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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 120)

Unter dem Einfluß von Maulbertsch stand auch 
J. l. Havelka (1716-1788) - in der Mährischen 
Galerie ebenfalls vertreten -, der zu ienen 
mährischen Malern gehört, welche die Malweise 
ihres großen Vorbildes zu erzählend aufgefaß- 
ten Gemälden mit Szenen aus dem Leben von 
Heiligen verflochten, wie sie von ihrer Hand für 
kleinere Orte, hauptsächlich auf dem Lande, 
entstanden. Diese Maler drückten durch eine oft 
erzählerisch überwuchernde Manier, die manch- 
mal sogar grotesk gesteigert war, einen beton- 
ten Inhalt aus. Der Auffassung der Form ent- 
sprach auch die Auffassung der Farbe, die le- 
bendig, unproblematisch und kernig war. Diese 
aft auch mit schriftlichen Legenden versehenen 
Bilder waren gut verständlich, inhaltlich klar, so 
daß sie - was ihre Bedeutung anbelangt - eine 
gewisse Art vereinfachter Rakokoanalogie der 
mittelalterlichen Armenbibel darstellten. Dieser 
in Möhren ziemlich stark verbreitete malerische 
Ausdrud( gelangte manchmal, z. B. bei Seba- 
stini oder Günther, bis an die Grenze der Volks- 
tümlichkeit. Der zu dieser Gruppe mährischer 
Maler gehörende Havelka hielt die oben ange- 
führte Tendenz des malerischen Sdiaffens - un- 
geachtet aller seiner Abweichungen - auf einem 
verhältnismäßig hohen Niveau, was manche Bil- 
der der ziemlich reichen Havelka-Kollektion, die 
die Mährische Galerie besitzt, beweisen. 
Ein weiterer Maler, der in der Brünner Samm- 
lung der mährischen Malerei des 18. Jahrhun- 
derts vertreten ist, ist Josef Stern (1716-1775). Er 
stammte aus Graz und kam um das Jahr 1750 als 
fertige Persönlichkeit nach Möhren, nachdem er 
die Grundlagen seiner Malkunst in Italien er- 
worben hatte. Während seines ein Vierteljahr- 
hundert währenden Aufenthaltes in Mähren glich 
auch er in einem bestimmten Zeitabschnitt sein 
Werk dem van Maulbertsch an, was vielleicht 
seine Expressivität bedingte. Drei kleinere Werke 
Sterns aus dem Besitz der Mährischen Galerie, 
Entwürfe zu den Altarbildern für Drnholec 
(Dürnholz), Milotice (Milatitz) und St-Michael- 
Kirche in Brünn, zeigen den Maler in einer 
stilreifen Entwicklungsstufe. Das Stern neu zuge- 
schriebene Altarbild Die Heimsuchung Mariens 
aus einer heute nicht mehr bestehenden Brünner 
Kirche gehört zu den stark italianisierenden Wer- 
ken von Stern, die direkt an seine Anfänge an- 
knüpfen. 
Das repräsentative Barackporträt ist in der 
Brünner Kollektion durch das Werk von F. A. 
Palko (1717-1766) vertreten. Eines der Bilder 
stellt den Bischof Ferdinand Julius Troyer dar, 
der dem Maler im Jahre 1747 Modell stand. 
Von anderen Werken des Malers, der während 
seines Lebens ein gesuchter Porträtist war, er- 
wähnen wir aus dem Fundus, der in den möhri- 
schen Schlössern aufbewahrt ist, zwei große 
Gruppenporträts von Mitgliedern der Kaiser- 
familie, welche Gemälde ursprünglich für das 
Kloster in Louka bei Znoimo (Klosterbruck bei 
Znaim) bestellt wurden. 
Von F. L. Korompays (1723-1779) Arbeiten be- 
sitzt die Brünner Galerie eine reiche Kollektion. 
Dieser Maler gehörte zu ienen mährischen 
Künstlern des späten 18. Jahrhunderts, die sich 
durch eine ruhige bis idyllische Gestaltung der 
geschauten wie der vorgestellten Welt ausge- 
drückt haben. Bestimmte Resonanzen in seinem 
Werk - außer anderen vermittelten Impulsen, 
vielleicht italienischen - widerspiegelten wahr- 
scheinlich das Farb- und Lichtempfinden von 
demselben erwähnten F. A. Palko, in dessen 
gestaltende Nähe Korompay mit höchster 
Wahrscheinlichkeit während des Brünner Auf- 
enthalts gelangte. Die Figuren der Heiligen mit 
ihren lieblichen Gesichtern und graziösen Pa- 
sen, in geschickt, wenn auch nicht allzu kom- 
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pliziert arrangierten Draperien, bewegen sich, 
besonders auf den Bildern von Kammerformat, 
gleichsam in einer von Mondlicht übergossenen 
Atmosphäre, in einem ruhigen, doch keines- 
wegs ausdruckslosen wechselseitigen Kontakt 
einer intimen Stimmung. Diese Art von Karam- 
pays Malweise zeigt in der Brünner Galerie 
typisch z. B. das Gemälde Der hl. Method tauft 
Botivo), ferner die diesem Maler neu zuge- 
schriebenen Bilder der lmmaculata, des hl. 
Thomas van Aquino, oder die wenig anspruchs- 
vollen Bilder der Heiligen Drei Könige und der 
Verlobung der Jungfrau Mariä. 
Bei einem Vergleich mit Korompay, mit Stern 
und selbstverständlich auch mit dem Kreis um 
Maulbertsch hat die künstlerische Ausdrucks- 
weise des einer Olmützer Bildhauerfamilie ent- 
stammenden J. I. Sadler (Sattler, 1725-1767) 
einen etwas anderen Stilakzent. Sadler vertrat 
nämlich in der mährischen Malerei der zweiten 
Hälfte des 18. Jahrhunderts eine vom Rakoko 
untermalte akademisierende Richtung, die in 
seinen italienischen Erfahrungen wurzelte 
(Corrado Giaquinto). Die aus dem Besitz der 
Mährischen Galerie stammenden und Sadler neu 
zugesd-iriebenen Bilder (Die hl. Sippe l., ll., 
Der hl. Petrus und Der hl. Paulus) zeigen, wie 
der Maler seine etwas trockene Komposition 
geschickt durch eine zarte, gekonnte Farbgebung 
und eine potenzierte Lichtatmosphäre überdeckte. 
Mit diesen Mitteln gestaltete er in seiner zeit- 
lich kurzen Schaffensperiode den Aufbau der 
Gemälde, auf denen die Typen der Figuren von 
seinen aus italienischen Vorbildern hervorgegan- 
genen Erlebnissen in der Regel nicht abwichen, 
zu einem Ganzen. 
lgnaz Raab (1715-1787), ein Maler-Jesuit, aus 
Nechanice in Böhmen stammend, hat mit seinem 
Werk vor allem die Ordensklöster und Kirchen 
in Böhmen und Mähran im wahrsten Sinne des 
Wortes überschwemmt. In den Sammlungen der 
Mährischen Galerie ist er durch eine reiche 
Bilderkallektion vertreten, die sein Schaffen ge- 
nügend charakterisieren und gleichzeitig auch 
den Umfang seiner schöpferischen Möglichkeiten 
zeigen. Außer dem unbezweifelbaren Kontakt 
mit der böhmischen Barockmalerei der zeitge- 
nössischen und vorhergegangenen Generation 
kannte Raab wahrscheinlich vom Augenschein 
die venezianische Rokokomalerei, auch wenn er 
nicht in Italien gewesen sein dürfte. (Die Kenntnis 
wurde ihm möglicherweise auch durch graphi- 
sche Blätter vermittelt.) Raab blieb der ihm 
eigenen Ausdrucksweise, die er sehr bald er- 
reicht hatte, in groben Umrissen während sei- 
nes ganzen Schaffens treu. Die Typologie der 
Raabschen Figuren ist beinahe konstant, eben- 
so die Kompositionsschemas und der zarte Ge- 
fühlsgehalt der Bilderszenen, die von einer 
Häufung an Aussagebestreben oft fast über- 
quellen. Die wenig problematische Farbenskala 
in den Werken Raabs bewegt sich in ihrer 
Spannweite zwischen einer tenebrösen Gesamt- 
stimmung mit aufgesetzten gedämpften Farb- 
flecken bei den Figuren (z. B. die Genreszene in 
der Landschaft, Mährische Galerie) und weich 
vibrierender, durchleuchteter Atmosphäre, welche 
die bunte Figuralstaffage hervortreten läßt (Die 
Christus dienenden Engel). 
M. J. Schmidt (Kremser-Schmidt, 1718-1801), des- 
sen Schaffen zeitlich mit dem von Maulbertsch 
zusammenfällt, hat sich in Mähren durch einige 
Aufträge Geltung verschafft, so z. B. für den 
Brünner Kartäuserorden und St. Peter, für Zäbrdo- 
vice (Obrowitz), Bulhary (Pulgarn) und Vranov 
(Wranau). In der Mährischen Galerie ist der 
Maler mit vier Ulgemälden mit dem Suiet 
des Johannes des Täufers vertreten; zwei von 
ihnen stammen aus der Sammlung des Klosters 
12 F. A. Maulbertsch, Anbetung des hl. Kreuzes. Ul 
auf Papier auf Karton, 35,4 x 44,6 cm (lnv.-Nr. 
A 1036) 
13 J. Winterhalder d. J., Die Auferstehung Christi. 
Tempera auf Papier, 29 x 37 cm (lnv.-Nr. A 499)
	        

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