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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 121)

 
Anhang: 
Curt Holter, zur Buchmalerei 
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Albin Rohrmoser 
Spätgotik in Salzburg - 
die Malerei 
„Es ist selten etwas ganz Schlechtes, aber auch 
nie etwas epochemachend Gutes gemalt wor- 
den im spätmittelalterlichen Salzburg..." be- 
hauptet Robert Stiassny' in seiner Besprechung 
der ersten umfassenden Biographie einer alt- 
deutschen Malerschule in Salzburg von Otto 
Fischeri. Der „anziehenden, aber kleinen Seele 
der Salzburger Malerei" mit ihren „Produkten 
einer halb bäuerlichen Volkskunstuhatte Stiassny 
wenige Jahre zuvor einen ausführlichen und für 
Fischers Buch grundlegenden Artikel gewidmet, 
in dem es von eben diesen „Produkten" heißt: 
„Die Frühgotikt hatte eine Reihe von glänzen- 
den Schöpfungen hervorgebracht, deren ideale 
Anmut und zarte Vollendung man . . . als ,alt- 
kölnisch' rühmen härte"5. Fischers „Entgeg- 
nung" brachte den Höhepunkt einer scharfen 
und von persönlichen Bezügen beileibe nicht 
immer freien Polemik, die die erste Phase einer 
grundlegenden Erforschung der spätgotischen 
Malerei Salzburgs begleitete. Stiassnys Verdienst 
ist es, für eine Erforschung der altsalzburgischen 
Malerei die Fundamente gelegt zu haben, wozu 
ihm die vorangegangene Forschung nicht mehr 
als Anhaltspunkte zur Verfügung stellen kannte. 
Mit seinem als Dissertation entstandenen Buch 
hat Otto Fischer der Salzburger Malerschule ie- 
nen Umfang und iene Gestalt gegeben, die sie 
in den wesentlichen Zügen bis heute beibehalten 
hat. An wenigen Stellen nur ist es zu einschnei- 
denden Veränderungen in der Grenzziehung ge- 
kommen. Der späteren Forschung blieb vielfach 
nur mehr eine bessere Differenzierung und die 
schärfere Fassung einzelner Probleme vorbehal- 
ten. Dem bereits von Fischer vorgestellten Mate- 
rial konnte nur mehr weniges hinzugefügt wer- 
den. Dies gilt nicht nur für die ersten Jahrzehnte 
des l5. Jahrhunderts und für die Zeit zwischen 
Konrad Laib und Rueland Frueauf d. Ä., sondern 
ganz besonders für die Zeit des frühen 16. Jahr- 
hunderts, dessen Material seit Otto Fischer kei- 
ner durchgehenden Neubearbeitung unterzogen 
wurde. Otto Pächt' verdanken wir eine präzise 
Untersuchung und Herausstellung der Lokalkon- 
stanten uncl ihrer verschiedenen Ausprägungen 
im Verlaufe der Entwicklung des 15. Jahrhun- 
derts. Der dieser Arbeit angeschlossene Katalog- 
teil enthält eine Reihe neuer, der Salzburger 
Schule zugewiesener Arbeiten. L. von Baldass, 
der wie O. Benesch, E. Buchner, O. Fischer und 
W. Suida mit Aufsätzen zur Erforschung der 
Salzburger Malerei der Gotik beitrug, geht in 
seinem Buch „Konrad Laib und die beiden Rue- 
land Frueauf" auf die von außen einwirken- 
den Kräfte ein. Die vorläufig letzte Darstellung 
der Entwicklung der Salzburger Malerschule gab 
Alfred Stange". Hinweise auf die parallele Ent- 
wicklung in der Buchmalerei gab es schon vor 
ihm, hier aber ist sie in größerem Umfang mit 
herangezogen. Eine Verbindung zur nur spora- 
disch faßbaren Freskomalerei wird aufgezeigt. 
Die zumindest für die Frühzeit vorhandene Pro- 
duktion an Glasmalerei fehlt hier ebenso wie in 
den vorangehenden Gesamtdarstellungen der 
Salzburger Malerei der Gotik. 
Bis heute wurde noch nie der Versuch unternom- 
men, die Salzburger Malerei des '15. und frühen 
"I6. Jahrhunderts in einer dem Stand der wissen- 
schaftlichen Forschung angemessenen Ausstel- 
lung zu zeigen, die dem Fachgelehrten die Mög- 
lichkeit des unmittelbaren Vergleiches sowie An- 
regungen zu weiteren Untersuchungen und zur 
Diskussion geboten, dem Laien einen Überblick 
über Produktion und Problemlage dieses Gebie- 
tes verschafft hötte. Wenn sich nun das Salz- 
burger Museum Carolino Augusteum dieser Auf- 
gabe unterzieht, so muß man sich dabei voll- 
kommen klar darüber sein, daß eine der wissen- 
schaftlichen Akzentsetzung genau folgende Aus- 
stellung nicht möglich sein kann. Den Grund hie- 
für bildet der schlechte Erhaltungszustand man- 
cher Kunstwerke, der einen längeren Transport 
und Klimawechsel nicht ratsam erscheinen lößt, 
zum geringsten Teil mangelndes Verständnis und 
Entgegenkommen seitens der Leihgeber. Die 
Spontaneität, mit der sich zahlreiche Leihgeber 
von privater wie auch öffentlicher Seite in den 
Dienst der Sache stellten, hat alle Erwartungen 
übertroffen. 
So können die Anfänge der Salzburger Malerei 
in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts 
fast lückenlos dargestellt werden. Die von Stange 
unter dem Titel „italianisierende Werkstätten" 
zusammengefaßten Meister sind durch ihre Haupt- 
werke, den sogenannten Streichenkasten, den 
Weildorfer Altar aus Freising und eine Reihe 
von einzelnen Tafeln, hervorragend vertreten. 
Aus restauratorischen Gründen fehlt allerdings 
das imposanteste Werk der Frühzeit der Salz- 
burger Tafelmalerei, die Altmühldorfer Kreuzi- 
gungstafel. Einen bescheidenen Abglanz davon 
gibt das Fragment einer erst iüngst in Metten- 
heim (Kreis Mühldorf) aufgefundenen und bisher 
unpublizierten Predellentafel". Stanges „Werk- 
statten böhmischer Richtung" können so gut wie 
lückenlos mit der auf uns gekommenen Produk- 
tion gezeigt werden. Der „Meister der Diptychen" 
ist mit dem qualitätvollen Diptychon aus Stams 
und anderen Arbeiten dieser „kleinmeisterlichen 
Klosterwerkstätte" vertreten, sein Umkreis mit 
einem Kreuzigungstäfelchen aus der National 
Gallery in Dublin. Den Stil des bedeutendsten 
Meisters dieser von der böhmischen Malerei be- 
einflußten Richtung zeigt als wichtigstes Haupt- 
werk der Rauchenbergische Votivaltar, der aus 
der Salzburger Franziskanerkirche in das Kleri- 
kalseminar zu Freising gelangt ist. Bindeglied 
zur gleichzeitigen Produktion der Salzburger 
Glasmalerei ist ein dreifiguriges Kreuzigungs- 
täfelchen mit der Figur eines vornehmen Stif- 
ters". Die Glasmalerei selbst ist mit einem Fen- 
ster aus St. Leonhard bei Tamsweg und einer 
Reihe von kleineren Scheiben hervorragend ver- 
treten, die ebenfalls stark von dieser Richtung 
der Tafelmalerei abhängige Buchmalerei mit der 
„Schondoch-Handschrift" der Österreichischen 
Nationalbibliothek. Die Meister des Pfarrwerfe- 
ner Altares, des Halleiner Altares und der Lau- 
fener Kreuztragung hat Stange zu einer Gruppe 
zusammengefaßt, die - wie der Pfarrwerfener 
Meister -, „Altes und Neues in ungewöhnlicher 
Weise verbindend, den Stil der Jahrhundertmitte 
vorbereitet" haben (Stange). Die drei Meister 
sind mit ihren namengebenden Werken vertre- 
ten. Die Stilbildung des Laufener Meisters wäh- 
rend der Spätphase des „Weichen Stils" zeigt 
die Kreuzauffindung im Besitz der Landesgalerie 
Joanneum, seinen Spätstil, der bereits unter dem 
Einfluß Konrad Laibs steht, ein Kreuzigungs- 
fragment, das mit 1464 datiert ist. Ein dem Hal- 
leiner Meister nahestehendes, bisher als tirolisch 
oder oberrheinisch bezeichnetes Triptychon des 
Museums in Genf soll zur Diskussion gestellt 
werden". Ebenfalls zur Diskussion steht die von 
Baldass" der Salzburger Malerei zugewiesene 
Barbaratafel im Besitz der Österreichischen Gale- 
rie. Ein Täfelchen der staatlichen Kunsthalle 
Karlsruhe scheirrt von derselben Hand zu stam- 
men. 
Der „bedeutendste alpenlöndische Maler um die 
Jahrhundertmitte"" Konrad Laib ist zugleich 
der erste bedeutende Maler Salzburgs, der
	        

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