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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 120)

Notizen 
Wien, Albertina - 
Die Dürer-Zeichnungen 
Erstmals zeigte die Albertina vom 12. Oktober bis 
19. Dezember 1971 ihre vollständigen Bestände an 
Zeichnungen und Aquarellen Dürers. Insgesamt 139 
Blätter, darunter viele der schönsten und wertvollsten 
Arbeiten des anläßlich seines 500. Geburtstages 
weltweit gefeierten Künstlers. Die von einem 
vorbildlichen Katalog begleitete Schau bemühte 
sich unter Zugrundelegung neuester Forschungs- 
ergebnisse um „einen möglichst sachlich-analytischen 
Zugang zur Größe dieses Meisters an der Schwelle 
zu einem neuen Zeitalter". Gereinigt von zweifel- 
haften Zuschreibungen beziehungsweise Kopien 
wurde eine neue Chronologie der garantierten 
Dürer-Originale aufgestellt. Eine wertvolle 
Ergänzung stellte das aus Nürnberg importierte 
Dürer-Studio dar. Es eröffnete vor allem der 
Jugend anregende didaktische Zugangsmäglich- 
keiten zu einem besseren Verstehen von Werk, 
Techniken und Absichten dieses in Wien dank 
der Sammelleidenschaft Rudolfs ll. so außer- 
gewöhnlich repräsentativ vertretenen Künstlers 
(Abb. 25, 26). Peter Baum 
Wien, Österreichische Galerie - 
Widmung eines Gemäldes von 
Franz Anton Zeiller 
Der Österreichischen Galerie ist vom Verein der 
Museumsfreunde in Wien aus Anlaß seines 
fünfzigiährigen Bestehens anstelle einer besonderen 
Feier ein Gemälde von Franz Anton Zeiller (1716 
bis 1793) gewidmet worden. 
Franz Anton Zeiller ist einer der bedeutendsten 
Freskenmaler in Tirol nach Paul Trager und war 
bis ietzt in keiner Wiener Sammlung, auch nicht 
im österreichischen Barockmuseum, vertreten. Die 
Skizze ist um so bedeutender, als sie einen Entwurf 
für die Freskendecke der Pfarrkirche in Stams von 
1755 darstellt. 
Damit ist es erstmals gelungen, ein Werk dieses 
bedeutenden Tiroler Malers für Wien zu erwerben 
(Abb. 27). n 
Italien - Österreichisches Kulturinstitut 
Aspekte der europäischen Graphik 1971 
Vor einer Neuordnung der Kunstbiennale 
von Venedig 
Während seit Jahren in iedem Herbst in Venedig 
ein Festival des Films, des Theaters und der Musik 
stattfindet, stand die bildende Kunst bisher nur in 
iedem zweiten Jahr bei der Internationalen Kunst- 
biennale zur Debatte. Es war die Initiative des 
neuen Vizekommissärs dieser Biennale, Maria 
Penelope, auch heuer, in einem sogenannten 
biennale-freien Jahr, parallel zu den übrigen 
Festivals eine Ausstellung zu organisieren, welche 
den Aspekten der europäischen Graphik der 
Gegenwart gewidmet ist. 
Wenn man bedenkt, daß die Ernennung Mario 
Penelopes im Juni letzten Jahres erfolgte und die 
Ausstellung bereits im September eröffnet werden 
konnte, können wir darin bereits zwei wesentliche 
Züge für die neue Ära in der Leitung der Venezianer 
Kunstbiennale erkennen: die persönliche Dynamik 
des verantwortlichen Organisators und zugleich 
dessen Bestreben, die bildende Kunst als wesent- 
lichen Teil in den geistigen Auseinandersetzungen 
unserer Zeit ständig präsent zu halten. 
Der iunge Kunstkritiker ltalo Mussa, welcher ebenso 
wie Penelope selbst wiederholt für die österreichische 
Gegenwartskunst eingetreten ist, besorgte die 
organisatorische Aufgabe und die Gestaltung der 
Ausstellung, welche im Museum für moderne Kunst, 
in Longhenas glänzendstem Barockpalast Venedigs, 
in der Ca' Pesaro untergebracht ist. Sie bietet in 
knappen Zügen einen Uberblid: der einzelnen 
Tendenzen in den Bereichen der graphischen 
Künste im gegenwärtigen Europa. Außer Italien 
sind 16 europäische Staaten vertreten: Belgien, 
Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, 
48 
Holland, Jugoslawien, Norwegen, Österreich, 
Polen, Rumänien, Schweden, die Schweiz, Spanien, 
Tschechoslowakei und Ungarn. 
Da es sich zugleich um eine Bestandsaufnahme als 
auch um ein didaktisches Unternehmen zur 
Papularisierung der Graphik unter dem Publikum, 
welches eigentlich zu den anderen Festivals 
erschienen ist, handelt, war es naheliegend, diesmal 
nicht sosehr die Bestrebungen der iüngeren 
Generationen zu dokumentieren, als mit den 
Werken der großen Meister aufzuwarten, wie etwa 
Delvaux, Dubuffet, Hartung, Matta, Picasso, 
Vasarely, Max Ernst, Hans Richter, Victor Pasmore, 
Sutherland, Bernik, Alechinsky, Karel Appel, 
Corneille, Asger Jorn, Mirä, Tapies und Max Bill. 
Für die Beteiligung Italiens gab es allerdings ein 
bewegtes Vorspiel. Einige Kunstkritiker, die selbst 
auf den Posten des Vizekammissärs der Kunst- 
biennale aspirierten, unternahmen den Versuch, die 
von ihnen favorisierten Künstler zu einer Protest- 
aktion gegen Mario Penelope aufzustacheln. So 
ergab sich schließlich die widersprüchliche Situation, 
daß der eine oder andere Künstler, welcher die 
Protestsdiriften mitunterzeichnet hatte, es sich 
doch nicht versagte, an der Ausstellung teilzu- 
nehmen. Das Protestunternehmen wurde auf diese 
Weise ad absurdum geführt. Bei den Italienern 
finden wir Enrico Bai, Afro, Burri, Cagli, Capogrossi, 
Gentilini, Guerreschi, Manzü, Marini, Arnalda und 
Giö Pamodoro, Sontomaso, Vedova und Zigaina. 
Die österreichische Auswahl wurde durdi Walter 
Zettl vom Österreichischen Kulturinstitut besorgt. 
Vor diese Situation gestellt, mußte Österreich mit 
gleich großen Namen aufwarten, die ihren inter- 
nationalen Rang haben und in Italien geläufig sind: 
Hundertwasser, Wotruba, Frohner, Hrdlicka und 
als einen der bedeutendsten Radierer Österreichs 
der Gegenwart Anton Lehmden. 
Die Reaktion der italienischen Kunstkritik war auch 
im Hinblick auf den Beitrag Österreichs überaus 
positiv. Mario Valsecchi z. B. nennt unter den acht 
hervorragendsten Graphikern auf dieser Ausstellung 
neben Picasso, Dubuffet und Sutherland die beiden 
Österreicher Frohner und Hrdlicka. 
Mario Penelope schreibt im Vorwort zum Katalog 
dieser Ausstellung: „Die Biennale wird nunmehr in 
ein Instrument der Verbreitung, der Förderung und 
des künstlerischen Experiments transformiert, 
welches die Gewißheit einer ständigen Information 
und eines ständigen Dialoges über die verschiedenen 
Sparten der bildenden Kunst zu geben vermag, 
sowohl durch dokumentarische Darstellungen als 
auch durch Versuche und Untersuchungen auf diesen 
Gebieten." 
Mit diesen Worten wird bereits in iene Richtung 
gewiesen, die bei der Einladung zur Beteiligung der 
einzelnen Staaten zur Kunstbiennale 1972 noch 
deutlicher wird: die Absage an die Form der 
Mammut-Kunstmesse als Domäne des internationalen 
Kunsthondels. 
Im November ist eine gemeinsame Arbeitstagung 
aller nationalen Biennalekommissäre geplant. Bei 
ihr soll über Struktur und gemeinsame Anliegen 
beraten werden. Österreich wird durch den Direktor 
der Neuen Galerie in Graz, Prof. DDr. Wilfried 
Skreiner, vertreten sein. Es ist ihm zu wünschen, daß 
er seine Auswahl so trifft, daß Österreich, wie 
schon sa oft, einen wesentlichen Beitrag zu diesem 
„ständigen Dialog" auf dem Gebiet der bildenden 
Kunst auch dieses Mal zu geben vermag. 
Als weiteres interessantes Projekt ist auch das 
Vorhaben Mario Penelopes zu erwähnen, im 
zentralen Pavillon der Biennale eine eigene Schau 
den Bestrebungen der iungen Künstlergeneration 
in aller Welt zu widmen (Abb. 28, 29, 30). 
Christiane David 
i: 
Au sburg - Städtische Kunstsammlungen 
Wi li Baumeister, 
Zeichnungen und Serigraphien 
In Verbindung mit dem Kunstverein Augsburg 
veranstalteten die Städtischen Kunstsammlungen 
Augsburg im HoIbein-Haus eine Ausstellung van 
60 Zeichnungen, Gouachen und Serigraphieni 
1955 gestorbenen Stuttgarter Künstlers Willi 
Baumeister. 
Die Schau vermittelte auf Grund der vorzüglii 
Qualität der Exponate ein instruktives Bild vo 
künstlerischen Bestrebungen dieses bahnbrec 
Meisters abstrakter Zeichensprache und wurd 
den Sammlungen der Familie des Künstlers, d 
Staatsgalerie Stuttgart und der Städtischen GI 
Stuttgart sowie aus Privatbesitz zusammenge 
Sie dürfte außerdem die erste größere Kollek 
ausstellung Baumeisters im süddeutschen Rau 
BerlinlDarmstadt - 
Umzug des Bauhaus-Archivs 
Wie für das Bauhaus-Archiv Hans Maria Win 
bekanntgibt, ist dieses nach Berlin umgezog 
in den nächsten Jahren ein von Walter Grapi 
entwarfenes Gebäude entstehen wird. Vorläi. 
Jänner 1972, die neue Adresse: Bauhaus-Archi 
1000 Berlin 19, Charlottenburg, Schloßstraße 1 
Tel.: [0 311) 3 07 20 45. Unverändert bleibt die 
Adresse von Hans M. Wingler: 61 Darmstadt, 
Park Rosenhöhe 15, neue Tel.-Nr. (0 61 51) 
Nürnber - 
Kunstpägagogisches Zentrum 
im Germanischen Nationalmuseum 
Dieses Institut konnte im Herbst dieses Jahres 
zweieinhalb Jahre erfolgreicher Arbeit zurück 
blicken: im Februar 1969 wurde mit vier Mitar 
begonnen, heute hat es 25. Auf der Biennale 1 
unterrichtete es 5000 Schüler, in den Ausstellui 
des Dürer-Jahres waren es bis über 27.000. 
St. Gallen - Rudolf Belling im „Erker" 
Die St. Gallener Galerie zeigte vom Novembi 
1971 bis zum 25. Jänner 1972 Skulpturen, 
Zeichnungen und Graphiken von Rudolf Bellin 
Mit Arbeiten aus den Jahren 1915 bis 1970 gal 
Ausstellung einen umfassenden Überblick übe 
Schaffen des 1886 geborenen Künstlers, der - 
allem mit seinem Frühwerk in den zwanziger 
Jahren - zu den Wegbereitern der modernen 
Plastik zählt. Eine Monographie mit einer Eint 
von J. A. Schmoll gen. Eisenwerth in Taschenb 
größe wurde zur Ausstellung aufgelegt. 
Zürich - Vorbereitung eines Werkkata 
Hans Brühlmanns 
Das Schweizerische Institut für Kunstwissensch 
bereitet einen kritischen Werkkatalog von Hai 
Brühlmann (1878-1911) vor, der in Stuttgart lel 
Eigentümer von Gemälden, Studien, Zeichnung 
oder weiteren Dokomenten sind gebeten, sich 
dem Bearbeiter, Hansiakob Diggelmann, 
Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, 
Lindenstraße 2B, Ch-BOOB Zürich, in Verbindung 
zu setzen. 
CambridgelMassJMünchen - Max Kli 
Radierungen im Busch-Reisinger-Musei 
Dreiundsiebzig Radierungen von Max Klinger, 
Leihgabe der staatlichen graphischen Sammlui 
München, waren vom 15. Dezember 1971 bis 
22. Jänner 1972 im Busch-Reisinger-Museum zu 
sehen. Die Ausstellung unter dem Patronat Dr. 
Pauls, des westdeutschen Gesandten in den I 
war betitelt: Ein Handschuh und andere Bildet 
Träumen und Wahrnehmungen: die graphischi 
Reihen von Max Klinger. Vom Wichita Museur 
Kunst zusammengestellt, wurde die Schau dort 
schon im Sommer 1971 gezeigt. 
Klinger, der zwar als verbindlich und modisch 
seiner Zeit galt, wurde mit Recht aus der Verg 
heit hervorgeholt, in die er seit seinem Tod 19 
geraten war. Einbildungskraft, Traumvorstellui 
Sprunghaftigkeit, Humor, grillenhafter Einfalls 
reichtum sind die Elemente, aus denen Klinger 
graphisches Werk sich zusammensetzt. Es nimi 
die Kunst der Surrealisten voraus und bringt il 
mit Freuds Studien der Psyche in Beziehung. D 
Traumatmosphäre erinnert an Blake. Der
	        

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