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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 118)

Zusehen eröffnen sie Tiefenschichten des Ausdrucks 
und der Gestaltung, die dem kundigen Betrachter 
Aufmerksamkeit abverlangen und damit Erlebnis- 
modi ansprechen, die von Schmuckgegenständen 
gemeinhin nicht erreicht werden. 
Da ist es beispielsweise ein - stets asymmetrisches 
- Zusammenspiel von in Gold getriebenen geschlos- 
senen, spiraligen und gekurvten Lineamenten auf 
Goldgrund. Hineinkomponiert sind farbige Email- 
felder, die zusätzlich Spannung und Lebendigkeit 
schaffen. 
Eine andere Arbeit besteht aus einer unregelmäßig 
ovalen Grundfläche, aus deren optischem Mittel- 
punkt, an der Fläche bleibend, eine zarte Fünfer- 
spirale entspringt, die sich zuletzt in einer Umrun- 
dung des Ovals beruhigt. Es ist bereits ein reiz- 
volles Abenteuer, nachzuemptinden, wie diese 
Spirale mit einer Art von seismographischer Sen- 
sibilität ihren Weg über dem leicht konvex ge- 
wölbten Basisschild zu suchen scheint, ehe es zur 
Vermählung mit dem Außenrund kommt. Doch da- 
mit nicht genug, erhebt sich aus dem selben opti- 
schen Mittelpunkt noch eine zweite Spirale, kräfti- 
ger im Querschnitt als die erste und als Dreier- 
spirale angelegt, in den Raum darüber. Damit ist 
ein Akt gesetzt, der Kühnheit erfordert und erleben 
läßt, der Blick und Empfindung bannt, wonach die 
Reise in ebenso sanfter wie endgültiger Rundung in 
die Grundfläche einkehrt. 
Die Künstlerin vermag es, die Dynamik abstrakten 
Geschehens auf eine Weise der scheinbaren Statik 
ruhender Formen zu implizieren, daß Bezugssysteme 
von drängender, bedrängender und zugleich erlö- 
sender Ereigniskraft entstehen. Und zwar, was für 
ihren Rang entscheidend ist, ohne nach Art der 
Collageure mit Anleihen bei vorgegebenen Natur- 
oder Sachformen zu operieren, die aus sich selbst 
heraus durch ein gewaltsames Nebeneinander klei- 
nere oder größere Absurditätsschocks aussenden 
und somit manipulierte Verfremdungseffekte erzie- 
len. Die Evidenz von Ulrike Zehetbauer-Engelharts 
Formen- und Farbensprache ist von einer sanften 
Unbeugsamkeit, die an Stifters Verhältnis zu den 
Phänomenen der Natur denken läßt. Aus einem 
solchen Zentrum der Persönlichkeit werden die 
Kraftfelder ihrer größeren exemplarischen Werke 
ebenso gespeist wie die Charaktere der kleineren 
Schmuckstücke zum täglichen oder festlichen Ge- 
brauch. Daraus erhellt, daß es bei ihr sehr wohl 
eine Hierarchie von Wertigkeiten gibt, und weiter, 
daß, von den tastenden Versuchen der Frühwerke 
abgesehen, alle ihre wesentlichen Arbeiten in Di- 
mensionen angesiedelt sind, hinter denen mehr 
steht als einfache oder gar gefällige Schrnuckab- 
sicht. Man denkt hier an eine Analyse Etienne 
Cache de Fertes, der, sehr im Gegensatz zu land- 
läufigen Meinungen, festgestellt hat, daß das Schaf- 
fen der Goldschmiede keineswegs immer nur im 
Kielwasser der anderen bildenden Künste, eben mit 
dem Odium des nur angewandten Mediums, segelt. 
Er weist nach, daß der Goldschmied von Rang nicht 
nur originäre Akzente setzt, sondern auch imstande 
ist, innerhalb bildnerischer Farmenevolutionen zeit- 
weise den Primat zu übernehmen. So gab es etwa 
am Ausgang der Antike eine Periode, in der aus 
Gold geschnittene Formen in der Technik des Opus 
interrasile bereits Motive der späteren geometrisch 
durchbrachenen byzantinischen Balustraden vorweg- 
nahmen. Architektur also, die bei der Goldschmie- 
derei zur Schule ging! Ähnliche Wirkirnpulse sind 
aus dem Mittelalter, aber auch aus der Jugendstil- 
periode belegbar. Wer der Goldschmiedekunst der- 
artige Möglichkeiten als immanent zugestehl, be- 
reichert das allgemeine Kunstverständnis um zu- 
sätzliche Dimensionen. Und wer aktuelle Bezüge zu 
solchen Überlegungen sucht, mag sich mit Ulrike 
Zehetbauer-Engelharts bisherigem Gesamtwerk for- 
schend auseinandersetzen. 
l Ulrike Zehetbauer-Engelhart, Brosche loben). Gelbgold, 
1B Karat, Perlen, Mondstein, grün-blou-weiß-rates Email, 
1969. Brosche (unten. Gelbgald, 1a Karat, Aquamarin, 
schwarze Perle un weiße Perlen, zarte grün-blaue 
Ernails, was 
2 Ulrike Zehetbauer-Engelhart, Ring. Gelbgold, 1a Karat, 
Amethyst, Perle, hellgrunes Email, 1969 
a Ulrlke Zehetbauer-Engelhart, Ring. Gelbgold, 1a Karat, 
Aquamarin, rot-blaues Email, 1969 
4 Ulrike Zehetbauer-Engeltlart, Brosche. Gelb- und Weiß- 
gold, 1a Karat, Topas, Madeiratopns, Saphir, m9 
ur 
wo 
Ulrike Zetletbauer-En elhart, Brosche. Gelbgold, 18 Ku- 
rat, rote, grüne und läulidie Emails, W69 
Ulrike Zehetbauer-En elhart, Brosche. Silber, grün-rot- 
gelb-blaues Email, l9 0 
Ulrike Zehetbauer-Engelhart, Brosche. Silber, Platte ge- 
schwefelt, 1970 
8 Ulrike Zetletbauer-Engelhurt, Kollier mit Ring. Gelb- 
old, 1B Karat, Smaragde, Saphire, Brillanten, Tapase, 
pale und grün-weißes Email, 1969 
9 Ulrike Zehetbauer-Engelhart, Ring und Brosche. Gelb- 
golg, 18 Karat, Topase, Opale, Perlen, blaue Emails, 
6 

	        

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