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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 118)

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fierte Darstellungen vor. Die Marktszenen von 
Johann Nepomuk Geller sind ein erster Schritt 
zur Belebung im Zeichnerischen wie im Male- 
rischen, einerseits durch die Vielfigurigkeit, 
zum anderen durch die Anwendung grellen 
Liohts, das auf Menschen und Hausmauern 
fällt. Zur gleichen Zeit hat Egon Schiele vier 
Städtebilder von Stein gemalt, die klar um- 
rissene, fast kubisch geformte Gebäude erken- 
nen lassen, wenngleich sich der Künstler die 
Freiheit nimmt, das Stadtbild nach eigenem Er- 
messen zu verändern und zu gestalten. 
Der gebürtige Kremser Franz Vinzenz Dressler 
läßt in seinen Gemälden die Form hinter die 
Farbe zurüdttreten, Er verwendet die reine 
Farbe als konkreten Gestaltwert und näherte 
sich damit der abstrakten Malerei. Seine jüng- 
sten Schöpfungen sind Reflexionen der ihn um- 
gebenden Natur, zuweilen erreicht er in seiner 
Aussage eine expressive Dichte. Carl Unger 
verkörpert mit seinen drei Stadtansichten von 
Stein die abstrakte Phase der zeitgenössischen 
Malerei, wenngleich er einen Zusammenhang 
mit der Natur wahrt und solcherart lyrische 
Landschaftsbilder schuf, bei denen die Farb- 
flächen zu zerfließen drohen. Bei Ernst Paar 
wird etwa das dargestellte Motiv des „Stadt- 
grabcns" zur Kulisse einer neuartigen intimen 
Stimmung, Leopold Hauer hingegen zeichnet 
sich durch seine feinsinnigen, ausgereiften 
Kompositionen und durch sein kühles Kolorit 
aus („Kremstal", „Rabengasse" u. a.). Dynamik 
und Statik, die nahezu zu einer Synthese ver- 
schmelzen, charakterisieren die Arbeiten des 
Kolig- und Leger-Schülers Rudolf Hradil, wo- 
bei er die Gegenüberstellung des alten und 
neuen Stadtbildes als künstlerischen Vorwurf 
nimmt. 
Die jüngste Künstlergeneration, die „Phanta- 
stischen Realisten", die den Krieg, seine Ängste 
und Wirren, wenn auch nur passiv, aber den- 
noch nachdrücklich miterleben mußten, stellen 
größtenteils den sinnvollen Aufbau der Welt 
und logische Kausalitäten in Abrede. Michael 
Coudenhove-Kalergi fügt demnach das Stadt- 
bild von Krems und Stein nach subjektiver Aus- 
wahl zusammen, Helmut Kies" „Stadtbild von 
Krems" ist eine minuziöse Arbeit und zeugt von 
der Vorliebe der Phantastischen Realisten für 
die Donauschule. Karl Korab betont mehr das 
Malerische und stellt hintergründig bizarr Ein- 
zelheiten dar. Anton Lehmden, der bisher 
Städtebilder von Wien, Salzburg, Istanbul und 
Rom ausgeführt hat, schuf eine hervorragende 
Radierung des Donautales bei Krems und Stein, 
wobei ihm diese Technik erlaubt, „seine ganze 
Subtilität im Führen der Linien und im Sicht- 
barmachen verborgener Realitäten auszuspie- 
len" (K. Sotriffer). Seine Landschaft ist men- 
schenleer, steppenhaft, stark durchlichtet, wobei 
die Gebilde, die er hervorbringt, wie Gras, 
Hügel, Fels und Wolke, ihr Eigenleben führen. 
Eine große Zahl weiterer zeitgenössischer Ma- 
ler, wie Siegfried Stoitzner, Oskar Matulla, 
Traute Dressler und Anton Stummer, ist mit 
bemerkenswerten Arbeiten bei der Exposition 
vertreten, so daß die moderne Malerei würdig 
an die Seite vergangener bedeutender Kunst- 
epochen gestellt werden kann. 
s Leopold Hauer, Krcmstal, 1971. Bleistift aquarelliert 
4 Ernst Paar, Motiv aus Krems ,.Äm Stadtgraben", 1971. 
Aquarell-Feder
	        

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