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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 116)

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Aus der Kunstwelt Aktuelles 
 
Galerie Würthle - 
Oswald Oberhuber, 
Peter Kubovsky. Franz Grabmayr 
Ohne Experimente und damit auch 
ohne extreme Kunstmoden und Kunst- 
richtungen findet bereits seit längerem 
das Ausstellungsprogramrn der Gale- 
rie Würthle sein Auslangen. DaB 
diese Form seriöser Kundenberatung 
ihre Vorteile besitzt, liegt auf der 
Hand. Dennoch sollte man aus der 
nunmehr eingenommenen Haltung 
keine Regel ableiten und sich mitunter 
an die eigenen Anfänge zurückerin- 
nern, die gerade bei dieser Galerie 
in einer ehemals wesentlich größe- 
ren und letztlich auch gewinnbringen- 
deren Risikobereitschaft lagen. 
Als besonders aufschlußreiche Ergän- 
zung zu den im Museum des Z0. 
Jahrhunderts ausgestellten informellen 
Frühwerken Oswald Oberhubers (Ul- 
bilder und Plastiken, über die wir im 
Rahmen der Rezension der Ausstellung 
„Die Anfänge des lnformel in Öster- 
reich" bereits in unserer letzten Num- 
mer berichteten) zeigte Würthle bis 
13. Februar 1971 gleichfalls frühe, ie- 
doch vorwiegend figurative Werke des 
progressiv-eigenwilligen Künstlers, 
Ausstellungsgestalters und Kunsttheo- 
retikers. Der genaue Titel dieser Per- 
sonale lautete „Oberhuber mit Figu- 
ren. Zeichnungen 1949 bis 19 ". 
In der Vielzahl und Vielgestalt des 
Gezeigten erwies sich das retrospek- 
tive Spektrum als Fundgrube für den 
Historiker, der in diesen Arbeiten 
nicht nur Parallelen zur damaligen 
internationalen Entwicklung in der bil- 
denden Kunst feststellen, sondern auch 
ganz und gar eigenständige Formu- 
lierungen entdecken kannte, die nicht 
zuletzt als Vorwegnahme mancher 
erst später zum Durchbruch gelangter 
künstlerischer Bestrebungen Bedeutung 
besitzen. Den stärksten Eindruck hin- 
terließen unter diesem Gesichtspunkt 
Oberhubers oftmals in zyklischer Ab- 
folge entstandenen Kohlezeichnungen, 
die in einigen Beispielen noch auf 
den klassischen Surrealismus verwei- 
sen, andererseits aber auch schon die 
Basis für Oberhubers einer neuen 
Gegenständlichkeit verpflichtetes 
(Iuvre der Jahre 1965 bis 1968 bilde- 
ten. Besonders hervorzuheben wören 
mehrere figurative Zeichnungen, die in 
wesentlichen Bildpartien mit Tenden- 
zen einer beinahe schon stilisierten 
abstrakten Signalhaftigkeit bekannt- 
machen, wie sie in dem beziehungs- 
reichen Werk des erst vor wenigen 
Monaten verstorbenen deutschen Ma- 
lers und Plostikers Peter Brüning in 
voller Breite und zeitgemäßer Bezugs- 
Vielfalt Platz griff. 
Erfolgreich verlief audi die Ausstel- 
lung des Linzers Peter Kubovsky, 
durch die das beträchtliche CEuvre 
dieses sensiblen und zugleich tempe- 
ramentvollen Landschafts- und Archi- 
tekturzeichners berechtigte Aufwer- 
tung erfuhr. 
Erfreulich die qualitativ hervorragende 
Auswahl der 40 Federzeichnungen des 
neuerdings auch mit einer Lithogra- 
phie in der Edition Schroll vertrete- 
nen Künstlers. 
Kubovskys unverwechselbare Eigen- 
art, eine Landschaft oder Stadtarchi- 
46 
tektur in graphisch spannungsgela- 
dene Strichgefüge umzusetzen, ist im 
wesentlichen dieselbe geblieben. Sie 
wurde vom Verfasser dieser Zeilen 
wiederholt charakterisiert, bewertet, 
und auf Grund bester Blätter den 
Leistungen eines Kurt Absolon oder 
Viktor Hradil in etwa verglichen. Die 
neuen Zeichnungen des Linzers un- 
terscheiden sich noch am ehesten da- 
durch von früheren, daß in ihnen die 
autonomen Mittel und Möglichkeiten 
des reinen Schwarzweiß nach über- 
zeugender zur Geltung gebracht wer- 
den. Dazu gehört einerseits die Ver- 
deutlichung der Komposition im Sinne 
stärkerer graphischer Konzentration 
auf bestimmte Fixpunkte und Bild- 
partien sowie ein noch bewußteres, 
raffinierteres Einbeziehen des weißen 
Papiers. Dieses wirkt zwischen den 
graphischen Linien und Schraffen im 
Sinne eines lebendigen Miteinander 
und verleiht den Blättern iene span- 
nungsreiche Leichtigkeit und Trans- 
parenz, die im Betrachter echte Emp- 
findungen und nicht nur Reflexionen 
über formale Qualitäten auslöst. 
Kubovsky besitzt eine außerordentlich 
geschulte und selektive Sensibilität. 
Sie vereint Rhythmus und Eigenart 
einer ausgeprägten Handschrift mit 
der Fähigkeit, Motive auf ihre gra- 
phischen Wertigkeiten und Gestal- 
tungsmöglichkeiten hin zu überprü- 
fen und auszuwählen. Daß er, ab- 
gesehen davon, auch die Atmosphäre 
einer Stadt, eines Stadtbezirkes oder 
Londstriches einzufangen vermag (im 
Konkreten handelte es sich diesmal 
um die Prager Altstadt, Venedig und 
Aspekte des Linzer lndustriegeländes) 
und ohne Konzessionen an Überstei- 
gerungen und Klischeevorstellungen 
wiedergibt, ist ein nicht unbedeuten- 
des weiteres Plus. 
Zur selben Zeit wie Kubovsky präsen- 
tierte auch der Kärntner Maler Franz 
Grabmayr einen Querschnitt durch sein 
iüngstes, in Niederösterreich entstan- 
denes (Iuvre (1966-1970). Die unter 
dem Motto „Aus der Sandgrube" ver- 
einten, pastos gemalten, stark struk- 
turell betonten Bilder führen die von 
Herbert Boeckl wesentlich bestimmte 
expressionistische Tradition österreichi- 
scher Malerei des 20. Jahrhunderts 
fort. Otto Breicha charakterisierte zu- 
sammenfassend im Ausstellungsvor- 
wort Grabmayrs die dem „herben 
Woldviertler Fluidum" entstommten 
Bilder u. a. folgendermaßen: „Bei 
Grabmayr eine Bildserie besonderer 
Art, im engbegrenzten Motivbereich 
ein Register persönlicher Möglichkei- 
ten und möglicher Lösungen, die sich in 
ihrer beispielhaften Vergangenheit und 
eindrücklichen Gegenwart nicht zu 
schämen brauchen." (Abb. 1, 2, 3) 
Galerie im Griechenbeisl 
Ebenfalls als eine Art von Ergänzung 
zur historischen lnformel-Ausstellung 
im „Zwanzgerhous" zeigte - nach den 
surreal-popigen Figuren- und Puppen- 
ensembles des Steirers Dieter Lätsch 
- auch die Galerie im Griechenbeisl 
eine Retrospektive. Sie war dem Haus- 
herrn, Johann Fruhmann, gewidmet 
und vereinte 65 Exponate aus den 
Jahren 1948 bis 1955. 
Diese dokumentierten in beeindruk- 
kender Abfolge und Zuordnung die 
künstlerischen Anfänge des - wie eine 
Reihe lockerer, großzügiger Aktzeich- 
nungen mit Bleistift bewies - ur- 
sprünglidi von der Figur herkommen- 
den „abstrakten" Malers und Graphi- 
kers. Der gebürtige Kärntner, der 
zweifellos zu den wesentlichsten Ver- 
tretern der österreichischen Malerei 
nach 1945 gerechnet werden kann, 
unterstrich mit dieser Retrospektive 
deutlicher denn (e, daß er in dieser 
frühen Aufbruchsperiode, in diesem 
Abschnitt der Neuorientierung und 
Selbstfindung, kein Maler der „Ma- 
sche" war, sondern iedes Bild als 
schöpferisches Wagnis verstand. Seine 
formal spannungsreichen, farbig 
höchst differenzierten und ausgewo- 
genen Kompositionen im Stil der da- 
mals dominierenden, von Fruhmann 
freilich sehr eigenständig empfunde- 
nen „Geometrischen Abstraktion" 
verfügen in ihren besten Beispielen 
über eine materielle Beherrschlheit 
und künstlerische Ausstrahlung, wie 
man sie in Werken der unmittelbaren 
Gegenwartskunst nur noch sehr selten 
antrifft. Ergänzend zu diesen Flächen- 
kompasitionen präsentierte die erst 
kürzlich mit einer großen Gruppen- 
schau in Prag besonders hervorge- 
tretene Galerie auch noch eine Reihe 
subtil nuancierter Drahtreliefs und 
Materialcollagen sowie die in Klein- 
offset hergestellte Art-Club-Mappe des 
Künstlers aus 1952. (Abb. 4, 5, 6) 
Galerie nächst St. Stephan - 
Helga Philipp 
Op-Art in Reinkultur präsentierte in 
einer sehr geschlossenen, durchdach- 
ten Exposition Helga Philipp in der 
Wiener Avantgordegalerie nächst 
St. Stephan. Die an der Akademie für 
angewandte Kunst tätige Bildnerin 
konzentriert sich in ihren Plexiglas- 
reliefs und Transparentscheiben auf 
ein bewußt äußerst knappes Vaka- 
bular verschieden abgewandelter bzw. 
verschieden stark konstruierter Kreise. 
Durch die transparente Montage be- 
zeichneter Plexiglasplatten hinterein- 
der werden Raumillusianen, aber auch 
veränderbare Bildkonstellationen er- 
zeugt. Bei alledem entwickelt die 
Künstlerin formales Fein- und Finger- 
spitzengefühl im Sinne einer zwar 
nicht völlig neuen, aber doch genü- 
gend ausgeprägten Subiektivität. 
(Abb. 7, 8, 9) 
Galerie auf der Stubenbastei -- 
Drago J. Prelag 
Drago J. Prelog, geboren 1939 in 
Cilli (Jugoslawien), seit 1969 Lehrbe- 
auftragter an der Akademie der bil- 
denden Künste in Wien, zählte noch 
vor kurzem zu unseren eigenwillig- 
sten Verfechtern einer skriptural-ly- 
rischen Abstraktion, die sich in ihrer 
Lauterkeit und sensiblen Textur durch 
farbige Nuanciertheit und die motori- 
sche Rhythmik einer empfindsamen 
Handschrift auszeichnete. Ein stärke- 
rer, doch keineswegs als Bruch zum 
Vorhergegangenen zu wertender 
Schwenk setzte erst vor rund zwei 
Jahren ein. Prelog, den die reinen 
Möglichkeiten der Bildstruktur schon 
immer stark interessierten, 
sich von erfundenen, selbstge 
ten Strukturen mehr und meh 
men und vorgegebenen Strukt 
Er entdeckte diese auf Mr 
papieren ebenso wie in 
fragmenten oder in Landkarte 
Fundstücke bildeten zusamn 
gewissen Einflüssen durch dir 
konische Pop-Art und Verfre 
methoden der Dadaisten d 
für die ietzt in der Galerie 
Stubenbastei erstmals in größ 
zahl vorgestellten Zeichnung 
log provoziert darin formal 
gegenständliche Assoziatic 
mit dominierender graphiscf 
denz. Manches davon Verweis 
es freilich zu sein - in Richtui 
Art und Konzept-Kunst. Ei 
haltene Farbigkeit verleiht 
Explosionskurven, Landkartent 
ten und Diagrammen nicht St 
zusätzliches lrritationsmome 
Schuß Ironie versieht ein Kuh: 
Schraffen und führt in ein 
schafts-Landkartenassoziatio 
über. (Abb. 10, 11,12) 
Pet 
Prämiierung des Plakates 
Ausstellung "Wiener Porz 
1718-1864". 
lm Zuge der Plakatwertungsak 
des Kulturamtes der Stadt Wie 
wurde von der Jury das Aussti 
plakat „Wiener Porzellan - U 
reichisches Museum für angew 
Kunst", Entwurf: Leopold Nett 
unter die besten Plakate des lt 
Vierteliahres 1970 qualifiziert. 
Das Umschlogbild der Zeitschr 
„alte und moderne kunst", Het 
JännerlFebruar 1971, trägt glei 
das Bildmotiv des prämiierten 
Plakates, den Schlittschuhläufe 
„Winter", einem Doppelleucht 
dem Jahre 1755160. 
........... 
Porzellan  
..  ... .. 

	        

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