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Objekt: Alte und Moderne Kunst XXIII (1978 / Heft 158)

ächlich ein Traum sichtbare und greifbare Reali- 
geworden - ein Traum. dem das Schloß selbst 
e Erhaltung dankt. Als "Nebenwirkung" zur kul- 
llen Bedeutung hat sich übrigens eine außeror- 
tlich positive Belebung des Umlandes ergeben: 
den Raum an der i-toten Grenze-r ist das Schloß 
einer strahlenden Schönheit weit über den. sei- 
ieits durchaus beachtlichen, Zustrom an Besu- 
'n hinaus zum Symbol des Lebenswillens und 
Hoffnung geworden. 
Außenstellen von Bundesmuseen in Schlössern 
Fall Gaming kam dazu das Gebäude der einsti- 
Kartause. was durchaus im Sinn der Grundidee 
i, die immer die Einbeziehung anderer architek- 
sch wertvoller und historisch relevanter Bauten 
llickfeld hatte-sind heute alsKulturgüterersten 
ges im Bewußtsein der Öffentlichkeit verankert. 
Zusammenarbeit von Museum und Schloßbesit- 
i, also den Hütern der in staatlichem Eigentum 
wdlichen Objekte und den Hausherren der Ge- 
de, hat sich vollauf bewährt und steht längst au- 
Debatte. 
log zu dieser Kooperation hat sich, auf das Mu- 
n für angewandte Kunst bezogen. dank der Ini- 
re des Doktor Franz Windisch-Graetz auch eine 
are Art der Verbindung zwischen Museum und 
tmusealen Milieus entwickelt: die Erwerbung 
Kunstwerken durch Geldinstitute. die ihr Eigen- 
als Dauerleihgaben dem Museum zur Verfü- 
g gestellt haben. Hier hat das Jahr 1971172 den 
cheidenden Durchbruch gebracht: innerhalb 
fünfzehn Monaten erhielt das Museum am Stu- 
"ing vier derartige Dauerleihgaben, und in allen 
Fällen war es Windisch-Graetz, der - ausländi- 
i wie auch inländische Vorbilder modifizierend - 
nitiative ergriffen hatte. 
Anfang machte ein Barockschrank mit gravier- 
Iinnintarsien. der sich schon seit 1956 im Besitz 
s Antiquitätenhändlers befunden hatte und der 
disch-Graetz ebensolang bekannt gewesen war; 
lie Erben des Eigentümers ihn anboten, unter- 
ete Windisch-Graetz unter Hinweis auf das 
iild ausländischer Geldinstitute dem Oberkura- 
ler Ersten Österreichischen Spar-Casse. Präsi- 
Mautner Markhof. den Vorschlag, die Spar- 
e möge das kostbare Stück (Kaufpreis 280.000 
lling) als Wertanlage erwerben und dem Mu- 
n als Leihgabe zur Verfügung stellen - der Plan 
sich realisieren. Im Sommer 1972 konnte Win- 
h-Graetz dasselbe Geldinstitut zur Erwerbung 
ieunteiligen barocken Sitzgarnitur mit bestick- 
Bezügen bewegen, die sich in amerikanischem 
tz in Wien befunden hatte und als Möbelkunst- 
1 österreichischer Provenienz höchsten Rang 
reist (Kaufpreis 480.000 Schilling). Im dritten 
gelang sogar die Heimholung eines vermutlich 
llarie Antoinette in Wien angefertigten Möbel- 
kes, eines überaus anmutigen Bronzetisch- 
 
chens, aus Paris: von Windisch-Graetz angespro- 
chen und überzeugt, vermittelte Minister Firnberg 
den An kauf des Tischchens durch die Credit-Anstalt 
(Kaufpreis 509.000 Schilling). und nach der Restau- 
rierung wurde es zu einem Ausstellungsstück von 
außerordentlichem Eindruck. Schließlich gelang es 
auch, die Zentralsparkasse der Gemeinde Wien für 
ein ebenso rares wie kunsthandwerklich hervorste- 
chendes Stück zu interessieren. ein Wöchnerinnen- 
tischchen, um 1760 in Paris verfertigt. das einen sehr 
eigenartigen Typ von Kombinationsmöbel repräsen- 
tiert und von einem Wiener Antiquitätenhändler an- 
geboten wurde (Kaufpreis 250.000 Schilling). 
Auch abgesehen von der Bedeutung dieser Objekte 
für das Museum und von der Gesamtsumme (wobei 
zu berücksichtigen ist, was ein Betrag von mehr als 
1,5 Millionen in den Jahren 1971 und 1972 ausmach- 
te), ist hier im positiven Sinn eine Serie von Präze- 
denzfällen geschaffen worden. die ein breites Spek- 
trum an Beispielsfolgerungen eröffnet, auch wenn 
7' s 
man die Begrenztheit der Möglichkeiten in Öster- 
reich vor Augen hat. 
Jedenfalls war es auch hier wieder die sanfte und 
sachbezogene Überzeugungskraft des Doktor Franz 
Windisch-Graetz, die letztlich zum Erfolg geführt 
hat: zu einem Erfolg. der dem Museum am Stuben- 
ring und damit dem gesamten Kulturleben Öster- 
reichs zugute gekommen ist. Spricht man indes von 
diesem Museum, so ist - und auch hier läßt sich 
bruchlos und direkt die Beziehung zum Jubliar kon- 
statieren - neben seiner Aufgabe des Hütens, Kon- 
servierens und Präsentierens unschätzbarer Werte 
noch ein anderes zu erwähnen: die ihm von Anfang 
an mitgegebene Aufgabe, anregend und geistig an- 
spornend auf das lebendige Gewerbe und Hand- 
werk zu wirken. Franz Windisch-Graetz, der Möbel- 
experte, hat schon früh das Gespräch mit den Tisch- 
lern von heute aufgenommen - sichtbares Zei- 
chen der Wertschätzung, die das Handwerk ihm 
zollt, ist der Goldene Ehrenring der WienerTischler- 
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