MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 122)

aus cllesem vverx, II'l welcnem rrunz runrmunn ule neaurlueulcu uel rumuuununsn: lxu m unuvymzn. 
Es stellt sich uns die Frage, welche Gültigkeit 
der Kunst Faistauers zukommt und was der 
Künstler unserer Gegenwart als Maler, Denker 
und Mensch zu sagen hat. Es ist bemerkens- 
wert zu beobachten, wie sich in letzter Zeit das 
Frühwerk des Meisters bei der qualitativen Beur- 
teilung seines CEuvres in den Vordergrund ge- 
sdnoben hat. Diese Akzentverlagerung scheint 
nicht nur einer gegenwartsbedingten Einstellung 
zu entspringen, denn sie war ernstzunehmenden 
Kritiker-n schon zu Lebzeiten des Künstlers be- 
wußt, sondern dürfte einer nunmehr objektiv 
geläuterten Einsicht entsprechen. Von dieser 
Blickwendung wird aber die Bewertung der 
letzten Werke Faistauers nicht berührt, die stets 
unangefochten geblieben sind und höchste Wert- 
schätzung genießen. Problematisch dagegen er- 
schienen schon einigen zeitgenössischen Kritikern 
wie Hausenstein Faistauers monumentale Fres- 
komalereien in Morzg und im Salzburger Fest- 
spielhaus und sind es für manche bis zum 
heutigen Tage geblieben. Gewiß besteht eine 
gewisse Unstimmigkeit zwischen dem hohen An- 
spruch der gestellten Aufgabe und ihrer künst- 
lerischen Bewältigung. Auch ist die vorurteilslose 
Betrachtung gerade solcher Werke durch unser 
kunstgeschichtliches Wissen von vorbildlichen 
und unerreichbaren Lösungen belastet. Die Ge- 
rechtigkeit gebietet es aber, Faistauer ein 
hohes Maß an Kraft der inhaltlichen Konzeption 
und künstlerischen Durchdringung einer damals 
so zeitfremden Aufgabe zuzuerkennen. Gerade 
im vergangenen Jahr wurde anläßlich der Auf- 
führung eines modernen Musikwerkes ein be- 
merkenswert positives Urteil über die Festspiel- 
haus-Fresken gefüllt. Daß man in der Beurtei- 
lung der Bilder aus der Wiener Zeit strenger 
geworden ist und bis zur Verurteilung geht, mag 
seine Richtigkeit haben. Doch wird man auch 
hier, wie wir gesehen haben, abwägen und 
unterscheiden müssen, um der in solchen Bildern 
steckenden Leistung Faistauers gerecht zu wer- 
den. Worin besteht nun die „Kunst" Anton 
Faistauers? 
Faistauer war ein Vollblutmaler. Seinem „lie- 
bend" schauenden Wesen verwandelten sich 
die Gegenstände der Natur in Farbe, doch 
unlösbar mit ihr verbunden auch in Form. Faist- 
auer hat wie kein anderer der neueren öster- 
reichischen Maler über den Weg einer intensi- 
ven Beschäftigung mit der französischen Malerei 
sehr bald zu seiner persönlichen Ausdrucksform 
gefunden. Sie wirkt „schwerer", „schwermüti- 
ger", aber auch „gemütvoller" als die fran- 
zösische Art. Sie beiaht den Gegenstand in sei- 
ner Dichte und in seinem Umriß und setzt sich 
damit vom Impressionismus ab. Sie erweckt ihn 
durch das Medium der Farbe zu einem gestei- 
gerten Leben, verbleibt aber durch den „blü- 
henden Charakter" im Reich der „schönen Ma- 
lerei". Das unterscheidet Faistauers Kunst wieder 
vom Expressionismus. Die Macht der schönen 
Farbe verstand er in seinen Dienst zu nehmen 
wie wenige andere Maler. 
Er weckte die dunklen und satten Töne und trug 
die Farben in pastosem Relief auf, er fächerte 
sie in feinste Werte aus und verschmolz 
Klängen van höchstem sinnlichem Reiz. l 
mochte die Farben aufrauschen zu lass 
glühender Pracht. Er kannte auch die vor 
Wirkung des kühlen Blaus, gepaart mit ' 
ler Strenge und trockenerem Pinsel und 
sich zuletzt in die Sphäre der Klarheit Ul 
silbrig schwebenden Lichts. Nicht minder 
tig für Faistauer ist die Form, von der v 
Form des Gegenstandes bis zu jener dl 
bauten Bildes. In den Frühwerken löst s 
nur schwer van der Farbe los und verharr 
am Grunde der Bilder. Dann tritt sie als l 
des Element immer stärker hervor und e 
in den Höhepunkten des Schaffens einer 
derbaren Ausgleich mit der Farbe, der ii 
ein mit dem Streben nach Symmetrie zu 
still in sich ruhenden Bildern führte, die 
auers reifste Anschauungsform offenbaren 
Wille zur Klarheit führte iedoch über 
glückhaften Schwebezustand hinaus in de 
kreis ardnenden Bauens mit kontrapunk 
Gefügen, aber auch in den Bereich fli 
Glätte und der Schematisierung. Mit diese 
zügen und Schwächen gibt sich Faistauer 
typisch österreichischer Künstler zu erl 
oder, genauer gesagt, als ein in tiefen Scl 
vom Kelto-Romanischen berührter Spro 
Salzburger Bodens, der seinen künstlei 
Weg über Wien genommen hat. Man hat 
auer einen „Maler des schönen Daseins", 
„Klassiker unter den Modernen" und 
„Nachfolger Makarts im besten Sinne de: 
tes" genannt. Man könnte ihn kurz einer 
listischen Realisten nennen und seine kü 
sche Ahnenreihe zurückführen einerseits 
Waldmüller und Füger zu Daniel Gran, ar 
seits über Schuch (trotz dessen ausgepräi 
Naturalismus), Makart und den Kremser S 
zu Rattmayr. 
Vielleicht ist dieses Ernstnehmen der W 
keif der uns umgebenden Welt und ihre E 
lung durch einen schönheitstrunkenen Rec 
der Schlüssel, der uns den Zugang zur „ 
Faistauers öffnet? 
Faistauer war ein denkender Künstler, um 
über ienes Maß hinaus, das iedem v 
Künstler selbstverständlich ist. Er hat übe. 
Kunst, über die Kunst im allgemeinen, üb 
Struktur, ihre Technik, ihre gesellschol 
Aufgaben usw. nachgedacht und verstc 
ausgezeichnet, diesen Gedanken in Auf 
Tagebüchern und ungezählten Briefen dul 
schaulich plastische Formulierungen entspri 
Ausdruck zu verleihen. Er läßt uns in 
Schilderungen von Landschaften Anteil n 
an den gewaltigen Eindrücken, die er v 
Natur empfing und die er in seinen Bilde 
wirklichte. Er verfügte zweifellos über ein 
terische Ader, die ihn im Verein mit sein: 
schöpferischen Grundbegabung trotz ma 
bahrender Schärfe seines Denkens vor 
lntellektualismus bewahrte. Den lntellel 
mus hielt Faistauer übrigens für den gefi 
sten Feind der Kunst neben dem Verlust ie 
Tradition. Er gebrauchte das schöne Wc
	        

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