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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 118)

)I'CVlCl' ues nen. ivien ceienrirt wurde das 
des glorwürdigen Martirers Joannis 
nuceni" sowie, daß seine heroische Stand- 
keit in der Hofpfarrkirche St. Michael 
seine Darstellung in einem „herrlichen 
ld- und Triumph Wagen" gefeiert Wor- 
ei. Am 4. Juni findet sich im Annoncenteil 
s ein Büchlein mit Anleitungen zur Nepo- 
ndacht empfohlen. Der Kult kann hier 
in seiner ganzen Breite, wie er nunmehr 
iderschaften etc. zu beobachten ist, darge- 
werden. 
iger ist der Hinweis auf einige Merkwür- 
ten dieser Berichterstattung. Am 31. Juli 
erwähnt das Diarium, daß in der Mi- 
rkitche aus Anlaß eines Nepomukfestes 
teue Kapelle eingerichtet worden sei, mit 
auf „eine gantz neue Manier kunstrei- 
md würklichen Stürtzung von sogenanter 
r-Brucrken in dem Moldau-Flus gantz leb- 
ürstellenden Altar-Blat". Ikonographisch 
aan also um möglichst drastische Wieder- 
ler Prager Situation, ja um getreue Nach- 
ig jener Statue bemüht, die die Prager 
xrücke ziert (ihr Ursprung aus dem 
er Modell des schon an der Pestsäule 
raben beschäftigten M. Rauchmiller darf 
benso wie ihre weitere Entwicklung über- 
n werdens). Schon 1722 hatte das Diarium 
ner Nr. 48 ein „Extract Streiben" aus 
wiedergegeben, worin es von einer dort 
ichteten Nepomukstatue hieß, sie sei „von 
berühmten Bild-Hauer aus Nußbaum- 
nach Form und auch schier Mesur der 
:n dieses Heiligen, welche auf der Prager 
an stehet, künstlich und lebhaft ge- 
tet". Pavia war damals mailändisch- 
aichisch, und an die Mailänder Tradition 
[eiligenverehrung darf in diesem Zusam- 
ing erinnert werden, zumal sie durch des 
's Namenspatron Karl Borromäus seit 
n in ganz Europa vorbildlich geworden 
Nun fällt aber ein Unterschied in den 
tmsberichten auf, soweit sie die Vereh- 
des heiligen Nepomnk etwa in Wien, 
eich oder Böhmen einerseits behandeln, 
1 entfernteren Ländern oder Städten an- 
eits, z. B. im eben erwähnten Pavia, in 
ta auf Sizilien oder später auch in der 
zichischen Walachei. In Pavia wird die 
i in einer „Geist-Militärischen Procession" 
die ganze Stadt zur Brücke begleitet. 
eine Kompanie Kürassiere vom kaiser- 
Regiment Loccatelli, gefolgt von vieler- 
derem kaiserlichen Militär, drei Bruder- 
zn, den Karmelitern, den Feuerwerkern 
tiserlichen Artillerie u. v. m. Nicht weni- 
cheint das kaiserliche Protektorat auf 
n präsent. Sizilien war während eines 
1er Regierungszeit Karls VI. österreichisch. 
er Kaiser für den Platz vor der Kirche des 
an Dominicus in Palermo „IOOO Thaler" 
ine Mariensäule spendet, dieses 
liche Engagement im Wiener Diarium am 
i ausdrücklich erwähnt. Desgleichen bei 
Nepomukstatue, die in Messina als „erste 
:he Statua" überhaupt aufgerichtet wurde 
laher schon durch das abermals betont 
rische Zeremoniell eine Menge Volkes an- 
iindeutig heißt es hier in den Inschriften 
Yiariumsmeldung vom 18. Dezember 1723: 
inante Carolo Vl Rom. Imp. Germ. Hisp. 
wird 
Hung. Bohem. Utriusque Siciliae etc. Rege" 
und weiter „Sub Zelante Gubernio Excel]. ac 
Illustr. Domini Domini Georgij Olivieri Co- 
mitis de Wallis Generalis et Gubernatoris Urbis 
Messanae". Nicht weniger präsent ist das kaiser- 
liche Regiment bei der Installierung des Nepo- 
mukkults in anderen entfernteren Gebieten der 
habsburgischen Einflußsphäre. Ninnnt man die 
Situation nach der einige Jahre später erfolgten 
Heiligsprechung in diesem Zusammenhang vor- 
weg, so ist auf den Diariumsbericht vom 16. 
September 1730 zu verweisen, der sich seiner- 
seits wieder auf eine Meldung vom 28. August 
aus der „Österreichischen Walachei" bezieht. 
Darin heißt es, um des Johannes v. Nepomuk 
„Glor und Ehr auch in selbiger Provinz ein- 
zuführen", habe man „die von Wien dahin 
unverletzt gebrachte und diesem Heiligen ge- 
widmete große Statua auf dasigem Platz... 
aufstellen lassen" und die üblichen Zeremonien 
veranstaltet, wie etwa die „Loßbrennung des 
großen Geschützes". Genannt wird auch der 
eigentliche Akteur dieser Verpflanzung des Ne- 
pomukkults: es ist der kaiserliche Landeshaupt- 
mann. 
Und nun gegenüber solcher Präsenz kaiser- 
licher potestas der Kontrast in Wien, in Öster- 
reich, in Böhmen! Weder Kaiser llOCh Kaiserin 
sind beim feierlichen Gottesdienst in St. Stephan 
anwesend, der nach der Seligsprechnung ge- 
halten wird. Das Diarium vom 20. Mai 1722 
meldet nur die Teilnahme der Kaiserinwitwe. 
Selbst sieben Jahre später, nach der Kanonisa- 
tion, berichtet das Diarium zwar von einem 
großen Nepomukfest in Wien, nicht aber von 
einer Anwesenheit des Kaisers, der jedoch 
am selben Tag, den 10. Mai 1729, am Gottes- 
dienst anläßlich der Kanonisation der viel we- 
niger bekannten Margarita von Cortona teil- 
nimmt. Geradezu auffällig wird diese Zurück- 
haltung anläßlich der Reise der Majestäten zu 
den Krönungsfeierlichkeiten in Prag. Zu einer 
Zeit, da das Diarium allenthalben von Nepo- 
mukfeiern rings im Lande berichtet, von Ehren- 
pforten, Prozessionen anläßlich seiner Selig- 
sprechung (vgl. etwa die Meldungen am 20. 5. 
1722, 5. 5. 1723, 25. 5. 1723, 7. 6. 1723) wird 
unter den festlichen Zurüstungen an allen Sta- 
tionen der kaiserlichen Reise nichts von An- 
dachten und wenn - wie aus Prag am 7. Juli 
1723 - nur der alten pietas austriaca gemäß, 
von solchen vor der dortigen Dreifaltigkeits- 
säule und der Mariensäule berichtet (vgl. auch 
die Nummer vom 15. 8.). Selbst in Prag scheint 
den Berichten zufolge keine Johannes-von-Ne- 
pomuk-Andacht stattzufinden, und falls einmal 
das Grab des Märtyrers besucht wird, so ist es 
die Kaiserin, die sich aus diesem Anlaß in den 
Veitsdom begibt, und nicht der Kaiser (vgl. die 
Ausgaben vom 27. 7., 8. 9., 5. 10.). Lediglich 
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