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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 116)

vantcnuug uca ueuus m um vvciiairaw- 
wie auch im Manuskript Cus 207 (im 
1334 für Karl IV. beendet), wo I-Ielios 
iackel in der Hand hält „propter signum 
.tis divinae" 27. 
ngedeutete Erklärung des Emmauszyklus 
die polnisdae Forscherin B. Miodonska 
rundlage. Sie stellte fest, daß die lkono- 
ie des Opatowitzer Breviers (das in man- 
Hinsicht an die Emmausmalereien an- 
t) aus dem „spätantiken solaren Kult und 
ieoplatonischen Philosophie" schöpftn. 
Nad1klang dieser Weltanschauung be- 
: man im 14. Jahrhundert öfters; so in 
lrzählung des Speculum vom goldenen 
, der Maria darstellt, „die der Sonne, d. i. 
vahren Gotte, geopfert ist", oder in einer 
lung der Gesta Romanorum, der Anek- 
von Diogenes, der Alexander aufforderte, 
2m Licht der Sonne wegzutreten, was be- 
:, daß „zwisdien uns und der Sonne, d. i. 
Christi, nichts stehen solle" 2'. 
. Kruft und G. I-Ienderson verweisen auf 
Bemerkungen über die Ähnlichkeit der 
nten Ode Echnatons an die Sonne mit 
annenapotheose aus der Feder Karls IV. 
nuß ich allerdings meine Auslegung etwas 
tigen: Es geht bei Karl IV. nicht um eine 
ieose der Sonne, sondern um eine Reihe 
rtellen, in denen der Kaiser von Gott als 
vahren Sonne" spricht, von „Gottheit der 
", von der Dreifaltigkeit als „Quelle 
;er Wärme, wie die Sonne Quelle des 
s und der körperlid1en Wärme ist", von 
mne, die „alles in die Erde keimen läßt" 
aller Schöpfung Leben und Geist teilt"3". 
Bischof von Cäsarea, Eusebius, verglich 
antin den Großen mit Christus, der 
, die er auf Erden vertritt. Auch Karl IV., 
„zweite Konstantin", wurde „Caesar 
ator Elianus" (sonnenhaft), "Christus do- 
de hoc saeculo" (Christus Herr dieser 
i" und dergleichen genannt. 
eitgenössistrhen böhmischen Chroniken zu- 
ließ Karl die Dädier der Prager Burg 
lden, um weit in das Land zu zeigen, 
die Sonne von diesen goldenen Blechen 
gespiegelt wird und einen großen Blitz 
aus demselben Grunde ließ er aud1 die 
ßr des Emmausklosters durch glasierte 
iegel dedten. Er wurde vielleicht hiezu 
ler Prophezeiung der Fürstin Libussa in 
rils Chronik inspiriert, die auch in alt- 
her Übersetzung vorliegt: „Ich weys ein 
lie wirt namhaftig in aller werlt, wen glei- 
weys, als die sunne alle werlt über- 
t..." 
Weissagung läßt uns etliche Besonderhei- 
es Bildes der sybillischen Orakel im VI. 
des Emmausambitus besser verstehen. Die 
a, junge Prophetin, mit der Krone auf 
i-Iaupt und dem Szepter in der Hand, auf 
Thron sitzend und von drei I-Iofdamen 
tet, bildet hier das weibliche Gegenüber 
hronenden Kaiser Augustus. In Böhmen 
Jmuuxuauouss atrgr rrreacr 
SL-Veits-Dornes), stimmt mit der Dichtung 
„Weissagung der Sybilla Libussa" vom Beginn 
der Regierung Karls überein. Der päpstliche 
Legat Bischof Giovanni Marignolli führt in sei- 
ner Böhmischen Chronik diese Weissagung als 
Parallele der Weissagung der Tiburtinischen 
Sybille an: „Surculus est illa, de qua Lubussa 
Sibylla f Sagax prophetavit, hoc presagium- 
que beavit l Elisabeth proles generabit, qui 
quasi soles f Undique lucebunt et plurima 
regna tenebunt"i". 
Elisabeth ist die Mutter Karls IV. (Ähnlich hat 
in der Gestalt des sonnenbekleideten Weibes 
von Karlstein V. Dvofakova ein typologi- 
sdxes Porträt Annas von Schweidnitz, der drit- 
ten Gemahlin Karls, erkannt.) Bereits Stodt- 
hausen warf die Frage auf, 0b die Gestalt, die 
im IV. Feld des Umganges von Emmaus von 
Gott in das Paradies geführt wird, nicht 
Karl IV. darstellen könnte. Wir wissen tat- 
sächlich, daß Johann von Neumarkt Karl IV. 
einen Brief mit einem Bild sandte, auf dem der 
Kaiser „ins himmlische Königreich" geführt 
werden sollteaä. Nach der letzten Restaurierung 
der Malereien kommt auch klar zum Vorschein, 
daß der im XVI. Feld des Umganges gemalte 
Elias ein Kryptoporträt Karls IV. ist, der aud-i 
aElias" genannt und mit alttestamentarischen 
Propheten öfters verglichen wurde". 
Elias war, wie bekannt, Patron des Wetters und 
der Ernte. Darum kommt ihm im Emmaus- 
zyklus eine bedeutende Rolle zu, da hier nicht 
nur die Sonne und das Sonnenlicht, sondern 
auch deren Gaben, Brot, Wein und Öl, darge- 
stellt sind. Man sieht die Gestalten des Zyklus 
auch öfters essen oder trinken. Schon Neuwirth 
bemerkte, das sei hier festgehalten, „das in 
Saat und Ernte eines jeden Jahres sich gewisser- 
maßen erneuernde Wunder der Brotvermeh- 
rung". In diesem Sinne stimmt das Programm 
des Zyklus rnit den Worten des karolinischen 
Krönungsordos überein: „gibt ihm (dem böh- 
mischen König) himmlisdien Tau und aus dem 
Fett der Erde schweres Getreide, Wein und Öl 
und eine Fülle aller Früchte . . T". 
acrrrpcr uauxnunnnr. rar... 
Letzten Endes können wir es auch nicht für 
einen Zufall halten, daß dieses Programm im 
Emmauskloster der Slawen zur Durchführung 
kam. Schon in alten kirchenslawisdien Schriften 
werden Strahlen, Licht und Wärme der Sonne 
als Bild für die göttliche Dreieinigkeit gebraucht. 
Bald kommt auch in der tschechischen Litera- 
tur des Mittelalters die Vorstellung auf, die 
zuletzt Giovanni Marignolli zum Ausdruck 
bringt: „Slaui . . . quasi solares vel luminosi, vel 
magis gloriosi, cuius pars est Bohemia..." 
„Fuerunt autem primi Boemi genere Slaui, 
quasi Elisani. Elysa enim Solaris dictur. Unde 
Eliopolis civitas solis in Isaiaßß." „Civitas 
solis", Sonnenstaat, stellt das utopische Bild der 
gerechten Gemeinde im „Goldenen Zeitalter" 
dar, das mit der Regierung Karls IV. anbre- 
chen solltesß. Die Malereien von Emmaus sind 
ein Ausdruck dieser Utopie. 
12 Der jrrrrgarr Meister des Karlsteiner srarrrrrrbarrrrrrr. sarrra- 
ntenn arrr Brunnen (Aussd-initt). Prag-Emmaus 
ANMERKUNGEN 29-29 
e Tsdiechisdie Übersetzung der Sdirift Speculurn irrrrrrarrar sa1- 
vationis in der Krummauer Sammelsdirift des National- 
museums in Prag 111, 1a 10, m. 6v. _ H. Oesterly, Gesta 
Romanorum, Berlin 1x72, s. m. - Römische Gesd-iid-iten 
tsdtedxisda: Prnrary Rimske. ed. r. Simek, Prag m7, s. 42 r. 
"J. Emler, Spxsove cisaie Karla IV., Praha 1373. S. 126. - 
Cteni o Karlu 1v. a ieho dobä (z prarrrrrra). 12a. r. i-trr- 
rrrarrriry und z. Fiala, Prag 1958, s. nr. _ Auch der Kult 
des ägyptischen Sonnengottes Ammon war irn mittelalter- 
udrrrr Böhmen wohl bekannt, vgl. arg Erzählung von Am- 
mons Brunnen, dessen Wasser nadt der Stellung der Sonne 
ihre Wärme Ändert, in der alttsched-iisthen Alexandteis 
(Alexandreida, ed. v. vaarry, r. srrrjirarrriry, Prag was, 
s. 100). Vom Gott Ammon rrrr audI das Kapitel ..Ägypti- 
rargmarirrrrrra- rrrr Speculum humanae salvationis Erwähnung. 
"v. Flajihans, Klare: a jeho druiina, 1, Prag 192a, s. m; 
vgl. aud1 Fonres retum bohemicarum 11, s. 432 f. 
P v 1. Fontes rerurn bohemicarum 1v, s. so. 4 v. Häjek z 
Li rraarr, Kronyka Ceska, Prag 1541, fol. CCCXXXXIIlIv. 
_ J. r. Hammerschmid, Prodrornus Glonae Pragarrar 172a, 
s. 319. _ Neistaril öesltä ryrrrrrrarra kronika, ra. s. Havra- 
nek und J. Danhelka, Prag m7, s. z7. _ Fontes rerum 
bohemicarum 111, s. 259. 
ß 1c. Chytil, Antikrist v rrarrirarir a rrrrrirrr stfedoväku a husit- 
ske antithese, Prag 1911:, s. es rr. - 14. Stejskal, Narrrrrrre 
malby klaitera Na Slovanech v Praze-Emauzidi z hlediska 
etnogtaficlteho, 1. c. s. 129ff. (dort gehöriger Quellennadr- 
weis). 
"Fanres rerum bohemicatum 11, s. s7e. 
ß H. A. Stodthausen, 1. c. s. 609 r. _ K. Burdadi - P. Prrrr, 
Vom Mittelalter zur Reformation v111, Berlin m7, No sz, 
s. srr. 
"Fontes rerum bohemicarum 111, s. m. 4 A. Kraus, 1. c. 
S. UZ. 
I1  Neuwirth, o1. Wandgemälde etc.. 1. c. s. ss. _ J. Emler, 
.c. s. sz und ss. _ J. Cibulka, craky m1 irrrrrrrrrrvaarrr a 
iehu piivocl, Prag 1937, S. 82 und 86. 
" Fontes rerum bohemiearum II, S. 521, 523. 
"R. Chadraba, Michelangelo und die Utopie. in: Michelan- 
gelo heute, Berlin 1965, S. 111 f. 
17
	        

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