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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 116)

Wilhelm Mrazek 
MYTHEN UND BILDER - 
HANS FRONIUS 
MYTHOGRAPHIA 
In weltgeschichtlichen Umbruchszeiten, wa Über- 
kommenes und Erstarrtes der Zerstörung und Auf- 
lösung anheimföllt und wo das Neue und Zukünftige 
noch nicht manifest geworden ist, in solchen Über- 
gangszeiten, wo das Alte nicht mehr genügt und 
das Neue nach nicht gültig ist, entzünden sich Inspi- 
ration und Imagination der Künstler oft an dem, 
was am Beginn der abendländischen Entwicklung 
seine ersten künstlerischen Umrisse erhielt: an den 
mythischen Urbildern der alten Griechen. 
Die Hinwendung zu diesem für die gesamte euro- 
päische Kunst gemeinsamen Mutterboden des 
Mythischen und Numinosen, deren Wirkung vom 
faszinosum und tremendum bestimmt wird, hat sich 
im Laufe der abendländischen Geistesgeschichte 
oftmals wiederholt. Alle sogenannten Renaissancen 
nahmen von hier ihren Ausgang und die mythischen 
Gestalten, die Götter, Helden und Dämonen, waren 
tür die redenden und bildenden Künste von gleicher 
Bedeutung. Hier war der allen Künsten gemein- 
same Urgrund gefunden, „aus allem eines und aus 
"t Hans Fronius, „Mythographid - Ausschnitt aus dem 
Bl. Oedipus 
einem alles" (Heraklit), hier waren Wort und Bilc 
noch iene Einheit, die für den Maler und für der 
Poeten gleicherweise gültig sein konnte, von hiei 
aus ließ sich das „ut poesis pictura", wie die 
Malerei so die Poesie und umgekehrt, realisieren 
d. h. die Identität und Übereinstimmung aller 
künstlerischen Schaffens darstellen. 
Diese Wiederkehr der Antike hat sich, zuletz 
wohl im Zusammenhang mit dem apokalyptischer 
Geschehen und der existentiellen Bedrohung un 
serer Gegenwart, wiederholt. Waren es zuers 
die Tietenpsychologen, dann die Dichter und Drama 
tiker, die in den Mythen ewiggültige Bilder unc 
urbildhafte Vorwürfe für ihre Schöpfungen sahen 
so hat in iüngster Zeit auch der Maler und Graphi 
ker Hans Fronius sich diesem Bereich zugewand 
und ihn zum Thema seiner künstlerischen Gestaltung 
genommen. 
Hans Franius, auf dem Höhepunkt seiner künst 
lerischen Entwicklung, hat nun Lithographien ge 
schaffen, die unter dem bezeichnenden Titel „My 
2 Hans Fronius, „My9hugra1phic" 
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- Cheiron 

	        

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