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fullscreen: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 5 und 6)

Decollete, mit rosa Shawl, und das 
Sitzbildchen eines jungen Mannes im 
Besuchsanzug, den Stock zwischen 
den Knien (wenn die Datierung ver- 
läßlich, 184,0). Anderes ist „cosa rara", 
aber nicht ohne künstlerisches Inter- 
esse. So das Bildchen eines alten, ganz 
kleinbürgerlichen Frauchens vom Gra- 
phiker Mansfeld (Herr Hermann Flö- 
ge), in rosa Schürze, Gebetbuch und 
gefaltetes Taschentuch im Schoß; 
ein wahres Präparat von Gerunzel des 
Gesichts und Geblümel der Kleider- 
stoffe. Ein verschollener Wiener Por- 
trätmaler Schlesinger, der nach Paris 
gegangen sein soll, hat ein in glatter 
Empireplastik gemaltes tüchtiges Bild 
des alten Dominik Artaria, der auch 
von Peter Krafft, aber mehr mit David- 
schen Allüren, konterfeit ist. Am mei- 
sten fesseln freilich die großen Talente 
der Zeit. Die Waldmüller, Danhauser, 
Eybl, Amerling, Dafünger, Kriehuber, 
bis zu Rudolf Alt, hinter dessen Land- 
schafterei wahrlich eine starke Por- 
trätkraft gesteckt hat. Den Beginn 
macht natürlich Füger mit bekannten 
Porträts aus der akademischen Galerie; 
in der bekannten Goldluft, als solle 
eben jener Dukatenregen auf Danae 
niedergehen. 
In einer Reihe Waldmüller kommen Meisterstücke vor, wie das kleine, aber so durch- 
greifend gemalte Selbstporträt (Dr. Heymann) und das köstliche, in gleichem Besitz 
befindliche Bildchen seiner Braut, im rosa Seidenkleid, eine hellrosa Rose an die Brust 
steekend, all diese Rosigkeit von einem roten Sarnmtsessel abgehoben, und dazu in Teint 
und I-Iaar eine goldige Blondheit. Ein Meisterbild ist auch ein männliches Porträt aus 
Miethkeschem Besitz, von leuchtendem Glanz des Fleischtons, der Mund zum Sprechen 
beredt. Ein sehr gutes, kleines Porträt, fast heiter in seinem schulmeisterlichen Habitus, 
stellt den Buchdrucker Bayer vor und soll von Moll unlängst auf einer Versteigerung um 
x 55 fl. gekauft worden sein. Auch solche gezogene Promessen kommen noch vor. Ganz 
frühe Waldmüller sind zwei Miniaturbilder seiner Eltern (Dr. Heymann), richtige wasser- 
farbige Pinselarbeiten im Biederstil, aber schon von kräftiger Charakteristik. Ein wenig 
bekanntes Selbstporträt Waldmüllers, im englischen Vierkragenrock, nur leicht angefärbelt, 
besitzt Herr Sturany. 
Von Danhauser, um bloß Privatbesitz zu zitieren, sieht man den energisch in Ton 
gesetzten Kopf des Komponisten Schupanzig (Frau Hofrat v. Lang-Littrow) und das vor- 
zügliche Doppelporträt Karl und Auguste v. Littrow. Das Ehepaar sitzt traulich auf 
braunledernem Sopha, die Dame, mit kurzgeschnittenem Blondhaar, trägt ein dunkelrotes 
I-Iauskleid. Danhausers Kolorismus wirkt selbst in dem winzigen Bildchen des Bildhauers 
Klieber (Stadt Wien), der so lebendig über den Brillenrand wegguckt. Unter den erwähnten 
Eyblschen Bildchen ist das einer Dame von gelblichem Teint, mit dicken schwarzen 
Scheiteln über die Ohren herab, besonders in der Wolle gefärbt. Dafhnger dagegen ist den 
 
Bluse, Weißstiekerei, Entwurf von Franziska Hofmanninger 
45'"
	        

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