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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 116)

 
dazu das Glück, hierfür begabt zu sein (nicht ieder 
lernt singen oder bringt es auch bei redlichem 
Bemühen dabei nur auf eine bescheidene Stimme), 
sa kann man sich zusätzlich auch noch Werte 
schaffen, wobei ieder sein Lehrgeld zu bezahlen 
hat. Wer Risiko und Verzicht auf andere schöne 
Dinge des Lebens scheut, möge lieber die Finger 
vom Sammeln lassen. Selbst der Einkauf eines 
Schiele-Blattes garantiert nicht einen bleibenden 
Wert, var allem nicht den Wert (Preis), den man 
dafür angelegt hat, oder gar eine Wertsteigerung. 
Und auch sogenannte „Geheimtips" können sich 
(kaufmännisch gesehen) als Nieten erweisen. Allein 
die Beschäftigung mit den schönen Künsten (ohne 
Spekulationsgedanken) bereitet ständige Freude, 
bereichert innerlich, bildet weiter und schafft eine 
willkommene Auflockerung und Unterbrechung in 
Arbeit und Alltag. Da der Sinn einer Sammlung 
eigentlich nicht darin besteht, „im Verborgenen zu 
blühen" und nur den Intentionen eines Eigenbrötlers 
voll und ganz gerecht zu werden, um sie vor den 
Blicken der Außenwelt zu hüten und zu schützen, 
könnte es iedem Sammler, der wirklich etwas zu 
bieten hat (nicht dilettantisches Zeug, das wohl den 
Besitzer erfreuen aber die Uffentlichkeit keineswegs 
zu bereichern vermag), nur recht sein, würde durch 
eine Ausstellung auch allen Kunstsinnigen die Mög- 
lichkeit geboten, sich an Beispielen der Kunst unserer 
Zeit zu orientieren, den Blick zu schulen und 
Anregungen zu empfangen. Es war daher nur richtig, 
daß ein Teil der Sammlung im stimmungsvollen 
Rahmen während der Bregenzer Festwachen (einzig 
aus Privatinitiative hervorgegangen und von keiner 
offiziellen Stelle unterstützt) gezeigt wurde. Ein für 
österreichische Verhältnisse geradezu verschwende- 
risch ausgestatteter Katalog mit einer Einführung 
über das Sammeln an sich, mit einem geistreichen 
und brillanten Vorwort von Reinhard Müller-Mehlis, 
mit sorgf"ltig bearbeiteten Künstlerbiographien und 
dazugehöriger wesentlicher Literatur, auf den letzten 
Stand gebracht, sowie vor allem mit 54 herrlichen 
Tafeln, begleitete die Ausstellung, die nicht nur 
durch den zahlreichen Besuch, sondern auch durch 
die Werbung der Massenmedien einhellig zu einem 
nicht zu übersehenden Erfolg wurde. Eine Wieder- 
holung dieser Ausstellung in gleicher oder anderer 
Zusammensetzung aus dem reichen Bestand der 
Sammlung an anderen Orten wäre zu wünschen, 
wobei allerdings deutsche und Schweizer Kunst- 
stötten diesbezüglich schon reges Interesse bekun- 
deten, was aber gerade von österreichischen Museen 
und Kunsttempeln nicht behauptet werden kann. 
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