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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 117)

aus dem reichen Fundus der Fresken in 
der Pöllauer Stiftskirdne, obgleich hier, im 
Unterschied zur Sakristei, die umgekehrte Zeit- 
folge der Übernahme vorliegt, in Freienstein 
also nach den Vorbildern im Langhaus der 
Pöllauer Kirche gearbeitet wurde. Als überaus 
bedeutungsvoll für die vorliegende Abhandlung 
ist die Kreuztragungsszene an der Decke der 
Freiensteiner Kirche anzusehen. Das Zentrum 
des Bildes, abzüglich der Johannes-Maria- 
Gruppe links und der Frauen mit den Kindern 
rechts, ist ein nahezu getreues Abbild des 
Kartuschenfreskos in der zweiten linken Empore 
der Pöllauer Kirche. Christus stürzt unter der 
Last des Kreuzes, das ein Häscher wieder auf- 
zurichten sucht, Veronika reicht das Schweiß- 
tuda, Simon von Kyrene erfaßt den Kreuzes- 
balken, und ein Offizier erteilt vor einer we- 
henden Fahnc mit weisender Armbewegung 
im Hintergrund seine Befehle. 
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Wenngleich der farbliche Erhaltungszustand der 
Freiensteiner Fresken im Verhältnis zu Pöllau 
als ungleidi besser erscheints, besonders die 
Fresken in den Emporen und Seitenkapellen 
von Pöllau haben erheblich gelitten, so kann 
doch noch immer mit zureichender Sicherheit 
auf dieselbe Anwendung des Kolorits bzw. der 
gleichlautenden farblichen Akzentuierung ver- 
wiesen werden. Schon R. Meeraus erwähnt „ein 
klares Hellblau, manchmal dem Lavendelblau 
leicht genähert, (das) mit strenger Konsequenz 
zur Akzentuierung der Hauptfiguren verwen- 
det wird". In beiden Darstellungen ist der 
Faltenwurf des hellblauen Mantels, den Christus 
trägt, vollkommen gleich. Auch allen Marien- 
gewändern ist in Freienstein das erwähnte 
Blau vorbehalten; diese Farbe bleibt somit auch 
hier auf die Hauptgestalten beschränkt. Neben 
dieser Farbe muß noch der auffallend stark 
und hell aufgetragene Farbton Gelb erwähnt 
seren Erhaltungszustand, mit jener der F 
folge von Pöllau identisch, deren Gesa 
kung Meeraus mit „braunviolett von 
rem Helligkeitswertm" charakterisiert. F 
nend in diesem Zusammenhang, daß der 
ler in den Himmelszonen, wie zum Bei: 
der Kreuzerhöhurig, auf Blautöne kon 
verzichtet, eine Eigenschaft, die für Pö 
gleicher Weise bestimmend ist. 
Zusammenfassend wäre zu bemerken, ( 
nerhalb der Freskenfolge von Freiensti 
„Kreuzerhöhung" im Hinblidt auf die F 
Sakristei und einer angenommenen kii 
schen Urheberschaft Görz' die Bedeutur 
Terminus post quem, für die „Kreuztr: 
rückwirkend auf die erwähnte Empc 
Stiftskirche, ein Terminus ante quem zu 
chen ist. Für eine Zuschreibung an Görz 
der „Kreuzerhöhung" zweifellos die höh 
levanz zu, da nicht angenommen werdei 
daß Görz etwa zwei Jahre später in de 
auer Sakristei das Motiv der den Krei 
ken emportragenden Engel nach einem 
bekannten, in Freienstein vielleicht 
Künstler kopiert hat. Vielmehr dürfte c 
ler ein einmal kreiertes Motiv - eine S1 
lage könnte der Anlaß gewesen sein - 
verwendet haben. 
Daß der Künstler gerne bei erarbeitete 
formeln zu verweilen pflegte, ist schon 
anzunehmen, weil auch alle in den Z 
der Tonne angebrachten Kartuschenfeli 
Kirche auf Bildvorstellungen fußen, d 
zwei bis vier Jahre zuvor von Görz 
Langhausdecke der Pöllauer Stiftskircl 
wendung fanden. Es handelt sich dabei 
Darstellung der Heiligen Zad1arias, J 
Johannes d. T. und Anna, die auf den Y 
bänken des Langhausfreskos thronen. 
rasdiend gleichlautend mit den Mitglied 
heiligen Sippe in den Freiensteiner Kar 
fresken konzipierte der Künstler die I 
Zacharias, Anna und Joachim. Mit seine 
ten Arm weit ausholend, trägt der heili 
chim in der linken Hand sein seit dem 
der Barockzeit gewöhnlich verwendete: 
but, die Hirtenschippe, einen an seinem 
Ende mit einer Schaufel versehenen St 
charias schwenkt bei jeder Darstellu 
derselben Armhaltung sein Weihrauchf 
trägt die seitlich gehörnte Mitra des 
priesters. Audi in der Wiedergabe der 
Anna, in Pöllau neben Joachim postie. 
es der Künstler keineswegs der Mühe ' 
Freienstein seinen einmal konzipierten l 
typus zu variieren. Für die Sakristei de 
kirche in Pöllau gleichsam apriorisdi, bt 
J Ehem. Stifrskirdie Püllau. Sakristei 7 Matthias 
Dedu-nfrcsko, 1723 
4 Wzllfahrlskirdie Maria-Freienstein - Matthias 
Dcdtenfrexken, um 1720121 
5 lzhcm. Suftskirdie Püllau - Matthias von Gör 
fresko. Ausschnitt, 1718 vollendet 
b Ehcm. Stiftskirche Pöllau, zweite linke Empore - 
von Göre, Wandfresko. um 1718 
ANMERKUNGEN 8-10 
" DIE Wallfahrtskirdie St. Peter-Freienstein wurde 1 
ricrt; s. UZKL) IVl1950, S. 116. 
' R, Meeraus, 1.2.0., S. 28. 
"' R. Mccraux, a. a. 0,. h. 211.
	        

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