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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 118)

Zudem installiert es sie zu einer Zeit, da Jo- 
hannes von Nepomuk nod-i lange nidit zur 
Ehre der Altäre erhoben war. 
Verfolgt man in der Publizistik jener Tage das 
Geschidt des Nepomukkultes während der Re- 
gierungszeit der drei großen Barockkaiser Leo- 
pold, Joseph und Karl, so erlebt man in der Tat 
die Entwicklung des Prager Heiligen zum „Hei- 
ligen des Barodt schlechthin". Unter Leopold 
handelt es sich noch um bescheidene Anfänge. 
Sein „würklicher geheimer Rath, Camerer", 
Franz Ignatius Wratislav Reichsgraf von 
Mitrowitz, ist in den damaligen Diariumsbe- 
richten eine widitige Figur. Man verzeichnet 
seine Reisen, Ankünfte und Aufenthalte etc. 
Wenn dieser kaiserlidie „Statthalter im Kö- 
nigreich Böhmen zu Gottes Ehre" einen Hei- 
ligen seiner engeren Heimat der Verehrung 
der Wiener empfehlen will, so wählt er nicht 
etwa Johannes von Nepomuk, sondern er läßt 
„vor dem Cerntner Thor auff der sogen. 
steinernen Brucken das Bildnuß des H. Wences- 
lav gewesten Königs in Böhmen unter Trompe- 
ten und Pauken Schall aufsetzen". Selbst bei 
einem Brüdtenheiligen zieht er also damals 
noch „auß sonderbarer Andacht" den heiligen 
Wenzel vor (Diariumsbericht vom 27. 9. 1704). 
Umgekehrt meldet das Diarium aber im To- 
desjahr des Kaisers am 16. Mai 1705, es 
habe „in der allhiesigen St. Stephans Dom 
Kirchen das Fest des S. Johann von Nepomuk 
eine löbliche Böhmische Nation mit dem ge- 
wöhnlichen Gottesdienst bey einem großen Zu- 
lauff herrlichst begangen". An dieser sich in 
den folgenden Jahren ähnlich wiederholenden 
Meldung ist mehreres bemerkenswert. Zunächst 
wird ein Gottesdienst im Rahmen des Nepo- 
mukkults bereits als gewohnt bezeichnet. So- 
dann ist dieser Kult so weit gediehen, daß er 
schon „großen Zulauff" zu verzeichnen hat. 
Schließlich ist diese Verbreitung so stark ge- 
 
20 
worden, daß sie der Zeit vorauseilt: der Bericht 
setzt dem Märtyrer ein „S" voraus, und einer- 
lei, ob damit ein „Seliger" oder ein „Sankt 
Johannes von Nepomuk" gemeint war, er war 
damals weder selig- noch heiliggcsprochen, 
denn das eine erfolgte bekanntlich erst 1722, 
das andere 1729. Andererseits erscheint trotz 
des Zulaufs als eigentlicher Träger des Kults 
vorläufig noch nicht die Bevölkerung von Wien, 
sondern eine „löbliche Böhmische Nation", also 
die hiesige Landsmannschaft. 
Er gewinnt auch nicht so sehr an Bedeutung bis 
zur Seligsprechung. Nur diese selbst wird vor- 
weggenommen, indem in den Diariumsmcldun- 
gen an Stelle des „S. Nepomuk" ein „Seel. J. 
von Nepomuk" tritt. In der Pestzeit l713f14 
bleiben diese Berichte zurück hinter den vor- 
erst verlegenen, dann erschütternden Nachrich- 
ten über das Wüten der Seuche. Noch einmal 
steht im Vordergrund die Andacht vor der, 
schon vom Kaiserhaus angeflehten, Dreifaltig- 
keit, aber man nimmt auch zu einzelnen Pest- 
heiligen seine Zuflucht, so zu dem von Karl VI. 
besonders verehrten Karl Borromäus, dem der 
Kaiser die Karlskirche gelobt, zu Rochus und 
Sebastian. Nach einem Diariumsbericht vom 
17. Juni 1713 scheint man sie alle an der Pest- 
Säule am Graben vereint aufgestellt zu haben, 
eine ikonographische Komposition, die dann bei 
den folgenden Pestsäulen rings um Wien beibe- 
halten und verewigt wurde, so in Mödling, in 
Baden, in Stockerau usw]. Am 28. August 
findet sich eine Notiz über eine Andacht dem 
heiligen Rochus zu Ehren; die Predigt wurde 
über ein Jeremiaswort gehalten: „Warum hast 
du uns also geschlagen, daß so gar keine 
Heylung mehr ist." Zwei Tage später publiziert 
das Diarium das Verbot aller Lustbarkeiten 
„an statt des inbrunstigen Versöhnungs-Ge- 
beths . i . bey dermaligen Bedrangnussen". Noch 
am 20. Jänner 1714 liest man über das feier- 
2 Wiedergabe der seinerzeirigen Nepomukkapclle niir der 
uniirn Brücke bei Max Eisler nrdi Salomon Kleiner 
1 Ankündigung der Besdareibung der Heiligsprcchnng Johan- 
nCS' von Nepomuk im Wiener Diarium vom Z7. April 1729 
ANMERKUNGEN 6-9 
Itiidwii; Andreas VuitlLudwig Lenhart: Kirdie und Volks- 
rranniiniieii im zriiniirr des Barodts, Freiburg was, sriii 
es , 
"Vcrgl. die iingrdriidrrr Anriiriinirrrbrii des Kunilhßlürlsdten 
inriiriiir der Universität Wien von Arriiiir Seliger (Dreifal- 
iirkriiirniiir Mödling. 195a), Kennt: Mikula (ßadner ein. 
liche Begängnis des Namensfestes von Sel: 
als eines „sonderbaren Pestpatrons". Er 
dem Winterende „verwich" die „laidige S 
und am 16. Mai folgen wieder Berichte 
die Feier des heiligen Johannes von Nep 
Da er nicht zu den Pestpatronen zahlte, 
sich in dieser entsetzlichen Zeit die hilflos 
zweiflung der Menschen nicht an ihn w 
können. 
Ganz anders ist das Bild, das sich 1722 
als es zur Seligsprechung kommt. Am 2( 
berichtet das Diarium über den feierlicher 
tesdienst in St. Stephan am 16. Mai, alle 
nur in Anwesenheit der Kaiserinwitwe 
Kirchenportal ist damals geschmückt mit 
Nepomukstatue, ihr zur Seite eine Figu 
das Schweigen in Anbetracht seiner Wa 
des Beichtgeheimnisses, und eine Figur, d 
Priesterstand symbolisiert, zu dessen Zie 
geworden war. In den zugehörigen Inscl 
finden sich Widmung und Chronogi 
offICIosa pletate eIVs noMInI DeVota s 
VIenna. Die Predigt hält der Wiener 
hirte, derselbe Erzbischof Kollonitsch tauf 
Diariumsbericht vom 16. Dezember einen 
der Fürstin Sd-iwarzenberg auf den I" 
„Josephus Adamus Joannes Ncpomuc 
während man am 22. Mai 1723 meldet, 
die große Glocke der Leopoldskirche i 
Leopoldstadt zwar auf den Namen de: 
chenpatrons, aber gleich die nächstgrößl 
den heiligen Nepomuk getauft worden. A 
ben Tag wird festgestellt, daß „dieser W 
in unterschiedlichen alhiesigcn Kirdien da 
des heiligen Johannis Nepomuceni mit 1 
Feierlichkeit begangen worden und seithe 
gen Zeit an unterschiedlidien Orten des B 
dieses Heiligen zu mehrerer Verehrung 
richtet wird". Einen Tag später heißt e: 
Seliggesprochenen, daß „in 
Dioeces algemein und das erste mal so T 
wienne 
4 Ferdinand Georg Waldmüller: „D1! Verehrung 
Johannes von NCpümllk in wii-n w, Sicvcrlnger s 
(Original ini BESIIZ des Historischen MLISELImS d. 
Wien) 
raiiir, ms), Margarete Reixsbergcr (Drelfalrigk 
srodrrrnii, was). 
r Erika TletZe-Conral: Usrcrreiehisdie unrndrnlirriiir, w 
Seite 7, 131. 
'Hans Ällrtnlllmmrf: triiiiidn der diririiidirn Ikone 
Wien 1959-1967, Seite 5361., ferner: Lexikon für "I 
iind Kirche unter „Karl Bürrumilus". 
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