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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 118)

der Kunst. Wenn idi mich lange an einigen 
seiner Motive geübt habe, ohne mich indessen 
jemals aufs Ganze zu beziehen, so geschah dies 
als Versuch, dem Bild die bannende Kraft zu 
nehmen, mich irgendwie davon zu befreien." - 
Eine Umsetzung des Themas „Melancholie", 
die keines der Motive des Dürer-Stiches benützt, 
gibt Hrdlicka mit seiner überlebensgroßen Mar- 
morplastik eines männlichen Aktes, der die 
mächtigen Schultern weit zuriickbiegt, so daß 
die Arme vom Körper entfernt nach hinten 
hängen. Das gibt der ganzen Figur den Aus- 
druck einer gequälten, fast verzweifelten Ge- 
mütsverfassung. 
Dürers Selbstbildnisse gingen ein in die Ge- 
mälde von Oelze und Heidelbach, in die far- 
bigen Prägegraphiken von Vennekamp und 
Ortega, die Kreidezeichnungen von Saura und 
vor allem in die Rollagen von jifi Kolar. Er 
kombinierte das Madrider Selbstbildnis Dürers 
mit Farbreproduktionen nach 16 Gemälden an- 
derer Meister, darunter Leonardo, Altdorfer, 
Guardi, Canaletto, Delacroix, Munch und Pi- 
easso. - Die Beschäftigung mit Dürers Bild- 
nissen führte aber auch zum eigenen Selbst- 
porträt, so bei Grützke in realistisd1er Unmit- 
telbarkeir und bei Hausner zur Mystifizierung 
des eigenen Ichs mit der Gestalt des Adam. 
Daher ist es nicht von ungefähr, wenn Hausner 
in seiner schriftlichen Äußerung zum Thema der 
Dürer-Hommage heute schreibt: „Albrecht Dü- 
rer übt auf mich eine starke Anziehungskraft 
aus . . ., meines Wissens ist er der erste Künstler, 
der seine eigene Person ins Zentrum rückt . . . in 
seinen Selbstbildnissen ist er allein Anlaß ge- 
nug, um über sich und seine Zeit Auskunft zu 
geben. Damit ist jene Skepsis bestätigt, die auf 
ideologische Rahmenhandlungen verziditet und 
den heutigen Künstler dazu drängt, bei seinen 
eigenen Voraussetzungen zu beginnen. So habe 
ich meine Hommage a Dürer nicht als Be- 
nützung Dürerscluer Motive und deren Über- 
setzung in eine aktuelle Ästhetik verstanden, 
sondern mich bemüht, dem Meister durdi den 
Beleg seiner weiterwirkenden Tendenzen mei- 
ner Verehrung zu erweisen." 
Neben diesen drei zentralen Themengruppen 
Melancholie, Selbstbildnisse und kunsttheorc- 
rische Studien fanden natürlidi auch andere 
Dürer-Themen Eingang in neue Rezeptionen. Die 
Landschaften regten den Graphiker Eliasberg 
und Otto Dix an, der noch vor seinem Tode 
seine Teilnahme an dieser Ausstellung zusagte. 
Eridi Brauers märchenhaftes Adam-und-Eva- 
Bild ist ebenso eine wundersame Landschaft in 
Blau-, Grün- und Brauntönen wie ein Figuren- 
bild. - Zum Thema „Pferd und Reiter" gaben 
Marini und Cremonini großartige Arbeiten. Mit 
den einst so populären Dürer-Blättern der „Vier 
apokalyptischen Reiter" und des „Ritter, Tod 
und Teufel" befaßten sich nur wenige Künst- 
ler unserer Gegenwart. Dem Holzschneider 
Hansen-Bahia ist die Umsetzung in eindrucks- 
voller Weise gelungen. - An eine Verwendung 
der Kohlezeid1nung von Dürers Mutter, von 
deren starker künstlerischer Einprägsamkeit 
einige der an dieser Ausstellung beteiligten 
Künstler in ihren schriftlichen Äußerungen 
sprechen, hat sich nur ein einziger herangewagt: 
Ipousteguy. Er schuf eine dreiteilige Marmor- 
plastik mit einem liegenden Kopf, der von 
zwei geometrisierenden Steinblöcken gerahmt
	        

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