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Volltext: Alte und Moderne Kunst XVII (1972 / Heft 122)

Karl Anton Wolf 
I Anton Watt in 
tern Atelier 
elatwe Form. 
1lguß, 1966 
meide Farm. 
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erialbild, großer 
zrer Ausschnitt 
Karl Anton Wolf 
 
 
 
 
Materialbilder - 
Neue bildnerische Möglichkeiten 
Der 1908 in Wien geborene Maler und Plastiker 
Karl Anton Wolf, 1970 neben Gerhardt Moswitzer 
offizieller österreichischer Kandidat auf der Biennale 
van Venedig (mit Eisenplastiken), hat sein Publikum 
bereits des öfteren überrascht. Immer dann, wenn 
man glaubte, ihn auf ein bestimmtes Formen- 
vokabulur, auf einen eng abgegrenzten Stil 
festlegen zu können, ging der ursprüngliche 
Autodidakt, der erst 1953 zu malen begann, abrupt 
einen anderen Weg und wandte sich - in für ihn 
zumeist neuen Techniken und sehr verschiedenen 
Formaten - neuen bildnerischen Problemen zu. 
Dieser Haltung liegt die Erkenntnis zugrunde, daß 
der Kunst - egal welcher Disziplin - nichts 
abtröglicher ist als ein Verharren in Routine, ein 
bloßes Variieren einmal gefundener bildnerischer 
Lösungen und Aussagen einschließlich iener Art 
von handwerklicher Perfektion, die glaubt, ohne 
neue schöpferische Impulse und selbstgewollte 
Anstoßpunkte auszukommen. 
Für einen vitalen und dennoch ausreichend selbst- 
kritischen Künstler wie Karl Anton Wolf bedeuteten 
demzufolge selbst die 1970 und 1971 im Anschluß an 
Venedig wiederholt erfolgreich ausgestellten und 
vielbesprochenen expressiv-wuchtigen Eisenguß- 
plastiken kein Ruhekissen. Nachjm Herbst 1970 
begann der als ausgesprochener Einzelgänger der 
österreichischen Kunstszene zu wertende, sehr viel- 
seitige Maler und Plastiker sich einer neuen Reihe 
von Materialbildern zuzuwenden. Wolf gelang mit 
ihnen eine in gleicher Weise überzeugende wie 
eigenwillige Erweiterung und Neuakzentuierung 
seines Gesamtwerkes. 
Die großformatigen, oft wuchtig wirkenden, doch 
immer um ausgleichende Harmonie in der Gesamt- 
konzeption bemühten Reliefs aus bemaltem Styrapor 
lassen sich als betont subiektive, vielseitig deutbare 
Sinnbilder des technischen Zeitalters 
charakterisieren. Sie beinhalten auch die vor allem 
für Wolfs expressives malerisches Schaffen schon 
früher wesentlichen archaischen Grundzüge und 
symbolhaften Bezüge einer zur Meditation 
anregenden Weltsicht. Die Spannungen innerhalb 
der neuen Bildwerke beruhen einerseits auf der 
Wahl und Anordnung kleinerer plastischer Elemente 
und ihrer formelhaften symbalverwandten Aussage, 
andererseits aber auch auf den farbigen Kontrasten, 
die Karl Anton Wolf innerhalb einer dunklen blau- 
rot und Schwarztöne bevorzugenden Skala in 
Relotian zu größeren Weiß-Grau-Flöchen und 
Bildpartien anklingen läßt. Der klaren, über- 
zeugenden Bildkonzeption steht die durchaus 
handschriftliche Oberflcichenbehandlung einzelner 
Kompasitionsteile gegenüber. Wenn auch die 
Widerstandsfähigkeit des leichten Materials nicht 
die beste ist, so besitzt gerade auch das Styropor 
seine technologisch bedingten Reize und 
ausclrucksmäßigen Nutzbarkeiten. Karl Anton Wolf 
hat als erster Österreicher darauf hingewiesen und 
durch die von ihm praktizierten Anwendungs- 
methaden neue bildnerische Möglichkeiten entdeckt, 
die selbst in Anbetracht des erwähnten Mankos als 
durchaus legitim und fortwirkend einzuschätzen 
sind. 
Peter Baum 
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