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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 117)

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lich bei diesen Bedingungen mitgespielt. 
iinsendeschluß der Ausschreibung war der 
irz 1903. Trotz der kurzen Frist beteilig- 
ch viele Künstler an der Konkurrenz - 
d 67 Entwürfe eingereicht worden -, und 
der Sitzung der Jury am 5. und 6. März 
l alle Entwürfe kurz im damaligen Mu- 
für Kunst und Industrie öffentlich aus- 
lt. Der erste Preis wurde nicht verliehen, 
weiten erhielt Hans Bitterlich, den dritten 
Müller, den vierten Franz Metzner, den 
an Alexander Jaray und den sechsten 
g Winkler aus Graz. 
die Preisverteilung ging nicht ohne De- 
1 und Unannehmlichkeiten ab. Ein Teil 
kunstinteressierten Öffentlichkeit, deren 
her Ludwig Hevesi war, stellte sich hinter 
Entwurf des jungen Franz Metzner, der 
ls gerade die Absicht hegte, nach Wien zu 
iedelnf. Bitterlich wurde von Hevesi als 
iger Bildhauer ohne Aussagekraft charak- 
zrt, der gerade darum im Preisausschreiben 
meisten Beifall erreidat hätte. S0 warf man 
z. B. vor, daß er nur 14 Tage vorher audi 
rsten Preis für das Deutschmeisterdenkmal 
ten hätte. 
den beteiligten Künstlern gingen zehn 
soweit, die Jury vor Gericht wegen der 
einhaltung der Vorschriften zu verkla- 
Zwei der abgewiesenen Bildhauer, die 
111 der Klage beteiligt hatten, erreichten 
r wenigstens in bescheidenerem Rahmen 
ealisierung ihrer Entwürfe: Alfonso Can- 
hat seinen Entwurf für die Waisenanstalt 
föhl in Niederösterreich ausgeführt", Ri- 
Luksch hat dann seine Arbeit als kleinere 
aorfigur an Frau Mauthner verkauft7. 
Xusnahme des Entwurfes von Franz Metz- 
ind alle übrigen preisgekrönten Entwürfe 
'er Konzeption und Aussage ziemlich ähn- 
Die Statue der Kaiserin, stehend (wie ver- 
) oder sitzend dargestellt, ist nur ein bei- 
lneter Teil einer größeren architektonischen 
ge, die sich meistens breit ausdehnt. Der 
s des Denkmals ist daher mit der schon 
zr geschaffenen Arbeit in Wien, dem Mo- 
nument Franz Grillparzers im Volksgarten, und 
noch mehr mit dem damals gerade entstehenden 
Strauß-Lanner-Denkmal im Rathauspark ver- 
wandt. Charakteristisch für alle diese Konzep- 
tionen ist, claß die Gestalt ihre beherrschende 
Position im Raum verliert und daher durch 
eine Mauer oder eine Treppenanlage wie durch 
eine schreinartige Kulisse gehalten wird. Das 
geänderte Verhältnis der Statue zum Raum 
entspricht inhaltlich der mehr genremäßigen 
Darstellung. Bei der ausgeschriebenen Aufgabe, 
dem Denkmal der Kaiserin Elisabeth, ist eine 
unpathetische, verhaltene und verinnerlichte 
Darstellung schon durch die Persönlichkeit der 
Dargestellten gerechtfertigt. Nur im Entwurf 
von Franz Metzner wird die Kaiserin als 
Heroine auf ein hohes Postament gestellt und 
die übliche Kulisse - eine sich bewegende Men- 
schenmenge - als Kontrast zu der hoheitsvollen 
Gestalt aufgefaßt. Soviel wir nach der uns 
zugänglichen schlechten Reproduktion schließen 
können, war Metzners Entwurf am großzügig- 
sten durchmodelliert. Ob seine Auffassung des 
Denkmals die geeignetste gewesen wäre, muß 
allerdings offenbleiben. 
Von den anderen uns bekannten Entwürfen 
gleicht die Arbeit von Richard Luksch einer 
Porzellanfigur. Sie stellt die Kaiserin in einer 
breiten Krinoline sitzend dar. Vor ihr ist ein 
großer Hund, ein Windspiel, angedeutet. Der 
Künstler hat sich bei seiner Arbeit von einer 
Photographie der Monarchin anregen lassen H. 
Am merkwürdigsten hat Alfonso Canciani sei- 
nen Entwurf gestaltet. In dem ausgeführten 
Denkmal in Gföhl steht die Kaiserin fast wie 
eine unnahbare Gottheit in langem, fallendem 
Gewand auf einem erhöhten Felsen, vor ihr 
steht in ehrfurdntsvollem Abstand ein einfadier 
Mann mit gesenktem, entblößtem Haupt. Die 
Auffassung Cancianis ist am nächsten mit der 
Idee Metzners verwandt. Es ist bezeichnend, 
daß beide Denkmäler von Bildhauern stammen, 
die zur „Secession" gehört haben. In beiden 
Entwürfen äußert sich nicht nur der Wille, das 
übliche Denkmalklischee zu überwinden, son- 
dern auch ein gerade für diese Künstler typi- 
 
sches Bestreben, eine Steigerung ihres Vorwurfs 
ins Allgemeingültige und fast Übermenschlidie 
zu erreichen. 
Zu den Konzeptionen der Künstler der „mittle- 
ren Generation" können wir noch einen weite- 
ren uns bekannten Entwurf, der sich nur unvoll- 
ständig erhalten hat, reihen, und zwar den von 
Stefan Schwarz". Beide Seitenteile des Denk- 
mals (die Hauptfigur fehlt) sind voll von 
Figuren, die der Kaiserin huldigen. In seiner 
genrehaften Konzeption ist der Schwarzsche 
Entwurf mit der Mehrzahl der preisgekrönten 
Entwürfe verwandt. 
Außer den bis jetzt erwähnten beiden Kon- 
zeptionen des Elisabeth-Denkmals in Wien 
fehlte es nicht an einem Versuch im Sinne einer 
älteren Auffassung, die noch formal mit dem 
Neobarock verbunden war. Josef Fritsch, ein 
österreichischer Bildhauer, der in dieser Zeit 
schon in Deutsdiland tätig war, hat sich bald 
nach der Preisverteilung mit einem eigenem 
Entwurf gemeldet. In seinem Schreiben vom 
10. Mai 19031" verweist er auf die Ähnlichkeit 
des Grillparzer-Denkmals, das auch im Volks- 
garten steht, mit den meisten der preisgekrön- 
ten Entwürfe. Sein Gegenentwurf war eine 
traditionell gestaltete Darstellung der kaiser- 
lichen Majestät, umrahmt von einem neobarok- 
ken Triumphbogen, auf dem Putten spielten - 
eine Denkmalsidee also, die in dieser Zeit 
schon überholt war. Es ist interessant, daß die- 
ser anachronistische Entwurf nicht vereinzelt 
war. Auf dem Aquarell eines nicht ausgeführ- 
ten Projektes zu einem Kaiser-Franz-Joseph- 
Jubiläumsplatz des Architekten Arnold Lotz" 
steht in der Mitte des Platzes, umgeben von 
einer neobarocken Architektur, auf hohem Po- 
stament ein Denkmal der Kaiserin Elisabeth. 
Über der weißen Statue wölbt sich ein dunkel 
wirkender Baldachin, der noch an das Vermäh- 
lungsdenkmal des jungen Fischer am Hohen 
Markt erinnert. 
Etwas früher als die Konkurrenz in Wien, im 
Jahre 1902, hatte man Ähnliches in Budapest 
unternommen. Die uns zugänglichen Abbildun- 
gen der Entwürfe" sind im Vergleich zu den 
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