s 
ven Form oder im Pinselstrich, sondern dur 
möglichst weitgehende Obiektivität in der Fo 
eine feine Sensibilität in der Wahl und im . 
der Farben. Ihre volle Wirkung stellt sich 
erst bei längerer Betrachtung ein, bei der mo 
tratz der totalen Abstraktion auch die hohe t 
lichkeit erleben kann, die ihrer Gestalt zu 

	        

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