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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 119)

Kabinett im Reichsmuseum in Amsterdam ent- 
spricht, welches von Möller ebenfalls als tiro- 
lisch bezeichnet wird 12. Auch dort sind Tiere, 
allerdings nur Vögel, auf Laden und Türen 
verwendet. Eine Herkunft aus dem tirolisdien 
Kunstbereich kann beim Kremsmünsterer Ka- 
binett jedoch nicht angenommen werden, da es 
erwiesenermaßen in Linz entstanden ist m. Da 
der Zusammenhang mit den beiden Stodshol- 
mer Kabinetten sehr stark ist, wäre es durchaus 
möglich, daß auch diese durch Krapf entstan- 
den sind. Die Lokalisierung der oben genann- 
ten Kabinette nach Tirol ist durch nidits be- 
legt. Tiroler Kabinette mit ähnlichen Motiven 
weisen eine wesentlich volkstümlichere Ausfüh- 
rung auf". Auch sind Tierdarstellungen auf je- 
nen Stücken selten. Zumeist handelt es sich, wie 
bei dem Kabinett des Innsbrucker Servitenklo- 
sters, um reine Ruinendarstellungenß. Inner- 
halb der oben genannten Kabinette finden sich 
große Übereinstimmungen. Die Eber- und die 
Einhorndarstellung des Kabinetts im Nordiska 
Miiseet ist fast identisch mit der des Kabinetts 
in Stockholmer Privatbesitz. Die Einhorndar- 
stellung des Kremsmünsterer Kabinetts ent- 
sprid-it der des Kabinetts im Nordiska Museet. 
Das gepardhafte Tier des Kremsmünsterer Ka- 
binetts findet sich fast identisdi auf dem Kabi- 
nett in Stockholmer Privatbesitz. Der sprin- 
gende Schimmel des Kremsmünsterer Kabinetts 
findet sidi am Dedcel des Amsterdamer Kabi- 
netts 1". Man wird daher wohl den Entste- 
hungsbereich der Kabinette mit Tierdarstellun- 
gen und leicht volkstümlichem Kolorit nicht nur 
nach Tirol, sondern in den gesamten alpenlän- 
dischen Bereich lokalisieren dürfen. 
Das zweite bedeutende Beispiel des Ruinen- 
und Rollwerkstils in Oberösterreich ist die Aus- 
stattung des Schlosses Hartheim bei Eferding. 
Reste davon befinden sich im Starhemberg- 
schen Familienmuseum in Schloß Eferding und 
im Schloßmuseum in Linz. Sdiloß Hartheim ist 
als das bedeutendste profane Bauwerk der Re- 
naissance in Oberösterreich neben dem Linzer 
Schloß zu bezeichnen. Mit Sicherheit darf man 
die zwei Portale des dritten Raumes des Efer- 
dinger Museums als von dort stammend anse- 
hen, da sie das Wappen der Aspan von Hag 
und der Aspan und Zelking tragen. Eine wei- 
tere Tür im ersten Raum des Familienmuseums 
trägt ebenfalls das Wappen der Aspan und 
Zelking. Bauherr des Schlosses war Jakob As- 
pan von Hag, Kaiserlicher Rat und Landrat in 
Oberösterreich, seit 1584 vermählt mit Mar- 
garetha von Zelking und seit 1598 im Frei- 
herrenstand". Somit ergibt sich für die Her- 
stellung dieser Türen als sicherer Terminus post 
das Datum der Erhebung in den Freiherren- 
stand 1598, da das Wappen der Aspan eine 
Freiherrenkrone trägt. Die drei Türen sind 
zwar keine Vertreter des Ruinen- und Roll- 
werkstils, sie sind jedoch wahrscheinlich von 
derselben Werkstätte gefertigt wie die drei Tü- 
ren des Linzer Museums, die aus Starhemberg- 
schem Besitz stammen 18. Obwohl die Herkunft 
der Linzer Türen aus Sdiloß Hartheim nicht 
hundertprozentig belegt ist, darf man nach der 
Starhembergsdien Tradition und auf Grund 
von stilistisd1er Übereinstimmung mit den Wap- 
pentüren annehmen, daß sie von dort stam- 
men. Bei der Umwandlung des Sdilosses in 
eine Irrenanstalt Ende des 19. Jahrhunderts 
20 
wurden alle Einrichtungsgegenstände entfernt. 
Der architektonische Aufbau der Linzer Türen 
stimmt weitgehend mit den großen Wappen- 
tiiren von Schloß Eferding überein. Auch die 
Arabeskenornamente und die Eisenarbeiten sind 
weitgehend ähnlich. Der Aufbau der beiden 
Wappentüren ist in der Dreiteiligkeit des Un- 
ter- und Oberbaues denen des Linzer Museums 
vergleichbar. In beiden Fällen werden die bei- 
den Türfüllungen durch einen eingelegten Rah- 
men eingefaßt. Die untere Füllung ist in bei- 
den Fällen ornamental. Türbeschläge und 
Schlösser sind in Eferding und Linz identisch. 
Die Beschläge bestehen aus Arabeskenranken, 
die Schlösser weisen kleeblattförmige Endun- 
gen auf. Die Türen werden von zwei Säulen 
gerahmt, die ihrerseits von Pilastern eingefaßt. 
sind. Säulen und Pilaster stehen auf gestreck- 
ten Sockeln, die reich mit Arabeskenranken 
und geometrischen Formen verziert sind. Über 
den Säulen liegt ein Gebälk, weldies in Efer- 
ding mit aufgesetzten Ranken und Triglyphen, 
in Linz jedoch mit Intarsien verziert ist. Der 
Aufbau ist in beiden Fällen dreiteilig, das Mit- 
telfeld mit Giebel ist bei den Linzer Portalen 
breiter. Die Seitenfelder weisen in Linz eine 
Arkade aus Diamantsithnitt auf, in Eferding 
Pilaster mit Gebälk. Auch bredien sie in Linz 
nicht abrupt ab, sondern werden durdi eine 
Schräge mit dem Gebälk verbunden. In beiden 
Fällen werden sie von Vasen gekrönt. Die ent- 
scheidendste Gemeinsamkeit in der Gestaltung 
liegt darin, daß die Linzer Türen deutliche 
Ähnlichkeit im Ornament zu den Eferdinger 
Wappentüren aufweisen. Es handelt sich um 
eine Maureskenranke, die die Seitenpilaster so- 
wie die Seitenfelder der Eferdinger und die 
Sockel der Linzer Türen füllt. Auch die untere 
Tiirfiillung der Linzer Türen entspricht dem 
Sockelornament der Tür mit dem Wappen der 
Aspan, die Rahmen- und Säulenornamentik 
eher der Tür mit Doppelwappen. Während die 
Eferdinger Türen keine Zeichen des Ruinen- 
und Rollwerkstils aufweisen, können die Lin- 
zer Portale diesem zugerechnet werden. Das 
mittlere Aufsatzfeld trägt die eingelegte Dar- 
stellung der Europa auf dem Stier in einer 
Rollwerkumrahmung. Eine ähnliche Darstel- 
lung findet sich auf einem Sd-ireibtisda im Na- 
tionalmuseum in Stockholm. Die Seitenfelder 
zeigen weibliche Genien". Besonders reich sind 
die Zusammenhänge im Ornament. Säulen und 
Türrahmen zeigen Mauresken, vergleichbar de- 
nen des Tiroler Halbschrankes im Bayrischen 
Nationalmuseum. Die Sodtelornamente der Lin- 
zer Tiiren sind vergleichbar denen einer der 
Augsburger Türen des Escorial, die der Efer- 
dinger Türen denen des Doppelpilasters im Ti- 
roler Volkskundemuseum. Die Gebälkorna- 
mente der Linzer Türen ähneln den Ornamen- 
ten des Kabinettschranks im Germanischen Na- 
tionalmuseum in Nürnbergz". Die oberen Tür- 
füllungen der Linzer Portale Zeigen musizie- 
rende Bauern und Jäger sowie Simson im 
Kampf mit dem Löwen, mit deutlichen Merk- 
malen des Ruinen- und Rollwerkstils. Die Lin- 
zer Türen stellen gewissermaßen eine provin- 
zielle Ausgabe der berühmten Augsburger Tü- 
ren des Escorial dar. 
Die im Starhembergischen Familienmuseum be- 
findliche Decke, die der Tradition nach eben- 
falls aus Schloß Hartheim stammt, stimmt weit- 
1,4 Kllllneüidilänk von Kaspar Kflpf, Innenseite der Türen, 
1591. Stift Kremsmilnslcr 
s Kalllnetßdifink von Kisplr Kripf, Innere Ladenfront, 
1591. Stift Kremsmünstcr 
ANMERKUNGEN 12-10 
" Möller Abb. 177. 
ß Müller 5. 12x i. 
'ller Abb. us, 143. 
'ller Abb. 114. 
'ller Abb. 175. 
H Erwin Hainisdi, Denkmal: den Bildenden Kunst, _ a" oe- 
sdiidite und der Kultur im Polinsd-ien Bezirk Eferding, Linz 
1933, s. 7. 
"1964 vom Fürsten Sterliemberg erworben. Zwei Portale im 
Sdiloßmuseum aufgestellt, eine; im Depot. 
ß Möller Abb. 193, 152. 
" Möller Abb. 127, 85.120. 30. 
 

	        

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