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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 116)

reichischen Kunstindustrie. Für die großen Bauvor- 
haben der Ringstraße und die aus einem neuen 
Wohlstand resultierende großbürgertiche WohnkuI- 
tur waren diese Kunstbronzen ein wesentlicher Be- 
standteil der Baudekoration und lnterieurgestaltung. 
Es war Rudolf von Eitelberger, der Direktor des 
Museums für Kunst und Industrie, der bald nach 
den Erfolgen auf der Weltausstellung im Jahre 
1873 eine Wiener Bronzegesellschaft gründete. 
Diese bedeutende Gesellschaft wurde im Jahre 
1885 zum Wiener Kunstgewerbeverein mit dem Sitz 
am Österreichischen Museum umgewandelt. Da- 
mals richtete man eine Ziselierschule sowie eine 
chemisch-technische Versuchsanstalt an der Kunst- 
gewerbeschule ein, die sich mit der Veredlung und 
den Patinierungsverfahren für Bronze und Metall- 
orbeiten befassen sollte. 
Alle diese Maßnahmen dienten dazu, daß aus den 
metallverarbeitenden Betrieben und Werkstätten 
Arbeiten hervorgingen, die von einer seltenen 
Perfektion und Beherrschung aller Techniken zeug- 
ten. Um 1398 erreichte dieser kunstindustrielle und 
kunstgewerbliche Zweig mit mehr als 230 Fabriken 
und Werkstätten in Wien sowie einer Jahrespre- 
duktion von 1,5 Millionen Gulden einen einmaligen 
Höhepunkt. ln diesem Jahr gründete der 26iährige 
Ziseleur und Gürtlermeister Carl Hagenauer, der 
bei der renommierten Wiener Firma Würbel und 
Czokally gelernt hatte, die „Werkstätte Hagen- 
auer". Ausgerüstet mit allen Kenntnissen zur Be- 
arbeitung von edlen und unedlen Metallen, schloß 
er sich bald den vom Museum und seiner Schule 
ausgehenden zeitgenössischen Tendenzen des Ju- 
gendstils an und wurde so von Anfang an ein Ver- 
treter der Moderne im Rahmen der Wiener Metall- 
warenerzeugung. 
Sein ältester Sohn Karl, geboren 1898, besuchte 
die Wiener Kunstgewerbeschule und studierte unter 
Josef Hoffmann und Oskar Strnad. Als er 1919 in 
die Werkstätte seines Vaters eintrat, stand er ganz 
im Banne der von Hoffmann und der Wiener 
Werkstätte geprägten Stiltendenzen, die radikal den 
Jugendstil der Vätergeneration ablehnten und allein 
die den zwanziger Jahren zeitgemäße Formen- 
sprache finden wollten. In diesen Jahren wurde die 
Firma zu einem Hauptvertreter des Wiener Kunst- 
gewerbes, deren Produktion ietzt nicht nur die Me- 
tallverarbeitung allein, sondern auch Gebrauchs- 
und Einrichtungsgegenstände aus den verschieden- 
sten Materialien umfaßte. Dieser erweiterte Auf- 
gabenbereich wurde durch die Mitarbeit des Archi- 
tekten Julius Jirasek ermöglicht, der bei Oskar 
Strnad an der Kunstgewerbeschule studiert hatte 
und 1930 in die Werkstätte Hagenauer eingetreten 
war. Beide, Karl Hagenauer und Julius Jirasek, 
wurden zu Vorkämpfern iener ab 1928 sich immer 
mehr durchsetzenden Bestrebungen einer neuen 
Sachlichkeit für alle Gebiete des Kunstgewerbes. 
Ihnen schloß sich der im Jahre 1906 geborene 
Franz Hagenauer an, der an der Kunstgewerbe- 
schule den Jugendkurs Franz Ciczeks und die Bild- 
hauerklasse von Anton Hanak absolviert hatte. 
Einige Arbeiten in Kupfer und Bronze zeigen ihn 
als einen der wenigen Metallplastiker, die in den 
dreißiger Jahren von sich reden machten. In der 
Folge und bis zur Gegenwart entstanden daneben 
aber auch viele Entwürfe und Modelle für Ge- 
brauchsgeräte in Metall und Holz. Seit 1962 leitet 
Franz Hagenauer eine Meisterklasse für freies 
Gestalten in Metall an der Hochschule für ange- 
wandte Kunst und gibt seine reichen Erfahrungen im 
freien und angewandten Gestalten lehrend an 
seine Schüler weiter. Wilhelm Mrazek 
1 Exquisit 1958, Prof. Claus Josef Riedel. „Schönstes Glas 
der Welt", 1959. Carning Museum New York 
Sinusvase, 1968. Prof. Claus Josef Riedel und Rudolf 
Truwäger 
Colombo 1969. Ardi. Jae Colombo 
Beschläge von Carl Hagenauer, 1900. Messing 
Abstelltisch van Julius Jirasek, 1937. Kirschholl mit 
Geflecht 
Kaffeeservice van Karl Hagenauer, ca. 1926. Chinasilbar 
Kopf van Franz Hagenauer, 1936. Alpaku, getrieben 
Torso von Franz Hagenauer, 193a. Kupfer, getrieben 
tknokfku- und Kaffeekanne von Karl Hagenauer, 1936. 
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