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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 122)

Es ist das Besondere des Salzburger Kulturklimas, 
daß dort immer wieder Initiativen des schöpfe- 
rischen Einzelmenschen von einer aufgeschlos- 
senen Kulturverwaltung behutsam „am langen 
Zügel" verwirklicht werden. 
Die Vorlöuferin der heutigen Salzburger Som- 
merakademie war die „SchuIe des Sehens", 
1953 von Oskar Kakoschka und Friedrich Welz 
begründet. Sie bestand zehn Jahre lang. Wenn 
wir rückblickend ihre Geschichte, ihre Organisa- 
tion und die Namen der Mitwirkenden betrach- 
ten, unterschied sich diese erste Institution in 
zwei Punkten wesentlich von der Nachfolgerin: 
Die Schule des Sehens stand unter der Do- 
minante des großen alten Mannes Kokoschka. 
Für den berühmten Maler, der - darin Picasso 
vergleichbar - als lebendes Zeugnis einer schon 
fernen Vergangenheit zu uns herüberreicht -, 
war diese Schule große Bühne, Altersrolle des 
Ruhmbedeckten. Vor solchem Hauptakteur tra- 
ten sogar Namen wie Giacomo Manzü oder 
Konrad Wachsmann zurück. 
Die Schule des Sehens begann wie das 
kleine Modell einer Akademie. Die Kurse waren 
begleitet von Vorträgen des Kunsthistarikers 
Bruno Grimschitz und des Technologen Robert 
Eigenberger. Die Mitwirkenden, zu denen an- 
fangs auch Clemens Holzmeister zählte, ge- 
hörten - wie der Initiator und Leiter Friedrich 
Welz selbst - iener großen österreichischen Gei- 
stesgeneration an, deren Kultur von Künstlern 
wie Kokoschka geprägt worden ist. 
Die Neugründung als „Internationale Sommer- 
akademie für bildende Kunst" im Jahre 1964 un- 
ter dem Management Hermann Stuppäcks, des 
Präsidenten des Salzburger Kunstvereins, führte 
in eine ganz andere Richtung. 
Wer dem neuen Manager nach dem Ausschei- 
den des großen Namens Kokoschka und des 
international einflußreichen Leiters Professor 
Welz wenig Chancen eingeräumt hatte, wurde 
bald eines Besseren belehrt. 
Es gelang Hermann Stuppäck schon im ersten 
Jahr seiner Amtsführung, gute einheimische und 
- mit Max Pfeifer-Watenphul - auch interna- 
tional geschützte Kräfte zu gewinnen. In den 
folgenden Jahren wurde die Besetzung der Mei- 
sterklassen - insbesondere auf dem Gebiete der 
nonfigurativen Malerei, der Bildhauerei, der 
Architektur und der Radierung - immer wieder 
durch bedeutende Berufungen internationaler 
Kräfte verbessert. Kokoschkas „Schule des Se- 
hens", als eine auf eine große EinzeIpersönIich- 
keil ausgerichtete Kleinakademie, erfuhr in der 
„Internationalen Sommerakademie" eine bedeu- 
tende Mutation zu einer modernen Schule der 
Begegnung und der stets erneuerten Befruchtung 
im Schöpferischen. Durch ständigen Wechsel der 
Lehrkräfte treten in den Meisterklassen, dem Plu- 
ralismus einer vielfältigen Gegenwartskunst ent- 
sprechend, die verschiedensten internationalen 
Strömungen hervor. 
Wir befragen Hermann Stuppäck in seinem Büro 
am Mozartplatz: „Herr Professor, welche Rich- 
tung verfolgen Sie bei der Besetzung der Mei- 
sterklassen?" 
„Der Berufene soll als Künstler internationalen 
Rang besitzen und führender Repräsentant einer 
bedeutenden Richtung der Moderne sein. Damit 
ergibt sich ganz von selbst die Analogie zum 
pluralistischen Panorama der Gegenwartskunst." 
„Wie beurteilen Sie die internationale Resonanz 
der Sommerakademie?" 
„Am deutlichsten aus der Zusammensetzung der 
Teilnehmer, die aus 30 Nationen aus allen Erd- 
teilen zu uns kommen. Die internationale Kunst- 
kritik bringt ausführliche Reportagen, oft über 
mehrere Spalten oder in Fortsetzungen. Viele 
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