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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 120)

auch Österreicher. Diese setzten sich - stärker 
als die Maler (edes anderen Landes - insbeson- 
dere im 18. Jahrhundert auf dem mährischen 
Gebiet durch, auch wenn sie damals, infolge des 
Auftretens einheimischer Maler, vorwiegend zu 
künstlerischen Aufgaben bedeutenderer Art her- 
angezogen wurden, und zwar vor allem bei 
repräsentativen Innenausstattungen. 
Etgens, der in Italien (konkret in Neapel und 
Rom) durch zeitgenössische Malschulen beein- 
flußt wurde, erlernte zwar verhältnismäßig ge- 
schickt in der Umrahmung monumentaler Schein- 
architekturen die Komposition seiner Deckenge- 
mälde zu entfalten, überwand iedoch in seinem 
Ausdruck niemals eine gewisse formale Starr- 
heit, eine Schwerfälligkeit und übermäßige Be- 
dachtsamkeit, deren Ursache wahrscheinlich 
durch seine persönliche Veranlagung bedingt 
war, zweifellos aber auch dem Einfluß des 
Milieus entsprang, das sich seine eigenständige 
barocke Maltradition eigentlich erst zu schaffen 
begann. ln den Sammlungen der Mährischen 
Galerie zeigt seinen künstlerischen Ausdruck in 
charakteristischer Weise sein Entwurf für ein 
Deckengemälde in der Czchenstochau-Marien- 
kapelle in der Kirche in Brünn-Zabrdovice 
(Obrowitz). 
Mit zwei Entwürfen für Deckenmalerei im ehe- 
maligen Landtagssoal in Brünn (Allegorie auf die 
glückliche Regierung Mährens und Apotheose 
auf die Regierung der Gerechtigkeit) ist in der 
Galerie Daniel Gran (1694-1757) vertreten, der 
- ähnlich wie in Böhmen - auch in Mähren nur 
gastierte. Die kompositorische Klarheit und farb- 
liche Einfachheit verliehen den beiden Brünner 
Werken dieses Zeitgenossen von B. Altomonte 
und P. Troger eine lyrisch getönte Ruhe, die 
durch die Art der Formung von etwas schweren, 
gleichmäßig akzentuierten Figuren unkomplizier- 
ter Konturen unterstützt wurde, welche - wie es 
auch die beiden Brünner Entwürfe Grans zeigen 
- insbesondere in den Deckenmalereien in ein 
übersichtliches, harmonisches Kompositionssy- 
stem eingeordnet sind und sich mit ihrer bunten, 
flachen Farbgebung vom atmosphärisch durch- 
leuchteten Hintergrund abheben. 
Von den Barockporträts erwähnter Sammlung 
kann man - außer dem Selbstporträt von Etgens, 
robust gemalt - das Porträt eines Mannes van 
Peter van Roy (tätig zwischen 1706-1738 als kai- 
serlicher Kammermaler in Wien), den man als 
Lehrer von Maulbertsch annimmt, anführen. Das 
Bild reiht sich an Roys andere Arbeiten in Mäh- 
ren,und zwar an dieAltarbilder in der Pfarrkirche 
von Uhersky Brod (Ung. Brod). An diesen ist in 
viel höherem Maße als an dem angeführten 
Porträt die flämische Herkunft des Malers sicht- 
bar. 
Der Autor des Bildes mit dem Thema Die hl. 
Sippe, das aus dem Kloster in Raihrad (Raigern) 
stammt und jetzt in der Brünner Galerie auf- 
bewahrt wird, ist J. T. Rotter (1701-1763). Das 
Werk gehört zu der Äußerung des Malers, die 
für den späten Abschnitt seines Schaffens maß- 
gebend ist. Dieser ist durch den streng rationa- 
listischen Aufbau der Komposition charakteri- 
siert, der bewußt mit der Eingliederung subtiler 
Figuren von Heiligen - in etwas matten Farben 
behandelt - arbeitet. Diese Figuren werden in 
den Bildraum, konstruiert mit Hilfe der gemalten 
architektonischen Elemente, eingegliedert. Rot- 
ter, der außer anderem z. B. für die Altbrünner 
Kirche, für die Brünner Thomas- und Kapuziner- 
kirche arbeitete, kann als Vertreter des Aus- 
gleichspols jener malerischen Richtung in Mähren 
gelten, die durch den Einfluß von P. Troger 
von expressiven Farb- und Lichtwerten getragen 
wurde. 
Der Einflußsphäre von P. Troger, der auch ge- 
legentlich in Mähren gearbeitet hat, zählt man 
u. a. J. L. Kracker (1717-1779) hinzu, der auf 
mährischem Gebiet vorwiegend in Klosterobiek- 
ten arbeitete, sei es in Nova Rise [Neureisch), 
Znoimo (Znaim), Mor. Tiebova (Mähr. Trübau) 
oder in Brünn. Die Bilder aus dem Besitz der 
Mährischen Galerie (Hl. Sebastian, Hl. Sippe, 
Das Gastmahl des hl. Antonius) zeigen - auch 
wenn sie nicht zu Krackers besten Werken ge- 
hören -, daß, ähnlich wie bei Troger, auch bei 
Kracker das auffallendste Merkmal für den ln- 
halt der feierliche Ernst ist. Die großzügige 
Komposition, die sich in seinen Bildern gewöhn- 
lich nur auf einige wenige Figuren konzentriert, 
unterstreicht noch den feierlichen Ausdruck. Die- 
sen vervielfachte der Maler durch seinen Sinn 
für eine volle, übersichtlich arrangierte und 
plastisch durchmodellierte Form. Zugleich zeugt 
das Werk auch von starkem Gefühl für die 
Farbgestaltung, die die Details oft leicht ex- 
pressiv pointiert. 
Krackers Werk war vorn Ausdruck her wesent- 
lich gemäßigter als ienes eines anderen Troger- 
Schülers, nämlich F. A. Maulbertsch (1724-1796), 
der, insbesondere in seinem Werk der fünfziger 
und sechziger Jahre, die in der Malerei seines 
Lehrers enthaltenen expressiven Elemente auf 
radikale Weise steigerte. Die Maulbertsch-Skiz- 
zen und kleinen Hängebilder dokumentieren in 
den Sammlungen der Mährischen Galerie das 
Schaffen dieses Künstlers, der für die Entwick- 
lung des Spätbarocks in Mähren durch einen 
bestimmten Teil seines direkt für dieses Land 
entstandenen Werkes eine große und unmittel- 
bare Bedeutung hatte. Maulbertsch beeinflußte 
den ganzen Kreis mährischer Maler, von denen 
manche auch in der Brünner Galerie vertreten 
sind. 
Außer den bereits früher bekannten Arbeiten 
von Maulbertsch (die rokokoartig zarte Szene 
mit Rebekka und Eliezer am Brunnen, die bril- 
lant gemalte Entführung [Legendenszene], die 
schwungvoll skizzierte Diana und Kallisto oder 
die ikonographisch bisher unklare Schlachtszene) 
erwarb das genannte Brünner lnstitut vor kurzem 
zwei kleine Maulbertsch-Werke. Es sind Entwürfe 
für das Deckengemälde in der Hippolytkirche von 
Hradistä bei Znoimo (Znaim). Diese sind male- 
risch und der Komposition nach bestimmt inter- 
essanter und vor allem qualitativ besser als die 
andere Skizze zu Maulbertschs definitivem, im 
Jahre 1767 für Mähren entstandenem Werk, 
das ebenfalls zu den Sammlungen der Mähri- 
schen Galerie gehört, und zwar der Entwurf zum 
Altarbild der Kirche in Piedklasteti (Vorkloster 
bei Tischnowitz) mit dem Thema Die Predigt 
Johannes des Täufers. Das Maulbertsch mit ge- 
wissem Vorbehalt neu zugeschriebene Gemälde 
Maria Magdalena mit Christus bei Simon dem 
Pharisäer ist wahrscheinlich eine Nachbildung 
des Bildes, das sich im Jahre 1962 im Wiener 
Privatbesitz befand. (Publiziert in Alte und mo- 
derne Kunst, Jg. 7, 1962, Heft 60161, S. 39). 
Es reiht sich, wie es scheint, an iene Kompo- 
sitionen, auf die der Autor, eventuell seine 
nächsten Mitarbeiter zurückkamen, wodurch 
entweder eine Replik oder aber eine Variante 
entstand. Das war auch bei einem kleinen Bild 
von Josef Winterhalder d. J. (1743-1807) der 
Fall, mit dem ikonographischen Thema Christus 
erscheint dem ungläubigen Thomas, das eine 
Replik von Maulbertschs Variante des Entwurfs 
zum Bild des Hauptaltars in der Brünner Thomas- 
kirche ist. (Eine dritte kleine Komposition, die 
auch im Format mit dem angeführten Wiener 
Maulbertsch fast identisch ist und sich nur un- 
wesentlich vom Brünner Winterhalder unter- 
scheidet, befindet sich in der Olmützer Galerie.
	        

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