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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 116)

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zu erreichen. Auch für andere Radierungen 
Maulpertschs kennen wir vorbereitende Gri- 
saillen, deren Funktion sehr oft in dieser Ridi- 
tung zu suchen ist, wenn auch beides - Grisaille 
und Radierung - schließlich seinen weiteren 
Niederschlag in größeren Gemälden findet '. 
Der vorliegende Vergleich hilft uns audi, die 
Kenntnis der Frühzeit des jungen Künstlers 
zeitlich besser zu schließen. Wir wissen, daß der 
aus Schwaben gebürtige Maler sich vorerst nur 
vorübergehend in Wien aufgehalten hat, wo 
er zwischen 1739 und 1745 an der Akademie 
in der Anfängerklasse der Seholizren studierte 1". 
1745 schließt die Akademie wegen Raumschwie- 
rigkeiten, und Maulpertsch heiratet in Wien. 
Bis zu seiner zweiten Wiener Studienperiode 
klafft nun in der Forschung eine Lücke von 
vier Jahren. 
Man könnte durchaus annehmen, daß der 
Künstler - seiner weiteren Chancen in Wien 
noch ungewiß - in dieser Periode des Wartens 
und der Existenzsuche vorübergehend auch die 
alten Verbindungen und die Chancen in seiner 
süddeutschen Heimat geprüft und - wenigstens 
zeitweilig - genützt hat. Dies beweisen uns 
ja nidwt nur eine Reihe von Arbeiten, wie bei- 
spielsweise die Altarblätter der hl. Walpurga 
x rruii-i IHHOH Maulpcrtxdi, da. Äkidtmit rriir iiiruri Attri- 
buten zu Fußcn lüinervcns. Grisaille, 1750, 26x 31 cm. 
Sämmlllllg W.Rcusd1:l, Muridirri, Bayerisches National- 
ruuirurir 
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mit Heiligen in Eichstätt und Ulm. Auffallende 
stilistische Übereinstimmungen mit dern kur- 
mainzischen Hofmaler Giuseppe Appiani 1', der 
in Franken und am Bodensee tätig war, sind 
bisher noch nicht erforscht. (Untersuchungen in 
dieser Richtung könnten vielleicht manche Fra- 
gen - wie den auffallenden Auftrag für das 
Altmünsterkloster in Mainz - erklären helfen.) 
Die Grisaille nach Carlones Ludwigsburger 
Altarblatt scheint uns somit ein weiteres wichti- 
ges Indiz für diese sdiwäbisch-süddeutsdie Früh- 
zeit zwischen den Studiengängen an der Wiener 
Akademie zu sein. Sie zeigt die intensive Be- 
schäftigung Maulpertschs mit Carlone, der da- 
mals - schon seit Jahrzehnten nicht mehr in 
Wien - einen Höhepunkt seiner glanzvollen 
Karriere als Freskant der deutschen Fürsten- 
höfe erlebte. Die immer wieder festgestellte 
Ähnlichkeit in Frühwerken Maulpertsdis findet 
damit eine konkrete Begründung. 
Andere Beispiele dieser Komposition - wie 
ein Exemplar der Bremer Kunsthalle (von B. 
Bushart versuchsweise dem J. I. Wegscheider 
gegeben) 12 -- sind von Carlone ebensoweit wie 
von Maulpertsch entfernte Wirkungen des in 
dieser Zeit berühmten Ludwigsburger Altar- 
blattes. 
 
s Detail, Haupt CilfiSti illS Carlones Mudellskizz: 
e Detail, Haupt Christi au! Mälllpärßdl GHSLHllE 
r Detail, Haupt ciirirri aus Maulpertsdis Radierung 
Als letzte Anregung, die uns diese Gedz 
gänge geben, möge schließlich der Einbl 
die Arbeit des Künstlers, das Ringen ur 
Komposition, aufgezeigt werden: Zwischei 
und 1750 nimmt der junge Maler die Inv 
eines anderen als Skizze auf Papier mit, 
schon seine eigene künstlerische Spracl 
brauchend. 1763 variiert er den Vorwur 
mals in einem Gemälde für die Pfarrkir 
Orlat". Jahrzehnte später - 1785 - 
er den in seiner Inventionssamrnlung arcl 
ten Vorwurf neu auf, anscheinend an 
eines konkreten Auftrages - des Refekto 
bildes für Klosterbruds 14. Schrittweise 
er sich vorerst durch eine Radierung vor 
lone, bis schließlich eine neue, breitfori 
Komposition der Kommunion der Aposti 
steht. 
So führte die Korrektur eines Fehlers ' 
zu neuen Erkenntnissen. Dieser Beitrag i 
kritische Redaktion von Tatsachen, di 
durch vorhergehende Leistungen ander 
möglicht wurde. Ein Fund durch Bruno B 
hat die grundsätzliche erste Beurteilung 
Frau Klara Garas bestätigt. Am Enc 
Redaktionsarbeit sei daher beiden Foi 
der Dank des Verfassers ausgesprochen. 
ANMERKUNGEN 9-14 
'Wie die Grisaillen für dir iudirruriir Der oudriru 
irri Gßfmönlidllfl Nationillmnscum Nürnberg und 
Staatsgalerie Stuttgart. Eine izudii-riirir von 5. Crc 
iruuiprrrrdr (Klara Garni, 1.1.0., Fig. 16) Sdltlll 
Sammenhang zu Sißilvll ruir der Grisaillc Triumph d 
iri der Silmmiung Rossadit-r. (ViSiOXICH des um. 
Nr. es.) Dies: dort irrig als Äriwl! i. M. Sdlmldlä 
Skizze Sdlüinl Ebenfalls ciiie Arbeit Maulpertsdis 
Farbauftrag, Figurentypcn iirid Vcrfremdun rri weig- 
Spätstil, die Komposition bildet das Mittel cld VOn 
Radierung 113d} Miulptfrtidi. - eirir WEIICIC, i!!! K]. 
(a.a.O., Fig.7) abgebildete Radierung iiudi M: 
zeigt die rtiiirii-iruriipri der Apüitll irri Querforr 
künstlerisdi schwache Bill! setzt die hodaformatige r 
V01] ms voraus urid gibt iri der KDmpOSiliOn das 
riuiiirbiid V01] Klcsterbrudt WlCdCf. (Klara Garas. 
Nr. 180-182.) . 
1' Klara Gafai, a. a. 0., s. 1 n. 
"BCSDHÖQYS eindrudtsvoll ist der Vergleich iiuri Appi 
in sdiiriii Seehof bei Bamberg gtädlafffllßm Dedtcnf 
Maul Ertidß iiur Wenig später entSllndßnüm um 
sdiipg Kifdßlßlitrl. ilirurt-rirypi-ri, Bewegungen uiid 
SlliDn zeigen 0171011 Uarocdiettn als ironischen Nadik 
ninlS, der auch dem gleidfztltig iri Sechof tätigen 
Ferdinand Dietz Clgiflltümildl 15K. Eine sriiuiriiirir, d 
falls dem Wiener ÄmblCHlC entSpringEn kann. Der 
möchte auf diese Frage iri einem gCSDndHWn iari 
weisen. 
1' Bamrk am BodenseelMaIerei, Aussrellungskzitalog, 
196}, S. 69. Nr. 1513. 
" Klara Gans. a, a. 0., S. 210. Nr. 154. Abb. 161. 
" Klara Garas, 1.1.0., Nr. 180-181.
	        

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