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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 121)

Da sich Herzheimer bei seinem Bericht über die 
Ereignisse um den Tod Maximilians" als seriö- 
ser, nüchterner Chronist erwiesen hat, verdienen 
die von ihm verzeichneten Himmelserscheinun- 
gen, die anlößlich des Hinscheidens des Monar- 
chen beobachtet worden waren, vor allem Be- 
achtung. Es ergibt sich die Frage, ab die Kräfte, 
die ihn hiezu bewogen haben, aus dem Aber- 
glauben "' und der Sensationsgier seiner Zeit, 
die in Flugblättern und Flugschriften immer 
stärkere Förderung fand, zu erklären sind, oder 
ob es sich um eine tatsächlich faßbare Natur- 
erscheinung handelt, oder schließlich, ob es 
Praiektianen humanistischen Denkens und huma- 
nistischer Schulung sein könnten. 
In Wort und Bild hält Herzheimer folgende 
Himmelserscheinungen fest: 
ln Weimar (Abb. 1) wäre am 30. November 
zwischen 5 und 6 Uhr abends (am abent An- 
dreae, zbishen fünfe uncl sechs uff den abnt 
4 tag vor denn neuen mond... im 19. iar) ein 
Stern gesehen worden „gar feurich", der sich 
mehrmals verwandelte, insgesamt fünf verschie- 
dene Gestalten annahm: einmal sah er wie ein 
Stern aus, dann hätte er gefunkelt wie ein Licht, 
zum drittenmal nahm er die Gestalt eines flam- 
menden Schwertes an, zum viertenmal die einer 
brennenden Fackel, zum fünftenmal flossen Bluts- 
tropfen aus dem Stern, der neben dem kleinen 
Bären stand". In Torgau (Abb. 2)" wurden am 
11. Jönner drei Sonnen und ein Regenbogen ge- 
sehen, in Mainz (Abb. 2) ein Stern mit Kreuz 
und Pfauenfedern". ln Berlin (Abb. 2) der Fall 
eines Feuers ". ln Altenburg schließlich (Abb. 9 
bis 10) ist am Donnerstag abend vor Laetare 
(Ende Feb. 1419) ein besonders furchterregendes 
Zeichen gesehen worden: Zunächst wurde das 
Schlagen einer Feldtrommel gehört (Abb. 7), 
dann sei es hell geworden und ein „gresslich" 
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Zeichen am Himmel gestanden (Abb. 9-10). Da 
dieses Zeichen fast vergangen war, ertönte ein 
schrecklicher Lärm (ein herten shnaltz) und zu- 
gleich sind Funken von dem Zeichen gefahren. 
Der Schwanz des Zeichens blieb auch noch ste- 
hen, als dieses fast vergangen war, durch den 
Schwanz aber schnellte eine leuchtende Kugel. 
Nachdem dies alles vergangen war, gab es 
Wetterleuchten und der Himmel stand so niedrig, 
daß man ihn mit der Hand erreichte (Abb. 8) 's. 
Der Versuch einer naturwissenschaftlichen Er- 
klürung der Zeichen ergibt geradezu die ge- 
samte Fülle meteorologischer und astronomi- 
scher Möglichkeiten. 
Das Bild von Weimar kann eine Nova sein, 
ein Komet oder Meteor. Die entzündete lodernde 
Fackel und das in Blut und Feuer getauchte 
Schwert bedeuten in der wunderglöubigen Welt 
des 16. Jahrhunderts ebenso die Erscheinung 
eines Kometen u, wie das flammende Schwert 
auch das Zeichen einer Nordlichterscheinung 
sein kann. Die drei Sonnen und Regenbogen, 
die man in Torgau sah, können Haloerschei- 
nungen mit einem Nebensonnenring von 22 Grad 
bedeuten". Bei der Erscheinung von Mainz ist 
an einen Meteor zu denken, das Zeichen von 
Berlin ließe auf einen Meteorfall schließen, 
beide Male wären aber auch Lichterscheinungen 
durchaus in Betracht zu ziehen. An ein Nordlicht- 
phönomen wäre bei der Erscheinung von Alten- 
burg zu denken. Bei letzterem käme eine aku- 
stische Hypertrophierung durch die Naturvor- 
stellung des 16. Jahrhunderts sowie Endzeit- 
erwartungen hinzu. Möglicherweise aber könnte 
es sich auch um ein Wintergewitter und einen 
Kugelblitz handeln. 
Das einzige Zeichen, das realistisch faßbar er- 
scheint und dem daher zunächst nähere Beach- 
tung gewidmet werden soll, sind jene drei Son- 
nen über Torgau. Es erwähnt Herzheimer r 
Zeichen noch in anderem Zusammenhang: 
rend seines Aufenthaltes am churfürstliche 
zu Torgau" wurde am Montag, den 11. Jt 
in den Wäldern um das churfürstliche Lust: 
in Lochau eine Jagd abgehalten. Zur Mitta 
wurden „am hymel drey sunen zbishen z 
regenpogn und den dritten regenpogn i 
gesehen: Also sein sy zu Torchaw in de 
auch gesehen worden" ". 
In der „Neuen Zeitung" schließlich" hei 
„ettlich sagenn auch, man hab dreii tag 
Kaii. Mt. abganng ob der statt Welß unnr 
Lintz dreii sunen steen sehen". Nachdem 
milian in den frühen Morgenstunden de 
Jänner starb, wären diese Zeichen am 9. J 
gesehen worden. Da diese Nachricht Herzh 
iedoch nur zugetragen wurde, muß das E 
nicht exakt sein. 
Wesentlich erscheint, daß am 11. Jönn 
Sachsen weder Maximilians Todeskrankheii 
sein unmittelbar bevorstehendes Ende be 
war, und somit bei der beobachteten Er 
nung weder Aberglauben noch Wunde 
ausschlaggebend gewesen sein dürfte. 
aber ist anzunehmen, daß es sich um 
erscheinungen an der Sonne handelt. Bei e 
tiefen Temperaturen, minimalem absc 
Feuchtigkeitsgehalt der Luft und hundertpi 
tiger relativer Luftfeuchtigkeit, also Kanc 
tion, wachsen ganz kleine Eisnadeln. Der 
entsteht durch die Brechungs- und Reflexir 
scheinungen in dem Medium vieler kleinen 
chen, also der Eisnadeln, vor einer Licht: 
der Sonne. Bei einheitlicher Teilchengröße 
nen farbige Ringe entstehen, die sich a 
stimmten Stellen, z. B. an der Kreuzung mi 
Horizontalkreis, zu lichtstarken Nebensonne 
dichten. im Fall der Erscheinung von T
	        

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