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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 117)

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Kopien (die Originalrechnungen wurden mit 
dem gesamten Paar-Archiv nach dem letzten 
Weltkrieg konfisziert und befinden Sld1 heute 
wahrscheinlich in Schloß Ti-ebon in der Tschecho- 
slowakei) führen nicht nur detailliert die ein- 
zelnen Arbeiten an den Wandvertäfelungen im 
Paradezimmer an, sondern geben auch das 
genaue Entstehungsjahr, nämlich 1769, sowie 
die Namen des Architekten und des Bildhauers 
bekannt, die für den Umbau verantwortlich 
zeiduneten. Eine der Red-mungen, die von einem 
Bildhauer namens Leithner unterschrieben ist, 
trägt die Übersdirift: „Für Ihre Excellenz Frau 
Gräfin von Baar, in das Barada Zimer folgende 
Bildhauer arbeith nadi Tessain (Entwurf) und 
Angebung des Herrn von Ganneval" (Abb. 6). 
Über den Bildhauer und Stukkateur johann 
Georg Leithner (1725-1785), der von 1757 
bis zu seinem Tode Mitglied der Wiener Akade- 
mie war, ist nur wenig bekannt. „Herr von 
Ganneval" jedoch ist der französische Ardiiteltt 
Isidor Canevale (geb. Vincennes, 1730. - In 
Dokumenten sdieinen auch vereinzelt die Sdirei- 
bungen Cannaval, Carnevale, Khönival, Can- 
nival, Ganneval usw. auf), der erstmals in Wien 
um 1760 künstlerisdi in Erscheinung trat und 
hier im Jahre 1786 starb. Ein Großteil der bis 
heute erhaltenen neoklassizistischen Bauten 
Wiens, darunter das Allgemeine Krankenhaus 
in der Alserstraße und die Chirurgisch- 
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Medizinische Akademie, das „_Iosephinum", in 
der Währinger Straße, gehen entweder auf 
Canevales Entwurf zurück oder werden ihm 
zugeschrieben. 
Im Lauf des 19. Jahrhunderts bezog die Familie 
Paar dann den kleineren, rückwärtigen Flügel 
des Palais und vermietete die Prunkräume an 
russische Botsdxafter. Nach dem ersten Welt- 
krieg sahen sidn die damaligen Besitzer ge- 
zwungen, die gesamten Finanzreserven für ihren 
Landbesitz aufzuwenden. So kam es, daß um 
1930 die Boiserien des Hauptgeschosses zur 
Gänze verkauft wurden, einsdiließlich der Ge- 
sellschaftsräume (es ist nicht geklärt, in wessen 
Besitz das Paradezimmer heute ist) sowie einer 
Reihe kleinerer Wohnräume mit dem Blick auf 
den großen Innenhof und der Wohnräume im 
Hintertrakt des Palastes über den Stallungen 4. 
Damals wurden die Ausstattungselemente von 
zwei der kleineren Zimmer an einen englischen 
Kunstsammler, Sir Philip Sassoon, verkauft 
und die ganze Täfelung an ihrem Bestimmungs- 
ort, dem Londoner Wohnsitz Sassoons (25, 
später 45, Park Lane), wieder zusammengefügt, 
so wie dies auch beim Varengeville-Zimmer der 
Fall war. Mit den Wandverkleidungen aus dem 
Palais Paar wurden ein Speisezimmer und 
ein Vorzimmer in dem 1895 erbauten Haus des 
englisdien Sammlers eingeriditet. Nach dem 
zweiten Weltkrieg (Sir Philip Sassoon hatte
	        

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