MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 116)

Berichte 
In KLAGENFURT ist in der letzten 
Berichtszeit die GALERIE MAKON 
am Neuen Platz sehr aktiv 
gewesen. Vom 26. Jänner bis 
15. Februar stellten PETER ATANASOV 
und KURT PIBER in ihr aus. Atanasov, 
der 1949 in Preßburg geboren wurde 
und in Wien studierte, arbeitet 
plakativ, großflächig. Er scheint 
Humor zu haben, wenn er auch 
behauptet, daß er als „zu progressiv" 
aus der Akademie der bildenden 
Künste „hinausgeworfen" wurde. Es 
gibt Schüler die progressiver arbeiten 
und nicht der Schule verwiesen 
wurden, sollte Atanasov seine „Haus- 
frau" sein? Der Kärntner Kurt Piber 
wird als Cartoonist vorgestellt. Flora, 
Sokol, Ironimus werden im Katalog 
vergleichsweise genannt. Sicher nicht 
zu Unrecht, und es scheint, daß Piber 
auch eigene Wege geht, sparsamer, 
spitz, nicht nur mit der Feder. (Abb. 13) 
In der selben Galerie waren vom 
23. Februar bis 17. März die Arbeiten 
von H. BAYER und ROSEMARIE 
BENEDIKT zu sehen. Bayer ist 
lnnsbrudcer, Jahrgang 1936, und 
studiert an der Graphischen Lehr- 
und Versuchsanstalt in Wien. Er stellte 
schon in verschiedenen Galerien aus 
und beteiligte sidi audi an der 
Siebdruckoktion des Voriahres, 
ausgeschrieben von der Zentral- 
sparkasse der Gemeinde Wien, 
erfolgreich. Seine Farbkompositionen 
gleichen geologischen Schichtungen, 
sie sind Strukturen, die da und dort 
ihre humanen Bezüge aufweisen, 
Einsprengungen, von dem Schnitt 
durch die petroeske Materie zu Tage 
gefördert. Rosemarie Benedikt, eine 
Badenerin, zur Zeit Assistentin an der 
Akademie für angewandte Kunst in 
Wien, zeigt ihre keramischen Arbeiten. 
Hier ist, sowohl in der Form als auch 
vom Material her, noch die Beziehung 
zum Archaischen bewahrt. Die 
Arbeiten der Künstlerin, die fünf Jahre 
bei Rörstrand in Schweden 
Mitarbeiterin war, zeigten auch im 
freien Dekor, trotz einer schwung- 
vollen Dynamik, eine große Aus- 
geglichenheit. Die Formen sind die 
alten Täpferformen, iede übersteigerte 
Spielerei wird vermieden. (Abb. 14) 
RIED im lnnkreis hat mit der zweiten 
Ausstellungsfolge der GALERIE 
CONTERVEILCHEN einen guten Griff 
getan. HERWIG ZENS und GERHARD 
WEISSENBACHER, beide zur Zeit in 
Wien wohnend, halten ihre Graphiken 
gebracht. Zens arbeitet mit feinen 
Strichen und verdichtet sie bei 
figuralen Kompositionen fast zu 
kompakten Schwarzweißelementen. 
Sind seine Landschafts- und Städte- 
zeichnungen zarte Gespinste nach 
der Natur selektiert, so die phantasti- 
schen oder symbolgeladenen 
Menschengruppen Erfindungen des 
Künstlers. Georg Weißenbacher ist im 
Strich lockerer, oft finden seine 
gekrausten Linien auch zu 
ornamentalem Gefüge. Dem Galerie- 
leiter, R. Adlmannseder, ist zu 
wünschen, daß er weiterhin solch 
regen Zuspruch hat und es ihm auch 
in Zukunft gelingen möge, gute 
Künstler nach Ried zu bringen. Die 
Ausstellung war vom 9. Februar bis 
2. März zu sehen. (Abb. 15) 
In LINZ wurden in der NEUEN 
GALERIE Plastiken, Materialbilder, 
Gemälde und Graphiken von KARL 
ANTON WOLF gezeigt. Die Werke 
48 
waren vom 1B. Februar bis 14. März 
zu sehen, und Wolf war für die Linzer 
kein Unbekannter. Schon 1960 hatten 
sie das Vergnügen, mit siebzehn 
Gemälden des 1908 geborenen 
Wieners konfrontiert zu werden. Nun, 
nach zehn Jahren, lag das Schwer- 
gewicht der Schau auf der Plastik und 
der Graphik. Siebzehn Eisengüsse, die 
im Ausschmelzverfahren nach 
Styroparformen hergestellt wurden, 
zeigten dämonisch wirkende Gestalten. 
Oft wird man auch an afrikanische 
Fetische gemahnt. Die Materialbilder 
sind dagegen dürftiger und bewußt 
sparsam gestaltet. Die Graphik ist 
iedoch wieder ein starkes Gefüge, in 
dem die Dunkelheit ihre Dominanz 
bewahrt. (Abb. 16, 17) 
Weilers war in der Galerie vom 
8. bis 28. März die Ausstellung 
TEXT BILD OBJEKT zu sehen, die 
von Fritz Lichtenauer zusammenge- 
stellt war und von der Zeitschrift 
„neue texte" veranstaltet wurde. Es 
gab Poeme und Buchstabengraphiken 
oder besser grafiken, auch „taktile 
poesie", verschiedene Lesungen, 
Buchstaben an Ketten und in Flaschen 
wie Campari bitter oder Wodka. Es 
gab - vielleicht als besonders 
progressiv - auch einen visuellen 
Text. Sehr gut frilz Iichtenauer, wenn 
er weiß was er mechd, auch heimrad 
bäcker scheint es fuat und fuat zu 
wissen; gerhard rühm linzt's leidlich 
Iitaneiisch. Jedenfalls scheint nur der 
schwarze Hund nicht mit dem 
Sdnwanze zu wedeln. 
Als dritte Veranstaltung der NEUEN 
GALERIE in Linz ist von der 
Ausstellung der „Visuellen Werkstatt 
Wien" zu berichten. Unter dem Titel 
OBJEKT UND FORMATlON stellten 
RUPPERT KLIMA, BERND KLINGER, 
VLADIMIR KOCI, RENATE 
KRÄTSCHMER, GERNOT POCK und 
JORG SCHWARZENBERGER vom 
1B. März bis IO. April aus. Audi hier 
sind die Obiekte meist Heraus- und 
Aufforderungen. Das gilt sowohl von 
Klimas überraschenden Gegensatz- 
formen als auch von den im Wege 
stehenden, antiästhetischen Dingen 
von Bert Klinger. Renate Krätschmer 
will die Eigenphantasie des Beschauers 
durch Rhythmus, Licht und Bewegung 
anregen. Gernot Pocks Wasser- 
obiekte wenden sich einer neuen, seit 
dern Barock nicht mehr beachteten 
Spielart des Gestaltens zu. Schwarzen- 
berger zeigte neben Reliefbildern und 
Formationen ein sehr interessantes 
Bewegungsspiel. Von Koci sind wohl 
die Multiple das ansprechendste, das 
er hier zeigte. (Abb. 18) 
Auch in GRAZ war vom 22. Jänner bis 
14. Februar unter dem Titel OBJEKTE 
LICHT RAUM BEWEGUNG eine Aus- 
stellung. Auch hier fand sie in der 
NEUEN GALERIE statt, nur war die 
Präsentation einem einzelnen, 
GIANNI COLOMBO, gewidmet. Der 
mit dem 1. Preis der XXXIV. Biennale 
von Venedig 1968 ausgezeichnete 
Mailänder wurde 1937 geboren und 
baut schon seit 1951 seine Werke aus 
den verschiedensten Materialien 
zusammen. Seit 1959 geht er dazu 
über, veränderbare Obiekte zu 
formen. Interessant ist auch zu 
vermerken, daß Colombo mit dem 
Ambiente, das er auf der „trigan 67" 
in Graz zeigte (leicht verändert), ein 
Jahr später den großen Biennalepreis 
errang. Nun waren von ihm zwanzig 
Arbeiten zu sehen, bei denen die 
Bewegung fast immer eine wesentliche 
Rolle spielte. Das früheste der in Graz 
gezeigten Beispiele war eine 
„pulsierende strukturierung" aus dem 
Jahre 1959. Polyesterklötzchen, neben- 
einandergereiht, werden durch einen 
Elektromotor zum Wackeln gebracht. 
Die „fließende strukturierung", die ein 
Jahr später entstand, ist ia vom 
Museum des 20. Jahrhunderts in Wien, 
wo man sie ständig sehen kann, be- 
kannt. Noch mehr im Visuellen des 
bewegten Obiektes verankert ist die 
rotierende „azentrische 
Strukturierung". Über verschiedene 
Raumgestaltungen kam der Besucher 
zu Colombos neuesten Erkenntnissen: 
Ein Spiel mit dem Licht und den 
Lichteffekten. Eine Ausstellung, die 
wert gewesen wäre, von Wien und 
anderen österreichischen Städten 
übernommen zu werden. Ein aus- 
gezeichneter Katalog dokumentierte 
die Exposition. (Abb. 19] 
Ebenfalls in GRAZ im Ecksaal des 
LANDESMUSEUMS JOANNEUM war 
vom 5. bis 28. Februar eine 
Gedächtnisschau von Werken des vor 
zehn Jahren verstorbenen FERDINAND 
BILGER zu sehen. 43 Arbeiten, 
Gemälde und Graphiken des 1903 
geborenen und erst spät zur Kunst 
gekommenen Malers waren vereint. 
Bilger war Autodidakt. Nach einem 
bewegten Leben, das ihn nach 
wissenschaftlichen Arbeiten und einer 
Lehrtätigkeit auf der Hochschule in die 
internationale Brigade des spanischen 
Bürgerkrieges führte, lernte er in Süd- 
frankreich Pariser Künstler kennen, die 
ihn zur Malerei anregten. Erst figural 
und landschaftlich schaffend, konnte 
man bei den ausgestellten Bildern 
bald die Hinwendung Bilgers zu einer 
eher dekorativen Abstraktion und 
später zur magischen Zeichensetzung 
- Erinnerung an seine Reisen durch 
Abessinien - sehen. Ferdinand Bilger 
war Mitglied des Wiener art-clubs. 
(Abb. 20) 
in der GALERIE SCHILLERHOF, GRAZ, 
zeigte die geborene Berlinerin 
GISELA BREITLING ab 3. Februar 
Graphik. Die Künstlerin, Jahrgang 
1939, gehört dem Lindauer Kreis an 
und hat schon in zahlreichen deutschen 
und holländischen Städten ausgestellt. 
Ihr Strich ist fest, man könnte ihn fast 
zupackend nennen. Der Mensch, oft 
in phantastischen Verbindungen, 
Verknotungen, scheint ihrem Schaffen 
immer wieder neue Problemstellungen 
aufzugeben. Es ist erfreulich, daß diese 
Galerie immer wieder noch echtes 
graphisches Gestalten präsentiert. 
(Abb. 21) 
Vom 25. Februar bis 23. März wurden 
Werke von ALAIN DERENZ aus 
Brüssel und CESAR CELETZ in 
denselben Räumlichkeiten vorgestellt. 
Im FORUM STADTPARK konnten die 
Grazer vom 13. März bis 3. April die 
Arbeiten des Wieners ERNST 
ZDRAHAL sehen. Zdrahal, in dessen 
CEuvre (wir berichteten schon öfters 
von ihm) der Mensch förmlich in einer 
technisch-mythischen Rüstung gefangen 
ist, geht in letzter Zeit dazu über, 
Spiegel in seine Obiekte einzubauen 
und so das Gegenüber, den Beschauer, 
direkt in die Bildfläche zu sperren. 
Hat er bei manchen Figuren nach an 
Ritterrüstungen erinnernde Konturen, 
so verzichtet er bei den letzten 
Arbeiten auch auf diese geschichtliche 
Assoziation und setzt nur 
quadratische Farbfelder mit Kreisen 
und Spiegeln, aus denen es für 
Betrachter kein Entrinnen gibt. 
(Abb. 22) 
In Niederösterreich waren in 
PERCHTOLDSDORF in der 
GALERIE ROMANUM vom 17. 
bis 10. März die Arbeiten LOTt 
BRUCKMEIERS zu sehen. BHJCKI 
geht einer Arbeitsweise noch, c 
heute hierzulande eine seltene 
Erscheinung ist, da man mit ihr 
auffallen kann. Wir sehen Patt 
mit Ein- und Ausbrüchen, sehr s 
und sehr dicht, mit einer surreu 
Komponente in einer Spielart, i 
in Österreich fast nie gepflogei 
wurde. Bruckmeiers Guvre zeig 
Collagen, Forbstift- und Tusche 
zeichnungen und auch einige D 
graphiken. Zu letzteren wäre, l 
Meinung nach, gerade dieser S 
besonders prädestiniert. (Abb. 
Im THEATER AM SCHWEDENP 
in Wien stellte vom 24. Februai 
27. März die iunge HELENE 
WINZBERGER aus. Ein Zyklus ' 
Radierungen über Ionescos „N 
hörner" und farbige Drucke zu 
Handkes „Kaspar" bewiesen S4 
das technische Können der Kün 
als auch ihren originellen Einfc 
Wir scheinen von ihr noch viel 
erwarten zu dürfen. (Abb. 24) 
Alo 
BILDTEKTTE 13-2; 
13 
14 
15 
I6 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
Kurt Fiber, Zeichnung 
Rosemarie Benedikt, Keramisch 
Arbeiten 
Herwig Zens und R. Adlm 
in der Galerie Conterveilchen 
lnnkreis 
Karl Anton Wolf vor seinem 
bild „Eine Formel", 1971. 150): 
Karl Anton Wolf, Vegetative F1 
90 x 70 cm 
Bernd Klinger, Obiekt 
Gianni Co ombo, Obiekt 
Ferdinand Bilger, Kompositir 
kreidelPapier, 49 x46 cm 
Gisela Breitling, Akt. Zeichnuni 
Ernst Zdrahal, Obiekt, W70 
Lothar Bruckmeier, Gra hik 
Helene Winzberger, aspar 
Forbradierung (2 Platten)
	        

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