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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 120)

er Differenziertheit und Harmonie der Tö- 
und ihrer feinen Ausführung bemerkens- 
st. 
Huth verglich dieses Möbel mit einem 
en „Kunstschrank mit Spieluhr" Roentgens, 
riedrich Wilhelm ll. von Preußen gehörte 
liches Kunstgewerbemuseum, Schloß 
1ik, Ostberlin). Er führt noch ein drittes, 
verschollenes Möbel desselben Typs an, 
loentgen an Ludwig XVl. lieferte. Er da- 
alle drei mit 1779. 
den Brüsseler Quellen, die uns das Datum 
lieferten, handelt es sich bei dem Möbel 
arl von Lothringen um den Prototyp, der 
Erund seines Erfolges nachgebaut wurde. 
ergleich der drei Möbel ist voll berechtigt; 
id sich sowohl im Gesamtaufbau als auch 
kor auffallend ähnlich. 
Serliner Sekretär, den Friedrich Wilhelm 
als Prinz von Roentgen kaufte, hatte die- 
I lntarsien wie der des Karl von Lothringen. 
tlich seiner Thronbesteigung (1786) ließ 
ich Wilhelm die Mitteltafel des Aufsatzes 
eine Allegorie zu seiner eigenen Verherr- 
g ersetzen und die rechte untere Türe ab- 
n, deren Gestaltung dem neuen Mittelfeld 
nlich war; an Stelle der Bildhauerei zeigte 
n die Geographie". 
Kunstschrank mit Spieluhr" Ludwigs XVl. 
hnlich dem abgeänderten Möbel des Königs 
'eußen intarsiert". 
dem Ableben des Karl von Lothringen 
t der Kunstschrank vom Uhrmacher und 
er wieder instand gesetzt und anläßlich 
'eräußerung der Wertgegenstände des 
n (Mai 1781) zur Versteigerung überge- 
löbelstück, vor dem Verkauf auf 600 Louis- 
'83O Gulden) geschätzt", wurde für 3650 
-n verkauft, das ist weniger als die Hälfte 
Jufpreises. Es blieb wahrscheinlich bis zum 
rsch der Franzosen in Belgien und ge- 
t durch Erbschaft in den Besitz des Erz- 
;s Karl (1771-1847), der es wegen seiner 
schen und mechanischen Qualitäten dem 
er Polytechnikum anbot. Das Polytechni- 
yab es 1873 dem Museum für angewandte 
Die beiden Panneaus des Audienzsaales, auf 
denen der „Raub der Sabinerinnen" und die 
„Enthaltsamkeit des Scipio" dargestellt sind, wur- 
den bereits von Hans Huth untersucht, der den 
Entwurf von einem der beiden J. Zick zuschriebü. 
Roentgen, der nach Brüssel gekommen war, um 
diesen Auftrag zu erhalten, nahm bei seiner 
Abreise mindestens drei „tableaux qui ont servi 
de modeles pour Son Altesse Royale" („Bilder, 
die als Modelle für lhre Königliche Hoheit ge- 
dient hatten"), mit. lm darauffolgenden Jahr 
brachte er zur selben Zeit, als die Boiserien 
vollendet waren, zwei Bilder nach Brüssel zu- 
rück. Dieses Hin und Her von Bildern kann auf 
zwei Arten gedeutet werden; die Entwürfe von 
Januarius Zick dürften von Werken aus der 
Sammlung des Prinzen beeinflußt sein" oder die 
Brüsseler Bilder hätten als Modelle für zwei 
kleine, in Holz eingelegte Porträts gedient, die 
Roentgen mit den Boiserien nach Brüssel sandte. 
ln diesem Falle könnte es sich um Porträts des 
Karl von Lothringen und seiner Schwester Char- 
lotte oder der Kaiserin handeln. 
Aus den Archiven erfahren wir weiters, daß 
Roentgen im Jahre 1778 in seinem Gepäck „des 
ouvrages de bronze qui ont ete dores a Bruxelles 
pour servir d'ornements d des meubles" („in 
Brüssel vergoldete Bronzebeschläge zur Ver- 
zierung von Möbeln") mitführte. Das ist ein un- 
erwartetes und sonderbares Detail. Aller Wahr- 
scheinlichkeit nach handelte es sich um Dekora- 
tionselemente von M. P. J. Dewez (1742-1804), 
dem damals bevorzugten Goldschmied Karls von 
Lothringen, der alle vergoldeten Bronzen aus- 
führte, welche die intarsierten Boiserien des 
Audienzsaales verzierten". Da die von Roentgen 
hergestellten Panneaus, die sich übrigens in 
einem sehr guten Zustand befinden, offenbar 
keine Dekorationselemente verloren haben, fin- 
det man vielleicht eines Tages ein Roentgen- 
Möbel wieder, dessen Bronzebeschläge von 
Dewez signiert sind. 
Die Panneaus waren an den Wänden zu beiden 
Seiten der Eingangstüre angebracht und von 
reichen, eingelegten Boiserien umrahmt. Sie 
blieben nach dem Tod des Prinzen an Ort und 
Stelle und wurden in das erste Fideikommiß ein- 
bezogen, d. h. Belgien wurde Eigentümer und 
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die Statthalter hatten die Nutznießung. Wir I 
men an, daß sie bei der Räumung des Lar 
vor dem Einmarsch der Franzosen nach V 
kamen. Dort gelangten sie auf demselben N 
wie der Kunstschrank mit Spieluhr in das Wie 
Museum. 
Zwei Spieltische Roentgens befinden sich el 
falls im Wiener Museum; sie kamen auf 
gleiche Art und Weise dorthin. Man findet si: 
Inventar der Möbel Karls von Lothringen: 
„2 tables de mahoni pareilles richement gar 
de bronze a medaillons servant de table 
iouer et ayant interieurement un damier c 
des tiroirs a cöte." („2 gleiche, mit bronze 
Medaillons verzierte Tische, die als Spielti: 
dienen und innen ein Schachbrett mit seitlic 
Laden haben"."] 
Diese kurze Beschreibung trifft genau auf 
zwei kleinen Wiener Tische zu. Die mit e 
orientalischen Szene eingelegte oberste Plt 
klappt nach hinten und gibt nacheinander 
Schachspiel, einen grünen Filz für ein Kar 
spiel und ein Puffspiel frei, das mit einem c 
lichen Mechanismus zum Vorschein kommt 
der „coffre-fort" im Kunstschrank. Die schmüci 
den Medaillons, die einen antiken Männerk 
im Profil zeigen, sind im Typ gleich; auf c 
einen Tisch sind sie aus Silber, auf dem ande 
aus Bronze. Diese Tische wurden vom Her 
von Sachsen-Teschen als Familiengut zurücl 
worben. Er bezahlte dafür 340 Gulden". 
Ein letztes Möbelstück müssen wir noch ant 
ren, das wir leider nicht ausfindig machen kc 
ten. Vielleicht entdecken wir es Dank der zi 
lich ausführlichen Beschreibung, die Karl 
Lothringen davon gibt: 
„Ein großer ,bonheur du iour', auch in Markt 
rie, aus der Werkstatt in Neuwied mit Figu 
aus gefärbten Hölzern und mit VSFQOlCiI 
Bronze sowie einer kleinen Galerie darüber 
der obere Teil dieses Sekretärs klappt n 
unten auf und es befinden sich darin: ol 
Fächer zum Ablegen von Blättern, dort s 
meine Erfahrungen und Geheimnisse; dann 
numerierte Laden, darüber freier Platz, um aL 
legen, was man will. In der Mitte ist ein klei 
Schrank, der sich verschließen läßt, dort s 
sechs Laden und eine Nische, in die man 
 

	        

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