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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 116)

Maler für das Emmauskloster die Bibel der 
Prager Kapitelbibliothek A 2, A 3 illumi- 
nierte. Es besteht also kein Grund, die Glaub- 
haftigkeit der Berichte des Emmausarchivs zu 
bezweifeln, denen zufolge der Ambitus unter 
Abt Paul I. Ursinus (1348 bis 1362) ausgemalt 
worden ist". Hendersons Bemerkungen über 
die Stilanalogien zwisdien den Emmausmale- 
reien und dem Werk des Meisters des Para- 
ments von Narbonne (um 1380) sind zwar 
richtig, diese Ähnlichkeiten sind jedoch dahin- 
gehend auszulegen, daß der Meister des Para- 
ments durch die böhmische Kunst der Zeit um 
1360 beeinflußt war, worauf M. Meiss, F. Avril 
und der Autor dieser Zeilen schon übereinstim- 
mend hingewiesen haben 23. 
Der Emmauszyklus bekennt sida jedoda zur 
Zeit Karls IV. nicht nur durch seinen Stil, son- 
dern auch durch seinen Inhalt. Freilich wird 
auch dieser heute zum Gegenstand der Diskus- 
sion. An erster Stelle steht die Frage, ob unser 
Zyklus nur das „rein typologische Programm", 
wie R. Hausherr urteilt, verfolgt. Die Rei- 
hung seiner typologischen Gruppen verrät zwar 
einige Berührungspunkte mit dem Werdener 
Altar, dem Petersborough-Psalter und nament- 
lich mit den zeitgenössischen typologischen 
Musterwerken (Biblia pauperum, Speculum hu- 
manae Salvationis u. dgl.), sie stimmt indes- 
sen mit keinem der erhaltenen Beispiele über- 
ein. Im Widersprud1 zum Bildtext sitzt hier 
gegenüber David, der mit dem Königsmantel 
bekleidet ist und die Krone auf dem Haupt 
trägt, während er den Goliath tötet, die ge- 
krönte judith auf einem Thron, Figuren am 
16 
unteren Rand der Szene „Sättigung der Menge" 
sitzen auf Garben, wodurch sie an die voran- 
gehende Szene „Eliseus wedct das Kind der 
Sulamitin, das starb, als es aufs Feld unter die 
Mäher kam", Bezug nehmen. Die „Steinigung 
Christi" findet auf dem Weinberg statt und 
stellt ebenso wie das nachfolgende Bild „Chri- 
stus in der Weinpresse" zugleich auch die Para- 
bel von den „Mietern des Weinberges" dar 
usw. Daraus geht hervor, daß in Emmaus nicht 
der historisd1e Inhalt biblischer Erzählungen 
allein gilt, sondern vor allem ihr verborgener 
symbolischer Sinn. 
Als Ausgangspunkt für diese Auslegung kann 
vielleicht meine Betrachtung über die Behand- 
lung des Lichtes in den Malereien des Emmaus- 
klosters dienen, die W. H. Kruft als „sehr auf- 
schlußreidn" bezeichnet. Im Prinzip handelt es 
sich darum, daß die Maler des Zyklus bei ihrer 
Arbeit den Lichteinfall durch die Fenster des 
Kreuzganges nach der antiken, durch Cennini 
kodifizierten Methode berüdisichtigten, die be- 
reits von Duccio und Giotto angewandt wor- 
den war. „Und Steuermann und Begleiter ist 
dir das Licht der Sonne, das Licht deines Auges 
und deine Hand, weil ohne diese drei Dinge 
nidits Vernünftiges vollbracht werden kannqi 
Der so betonten Bedeutung der Sonne entspre- 
chen die Sujets etlicher Bilder. Im V. Feld wird 
nodi unter der Übermalung die Sonnenman- 
dorla sichtbar, die den Hintergrund der auf die 
Schlange tretenden Madonna bildet. Auf dem 
folgenden Bild steht die Jungfrau mit dem 
Kind vor dem Hintergrund einer riesigen Son- 
nenseheibe mit Strahlen und Flammen u, wäh- 
rend im gegenüberliegenden Flügel des Um- 
ao n" nangm Muster a" Karlsteiner Summbaumzs 
slus mit Aposteln knnnna zu "nnan Gastmahl b" 
(Aussdznilt). Png-Emmaus, um 1:60 
11 n" jüngere Meister n" Karlsleiner Stammbaum: 
dung a" 1-11. Geistes (Aussdmin). Prag-Emmaus, 11 
ANMERKUNGEN 22-23 
l Vgl. 1.. Helmling, Emmaus, lxurzgefaßte Gesduidne, "1 
1901, S. u. - A. vyknnknl, Ernauzy, in: Cesk)" 
nnnnvaany 11, mnnn m7, s. 772 1. - Es ist allerdia 
vorsrellhar. anß d" Ambix vun Emmnus. am b""" 
so lange ohne Ausstattung geblieben wäre. via 1-1" 
urteilt; nn" daß dieser Ambit sogar b" d" feierlidnn 
sterweihe 1372 nidu ausgestattet gewesen wäre! 
" M. Mriss, Frendx Pzinring an (h: Time cf "n d: 
n" Volumc, New York m1, s. 11011., vg. aud! 1 
in: L: Librairie d: Charles v, Paris 1m, Nn 175, s. 
fiiezu x. Slfejskal, vynnvn 1.n Librairie d: Charles 
. 1:. s. so . 
H Vgl. w. Schöne, Über das Lidn an a" Mn1"". 1:"1a 
s. ss. _ nn" da. Bednatung a" Sonne an a" 1n1 
Kunst s. z. 1a. wo. Graphis - Die Sonne - L: 
Zürida, März-April m1. - Die Sonne büßte nnda 
dernu Mn1"" aann Stellung nidn "n, 4"" Epudie 
Mnn" im jahn: 11172 durda das hezeiümend benlnn 
Jmplession _ sßlcil kvznt" eröffnete. Vincent vna 
sagt von Delacroix, nnß a" "n Malzr-Tiun w", 1 
Sonne im K0 f: hnnn, Paul Gauguin 1 x Zu, anß 
Vnrslellung . " rropisdun Sonne, die aäes um "an ir 
man verwandelt", verkörpern wollte usw. 
"Mir a" Emwidxlung diese: Typs an 'hmen behß 
i. cannlkn, xnnannvnnn Assumpu nn nülaneaina in: s 
nndnadnnnaanian 1c. n. Mnaan, Przln 1923, s. so 11. 
1' Vgl. audl: ,Samson, Soli: fortitutlo, Christi figul 
1.. kann, Monographie an rn" dnmann 1111, Pari 
s. m1. 
11 Vgl. 1. Neuwinh, Da. Wzudgemäldc etc. 1. c.. Abb 
x. Stcjskal, Velislai biblia icn, Pragae wo, m. 1 
A. xcnnnnnk, Die Herkunft 5" auronomixdien unnan. 
nna Instrumente a" Nikolaus von m", in: Min: 
und Forsdzungsheiuäge a" cnannnncnanunnann s. 
1963, Abb. z, s. 122. _ Christus-Sonne selbst hzsu 
Himmel an "n" Quadrlg: als Hzlios aan Mosaik a" 
im juliusnMausoleum unter a" Pctcnbasilika. - w. 
Mnnnwnnnn nnaenaanennnn" " byzznrines, Maannn- 
1954, Abb. 1. 
"s. Miododska, onnanvanky bmar, nnnnnnay ennany 
14. smled, in: uanäni ms, s. 1291. (engl. Ren). 
 
	        

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